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Entschlacken & Entgiften:
Was bedeutet das eigentlich?

Entschlacken

Entschlacken: Sinnvolle Gesundheitsmaßnahme
oder aufgelegter Blödsinn?

Unausweichlich tauchen jedes Jahr im Frühling Anzeigen, Artikel und Kommentare in vielen Zeitschriften auf, in denen von Entschlackungskuren die Rede ist. Kuren oder Anwendungen, die helfen sollen die "angesammelten Giftstoffe im Körper" besser auszuscheiden. Angesicht der ständigen Wiederholung dieser behaupteten Wirkung, verwundert es schon, dass es aus medizinischer Sicht keine zweifelsfreie wissenschaftliche Bestätigung zu diesem Thema gibt. Vielmehr scheint unter den Medizinern und Ernährungswissenschaftern die Meinung vorzuherrschen: Hilft es nicht, schadet es zumindest auch nicht. Grund genug für unsere Redaktion, die Sache genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Entschlackung wird in der Medizin als eine therapeutische Maßnahme beschrieben, um Stoffwechselprodukte vermehrt auszuscheiden. Dies geschieht durch Schwitzkuren, Rohkost, Abführmittel, Blutreinigungsmittel, Trinkkuren oder Heilfasten. Einige dieser Methoden sind in ihrer Wirksamkeit alles andere als unumstritten.

Laut Duden bezeichnet das Wort Schlacke einen „Rückstand beim Verbrennen, besonders von Koks“ – so etwas liegt im menschlichen Körper allerdings bekanntlich nicht herum. Auch die anderen Abfallprodukte und Giftstoffe, die bei unserem Stoffwechsel übrig bleiben, werden gewöhnlich zuverlässig von Niere und Darm abtransportiert. Und es gibt keine fundierten Anzeichen dafür, dass man etwa durch Fasten zusätzliche Schadstoffe aus dem Körper ausscheiden könnte. Aus wissenschaftlicher Sicht ist die entschlackende Wirkung des Heilfastens also umstritten. Abbauprodukte und giftige Stoffe werden nämlich normalerweise vom Körper - sofern ein Fehlverhalten eines dafür zuständigen Organs dem nicht gegenübersteht - wieder ausgeschieden. Eine Ansammlung von Schadstoffen, Umweltgiften oder Stoffwechselrückständen im Körper sei - laut überwiegender Mehrheit der Mediziner - nicht nachzuweisen. Somit sei auch das vielbeschworene "Entschlacken" durch eine Fastenkur ein äußerst fragwürdiges Heilsversprechen.

Pro & Contra Entschlacken und Entgiften

Dem gegenüber steht die Meinung vieler Wissenschafter, die behaupten, dass unser Organismus einem Speichermechanismus gleicht. Daher kann davon ausgegangen werden, dass auch unerwünschte Stoffe gespeichert werden, da der menschliche Körper nicht im Stande ist sämtliche Stoffe auszuscheiden. Demnach wäre folgender Ablauf beim Versuch Schadstoffen aus der Umwelt, der Nahrung und solchen, die im eigenen Organismus entstehen wieder loszuwerden denkbar: Erst versucht er, diese Stoffe auszuscheiden. Gelingt das nicht, werden sie abgelagert – und zwar an Stellen, die für die Funktionsfähigkeit des Organismus untergeordnete Bedeutung haben. Solche “Lagerplätze” sind vor allem das Binde- und Fettgewebe. Dort landen organische Säuren, Schwermetalle, Schlacken – also die biochemischen Verbindungen von Abfallstoffen.

Sind allerdings Binde- und Fettgewebe bereits überlastet, sucht sich der Körper neue Deponien, die für diesen Zweck aber im Grunde nicht vorgesehen sind: In diesem Fall kommen Gelenke, Sehnen und Muskeln an die Reihe. Zum Neutralisieren von Giften und entstehenden Säuren benötigt auch der menschliche Organismus Mineralstoffe. Werden diese nicht in ausreichender Menge mit der Nahrung geliefert, holt er sich das Kalzium kurzerhand aus den körpereigenen Reserven, den Knochen. Auf diese Weise entsteht - so wird behauptet - z. B. die Knochenschwäche Osteoporose.

Fest steht: Die Entstehung von Stoffwechselrestprodukten (Schlacken) und Giftstoffen (Toxinen) im Körper ist ein ganz normaler Vorgang, auf den unser Körper durch seine Filter-Organe und durch seine natürlichen Puffersysteme gut eingestellt ist. Das Ziel dieser natürlichen Entgiftung ist es, das Blut in seiner Zusammensetzung konstant zu halten und überflüssige Substanzen zur Ausscheidung zu bringen, somit Anlagerungen im Zellgewebe und im extrazellulären Raum (vor allem in extrazellulären Flüssigkeiten) zu verhindern.

