Histaminintoleranz-Häufigkeit
höher als allgemein angenommen
In
der Altersgruppe um die 40 Jahre tritt die Unverträglichkeit
besonders häufig auf. Personen mit Inhalationsallergien
und Kreuzallergien mit Nahrungsmitteln haben ein
erhöhtes Risiko an einer Histaminintoleranz
zu leiden. Man geht davon aus, dass ca. 1-4 %
der Bevölkerung an einer Histaminintoleranz
leiden. Die
Schwankungsspanne kommt daher, dass eine Histaminintoleranz
oftmals noch immer nicht richtig diagnostiziert
wird. Insbesondere bei Menschen mit einer Histaminintoleranz
können nach dem Verzehr histaminreicher Nahrungsmittel
allergieartige Symptome auftreten, wie Verschlechterung
einer bestehenden
Neurodermitis,
Magen-Darmbeschwerden, Kopfschmerzen u v. m.
Auch
Patienten, die öfter an Migräne, Asthma
oder sonstigen Unpäßlichkeiten unerklärbarer
Ursache leiden, sollten eine mögliche Histaminintoleranz
in Betracht ziehen. Grundsätzlich gilt: je
länger ein Lebensmittel gelagert oder gereift
wird, desto höher ist sein Gehalt an Histamin.
Frischfleisch enthält kein oder kaum Histamin.
Wird es jedoch weiter verarbeitet, kommt es im
Zuge des Reifungsprozesses zu einer gewissen Anhäufung
von biogenen Aminen. Für Fisch gilt ähnliches:
Auch frischer Fisch ist wenn überhaupt nur
wenig belastet. Da er jedoch leicht verderblich
ist, kommt es bakteriell bedingt rasch zu einer
Anreicherung von Histamin. Im Zuge der Weiterverarbeitung
durch Salzen, Räuchern, Marinaden oder Konservierung
wird der Histamingehalt gesteigert. Gefährlich
hohe Histaminkonzentrationen können besonders
in bestimmten Fischarten, die reich an Histidin
sind, entstehen, etwa Thunfisch, Makrele oder
Sardine.
Größere
Mengen Histamin führen zu akuten Beschwerden
wie Atemnot, Blutdruckabfall, Rötung der
Haut, Nesselausschlag, Übelkeit, Erbrechen,
Kopfschmerzen
und Durchfall. Pro Tag nimmt der Mensch durchschnittlich
4 Milligramm Histamin zu sich. Die Verträglichkeitsgrenze
von Histamin liegt bei ungefähr 10 mg. 100
mg Histamin führen bereits zu deutlichen
Vergiftungserscheinungen.
Diagnose
& Therapie
Oft
wird zuerst eine symptomatisch naheliegende Nahrungsmittelallergie
vermutet, aber Pricktest und RAST (Bluttest mit
Allergenen) sind typischerweise negativ. Die Diagnose
einer Histaminintoleranz erfolgt über die
Bestimmung der Wirksamkeit der Diaminoxidase im
Blut.
Da
man das zum Abbau von Histaminen notwendige Diaminoxidase
weder stimulieren noch ersetzen kann, ist bei
einem Mangel die Elimination von Histamin mittels
histaminfreier Diät die Therapie
der Wahl, wobei eine sorgfältige Auswahl
mit dem Hausarzt bzw. Ernährungstherapeuten
getroffen werden sollte. Wenn dies nicht ausreicht,
stehen zur Behandlung der histamininduzierten
Symptome zusätzlich Medikamente, zur Verfügung.
Diese sogenannten Antihistaminika blockieren
die Wirkungen des Histamins.
Zudem
gilt zu berücksichtigen: Histamin ist hitze-
und kältestabil, d. h. es wird beim Kochen
oder Einfrieren nicht inaktiviert. Bei histaminarmen
Lebensmitteln liegt der Histamingehalt unter fünf
Milligramm pro Kilogramm.
Histamin
ist in einigen eiweißreichen, tierischen
Lebensmitteln enthalten (z. B. in Fisch und Fischprodukten),
in denen Histamin aus der Aminosäure Histidin
gebildet wird. Es findet sich außerdem in
Lebensmitteln, die während ihrer Verarbeitung,
Reifung und Lagerung mikrobiellen und biochemischen
Veränderungen unterliegen (z. B. Käse,
Schinken, Sauerkraut und Wein). Die Histaminkonzentrationen
in diesen Lebensmitteln sind in der Regel gering,
können aber bei sensiblen Personen wie Allergikern
und Menschen, die an einer Histaminose leiden,
die oben genannten Beschwerden verursachen.
Besonders
vergorene Produkte wie Käse, Sauerkraut,
Wein, Bier, Essig und Sojasauce liefern reichlich
Histamin, dazu Fleischprodukte, die durch Trocknung
von gesalzenem oder geräuchertem rohen Fleisch
produziert werden (Salami, Rohschinken). Allgemein
gilt: der Histamingehalt steigt mit der Reife-
und Lagerungsdauer dieser Nahrungsmittel!
Auszug
besonder Histaminreicher Nahrungsmittel
|
Fischkonserven
-
Thunfisch: bis 13.000 Milligramm pro Kilogramm
- Sardine: 110 bis 1.500 Milligramm pro
Kilogramm
- Sardellen: zirka 180 Milligramm pro Kilogramm
|
Käse
- Emmentaler: bis 550 Milligramm pro Kilogramm
- Quargel: zirka 400 Milligramm pro Kilogramm
- Gouda: 30 bis 180 Milligramm pro Kilogramm
- Tilsiter: 50 bis 60 Milligramm pro Kilogramm
- Camembert: 40 bis 60 Milligramm pro Kilogramm
|
dazu
einige Obst- und Gemüsesorten
-
Bananen, Melanzane, Birnen, Orangen, Kiwi,
Erdbeeren
- Tomaten, Sauerkraut, sowie
- Nüsse
- Alkohol, insbesondere Bier und Rotwein.
Auch
die anderen biogenen Amine werden von der Diaminoxidase
(histaminabbauendes Enzym) abgebaut. Eine Speise,
die wenig Histamin, aber große Mengen an
anderen biogenen Aminen enthält, kann Beschwerden
auslösen. Schokolade zum Beispiel liefert
kein Histamin enthält aber Tyramin. Die Amine
stammen aus dem Kakao und lösen oft
Migräneanfälle
aus. Bei einer Histaminintoleranz sollen schokoladehältige
Süßspeisen wie Torten, Kekse oder Speiseeis
gemieden werden.
Nahrungsmittel
wiederum, die von sich aus unspezifisch Histamin
freisetzen heißen Histaminliberatoren: