MedNews
der Woche
Kalenderwoche
18; 2007
Wie
sinnvoll sind private IgG-Tests bei Verdacht auf Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Glaubt
man internationalen Studien, so leidet bereits jeder fünfte Mitteleuropäer
unter einer sogenannten Nahrungsmittelunverträglichkeit (NMU). Diese
Unverträglichkeit, gegen einzelne Nahrungsmittel oder Nahrungsmittelbestandteile
kann je nach Auslöser zu einer Vielzahl von Beschwerden führen,
die das Wohlbefinden der Betroffenen mitunter enorm beeinträchtigen.
Während man aber die Nahrungsmittelallergien durch IgE-Antikörper,
Pseudoallergien oder Zuckerintoleranz leicht diagnostizieren kann, fällt
dies bei IgG4-vermittelten Unverträglichkeiten wesentlich schwerer. Ein
spezieller Test auf IgG-Antikörper (Yorktest) soll Abhilfe schaffen,
ist wissenschaftlich aber nicht unumstritten und die Kosten werden nicht von den
Kassen übernommen.
Nahrungsmittelunverträglichkeiten
werden unterteilt in: - Nahrungsmittelallergien
Bei der Allergie sieht das körpereigene Immunsystem fälschlich körperfremde
eigentlich unschädliche Eiweißstoffe (sogenannte Allergene) aus der
Nahrung als "Feind" an und bildet Antikörper als vorbeugende Massnahme
gegen die nächste Begegnung mit dem Stoff. Geringste Mengen des allergieauslösenden
Stoffes (Allergen) können dann schon beim nächsten Kontakt durch die
Freisetzung von Histamin und anderen Stoffen Allergiesymptome auslösen. - Nahrungsmittelintoleranzen
Ganz anders
verhällt es sich bei der
Nahrungsmittelintoleranz: Hier hat der Körper die Fähigkeit
verloren einen bestimmten Stoff zu verdauen oder er hat diese Fähigkeit nie
besessen, so dass die Symptome nur mittelbar und nicht durch die Reaktion der
körpereigenen Abwehr auf das Nahrungsmittel ausgelöst werden. Die auch
als Pseudoallergie bezeichneten Beschwerden hängen mit bestimmten
Enzymen zusammen. Diese Eiweißkörper in den Zellen des Verdauungsapparates
zerlegen als Biokatalysatoren die verschiedenen mit der Nahrung aufgenommenen
oder auch vom Körper selbst produzierten Stoffe. Die Intoleranz muss nicht
vollständig sein, so daß geringe Mengen des Nahrungsmittels weiter
verzehrt werden können. Erst Mengen, die über der Toleranzschwelle liegen,
lösen Symptome aus. Ein
bekanntes Beispiel für eine Nahrungsmittelintoleranz, die sowohl erworben
als auch angeboren auftreten kann, ist die Intoleranz gegenüber Milchzucker,
die sogenannte
Laktoseintoleranz. Bei dieser sogenannten Milchzuckerunverträglichkeit
ist ein Mangel des Enzyms Laktase die Ursache, dass Milchzucker nicht gespalten
werden kann. Er gelangt unzerlegt in den Dickdarm und wird dort von Bakterien
vergoren. Die Folge: Bauchschmerzen und Blähungen. Weitere beispiele sind
die sogenannte Histaminose bzw.
Histaminintoleranz,
sowie die Fructoseintoleranz (Unverträglichkeit von Fruchtzucker). -
Zöliakie
Als
Zöliakie wird die Unverträglichkeit
gegen den Getreideeiweißstoff Gluten bezeichnet, die zu krankhaften Veränderungen
der Dünndarmschleimhaut führt. Obwohl
endgültige Beweise noch ausstehen, wird vermutet, dass auch Stress und seelische
Belastungen zur Entstehung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten zumindest
beitragen. Es gibt viele weitere plausible Indizien für die Ursache von Allergien.
So können etwa übertriebene Hygiene (
Hygiene-Hypothese)
und Antibiotika im Säuglings- und Kleinkindalter das Immunsystem so sehr
verwirren, dass es gegen im Grund harmlose Substanzen mobil macht. Belegt ist
hingegen, dass Menschen mit Reizdarmsyndrom eine höhere Häufigkeit von
Nahrungsmittelunverträglichkeiten aufweisen. Bluttest
soll Nahrungsmittelunverträglichkeiten aufzeigen
Seit
einigen Jahren bietet die Firma Yorktest den sogenannten FoodSCAN
zur Ermittlung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten an.