Für eine erfolgreiche Entgiftung und "Entschlackung" - also dem Abtransport von übriggebliebenen Stoffwechselprodukten sind die Ausscheidungsorgane von zentraler Bedeutung: Leber, Niere, Darm, Blase und die Haut.

Nicht eingestellt ist unser Organismus auf die vermehrte Zufuhr von Umweltgiften und auf die vermehrte Entstehung von Stoffwechselgiften durch die Zufuhr von zu viel und zu einseitiger Nahrung. Diese Gifte und Schlacken kann der Körper oft nicht entsorgen und lagert sie im passiven Gewebe, wie Fettgewebe, Knochen und Haaren (vor allem Umweltgifte) oder gelöst im extrazellulären Raum an. Die Folge ist demnach eine fortschreitende Verschlackung und Vergiftung des Körpers. Vereinfacht dargestellt legt der Körper demnach also quasi Sondermülldeponien dort an, wo keine Stoffwechselvorgänge stattfinden.

Schadstoffe die unseren Organismus belasten können:

Stoffe, die als Abfallprodukte bei der Verstoffwechselung von Nährstoffen entstehen, dazu gehören hauptsächlich:

* Säuren

Stoffe, die als Schadstoffe Bestandteil der Nahrung sind. Dazu gehören toxische Spurenelemente wie:

* Blei
* Cadmium
* Quecksilber
* Arsen

Nahrungsbestandteile, die bei der Züchtung/Verarbeitung/Lagerung zugesetzt werden, wie:

* Nitrat
* Pestizide
* Arzneimittel
* Farbstoffe
* Konservierungsstoffe
* Weichmacher aus Verpackungsmaterialien
* Benzpyrene in Räucherwaren
* Schimmeltoxine
* Zinn aus Konserven

Natürliche toxische Nahrungsbestandteile, wie:

* Solanin
* Blausäurehaltige Glukoside
* Oxalsäure
* Nitrat
* Phytinsäure
* Toxische Proteine (Proteaseinhibitoren/Hämaglutinine…)
* Histamin (Biogene Amine)

Sinn oder Unsinn?

Die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Maßnahmen zur Entschlackung werden augenscheinlich wissenschaftlich kontrovers diskutiert. Es gibt Ansichten, die besagen, dass der Körper zwar Giftstoffe anlagert, die aber durch spezielle ernährungstherapeutische Maßnahmen nicht reversibel sind. Außerdem gibt es die Ansicht, dass durch ein Ungleichgewicht im Säure-Basen-Haushalt keine Schlacken entstehen, und es somit auch nicht zur Anlagerung von Schlacken kommen kann. Einige Experten meinen, dass vor allem die Schlacken Schuld an vielen Zivilisationskrankheiten sind.

Zweifelsfrei kann allerdings folgendes festgehalten werden: Um den Körper von diesen unerwünschten Abfallstoffen zu befreien, sind zunächst pauschal alle Maßnahmen geeignet, die zum Abbau von Speicherstoffen (vor allem Fett) führen und eine vermehrte Ausscheidung hervorrufen. Die Befolgung dieser Regeln ist somit in jedem Fall für Ihre Gesundheit förderlich.

Tägliche Maßnahmen zur Entschlackung können sein:

* 2 bis 3 Liter Wasser und Kräutertee trinken
* ballaststoffreiche Ernährung
* Ernährung über Proteine mit hoher biologischer Wertigkeit
* bedarfsgerechte Ernährung
* ausreichende Zufuhr von Vitalstoffen
* viel
Bewegung
* wenig Stress

LINKTIPPS:

.... Frühjahrsputz für den Körper (BR-online)
.... Entsäuern - Ernährung im Säure-Basen-Gleichgewicht
.... Roter, grüner, weißer Spargel - hauptsache gesund
.... Heilfasten
.... Vitaminratgeber
.... Brennessel: Heilpflanze, nicht Unkraut

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Unser Körper meldet sich, wenn er Hunger oder Durst verspürt. Und doch gehen immer mehr Menschen dazu über, statt auf ihn lieber auf den Rat von sogenannten Experten zu hören. Entsprechend sind die Zeitschriften randvoll mit Ernährungshinweisen und bieten in immer kürzer werdenden Intervallen alle nur erdenklichen Diäten an.


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