Dieser ist auch privat über das Internet zu beziehen und
soll zuverlässig Aufschluß über bestehende sogenannte
IgG-vermittelten Unverträglichkeiten geben. Da Darmerkrankungen
die durch Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten verursacht
sind sehr oft von behandelnden Ärzten nicht erkannt werden,
begeben sich immer mehr Patienten selbständig auf die Suche
nach den Ursachen ihrer Beschwerden.
Genau
hier will die Firma Yorktest auch ansetzen und Betroffenen ein
Instrument in die Hand geben um Unverträglichkeiten aufzudecken.
Die Methode - genaugenommen die Interpretation des Messergebnisses
- aber ist wissenschaftlich umstritten. Die Kritik betrifft
also nicht unbedingt die Methodik der IgG-Bestimmung, sondern
die Interpretation, da eine IgG-Produktion gegenüber Nahrungsmittelproteinen
zur normalen Immunantwort gehört und keinerlei Krankheitswert
hat. So stellt die Bildung von IgG-Antikörpern eine normale
und harmlose Reaktion des Körpers auf den Kontakt mit Fremdsubstanzen
(in diesem Fall Nahrungsmittel) dar, und deren Präsenz
bedeutet lediglich den Nachweis für Verzehr. Eine Eliminationsdiät
auf Basis solcher Resultate mit teils hundert und mehr
positiven Nahrungsmitteln führt zu Verwirrung
sowohl von Patienten als auch Therapeuten. Tatsächlich
geht die Firma FoodScan (Yorktest) mit den Kritikern konform,
dass die Präsenz von IgG-Antikörpern auf Nahrungsmittel
allein keine Basis einer Eliminationsdiät sein kann und
darf.
Offiziell
wird auch
großer Wert darauf gelegt, dass der Yorktest kein Erstdiagnostikum
ist, sondern eine Anwendung erst nach gründlicher Anamnese
und Ausschluss anderer Faktoren in Betracht gezogen werden soll.
Warum der Test (Kosten des Einstiegstests ab 29,90 EUR - Folgetests
ab 199.- bis 399.- EUR) dennoch rezeptfrei für jedermann
über das Internet bezogen werden kann bleibt offen.
Allergologen
raten dringend vom selbstdiagnostischen Einsatz des Yorktests ab
Die
Testgrundlage bildet ein standardisierter ELISA (= immunologisches
Nachweisverfahren auf Basis einer enzymatischen Farbreaktion)
zur Bestimmung von IgG-Antikörpern. Das Vorliegen solcher
IgG-Antikörper soll den Nachweis einer Unverträglichkeit
erbringen. Genau dies wird allerdings wissenschaftlich äußerst
kontrovers diskutiert,
beweise dies doch lediglich, dass eine Auseinandersetzung mit
dem Immunsystem stattgefunden hat, nicht aber, ob eine echte
Erkrankung vorliegt. Soll heissen, mit dem IgG4-Antikörper
kann man lediglich nachweisen, dass eine erhöhte Sensibiltät
vorhanden ist, was damit zusammenhängt, dass man mit dem
Nahrungsmittel in Kontakt war.
In
einer
offiziellen Stellungnahme des Ärzteverbandes
Deutscher Allergologen (ÄDA) und der Deutschen Gesellschaft
für Allergie und klinischen Immunologie (DGAI) zur
geringen Validität der IgG-Bestimmung heißt es, dass
die Bestimmung von spezifischen IgG oder IgG 4 - Antikörpern
auf Nahrungsmittelallergene keine Aussagekraft besitzen und
daher zur Abklärung oder zum Ausschluß einer Nahrungsmittelallergie
ungeeignet sind.
Ob
Lebensmittel bei Beschwerden eine Rolle spielen läßt sich demnach nur
über eine ausführliche Allergie-Diagnostik, bestehend aus Anamnese,
dem Führen eines Ernährungs-Symptom-Tagebuchs, IgE-Bestimmungen und/oder
Hauttests sowie Eliminations- und Provokationstestungen klären. Eine umfassende
Diagnose sollte in Ihrem Fall in einer Allergie-Fachklinik durchgeführt werden
um Mangelerscheinungen zu vermeiden.
LINKTIPPS:
.... FoodSCAN - Yorktest
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Patientenabzocken durch sinnlose Allergietests
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Deutsches Ärzteblatt: Bewährte statt nicht evaluierte
Diagnostik
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FoodSCAN zur Kritik am Yorktest
.... Laktose-Intoleranz & Kuhmilchallergie
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