MedNews
der Woche
Kalenderwoche
22; 2008
SCHUPPENFLECHTE
(Psoriasis vulgaris)
Biologika
gegen den Leidensdruck?

Psoriasis
ist nicht nur ein simples kosmetisches Problem, sondern
beeinträchtigt
die Lebensqualität erheblich. Und Viele mussten bisher
leidlich erfahren,
dass ihre Erkrankung hartnäckig den geläufigen
Behandlungsmethoden trotzt.
Für diese Patienten scheint ein Licht am Ende des Tunnels
gefunden. Der Einsatz von
"Biologics" liefert erstaunliche und vielversprechende
Therapieerfolge?
Die,
im weltweiten Schnitt, etwa 2% von Schuppenflechte betroffenen
Menschen, die diese chronisch verlaufende, dermatologische Erkrankung
ertragen müssen, erfahren nicht nur seelisches Leid, sondern
ebenso erhebliche körperliche Behinderungen. Und sie müssen
mühevolle Therapien und - in deren Fahrwasser - etliche
Nebenwirkungen über sich ergehen lassen. Patientenbefragungen
ergaben gar eine gefühlte beeinträchtigte Lebensqualität,
die jener der Typ-2-Diabetis oder chronischen Lungenerkrankungen
um nichts nachsteht. Menschen, die von dieser Erkrankung betroffen
sind, befinden sich nicht unbedingt im Zentrum gesellschaftsmedizinischer
und öffentlicher Wahrnehmung. Doch der soziale Druck der
Stigmatisierung durch Psoriasis und die damit verbundenen schweren
Auswirkungen auf die Psyche der Patienten werden oftmals unterschätzt.
Nur etwa ein Viertel der Patienten spricht mit hoher Zufriedenheit
auf Therapiemaßnahmen an, für etwa 20-30% (manche
Studien sprechen gar von 40%) besteht eine Noncompliance bezüglich
der Medikamenteneinahmen bzw. eine bereits erfolgte "Ausbehandlung",
also ein Nicht-Ansprechen auf herkömmliche Therapieformen.
Es handelt sich hierbei vor allem um folgende Therapien (nach
Stärke und Ausprägung der Erkrankung gereihte Basistherapien):
Leicht:
Topische Therapie - Anwendung wirkstofffreier Salbengrundlagen,
Laser, Teer, Vitamin D, u.a.
Mittel: Begleitend - Klima / Balneotherapie , Psychosoziale
Therapie, UV-Behandlung
Schwer: Ergänzend - Systemische Therapie: Medikamentöse
Behandlung, Fototherapie
Zu
letzterer Kategorie zählen sich auch die in der EU seit
geraumer Zeit zugelassenen "Biologics". Sie erweisen
sich für die, von schwerer Psoriasis gezeichneten, High-Need-Patienten
oftmals nicht nur als letzte Hoffnung, sondern als erstaunlich
wirksames Mittel im Kampf gegen die Schuppenflechte.
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Unter
"Biologics", die Kurzform von "Biological
Products", versteht man biotechnologisch hergestellte
Viren, Seren, Impfstoffe, Toxine, Antitoxine, Allergene,
Blut, Eiweisse und weitere Produkte, die unter Verwendung
lebender Zellen gewonnen werden. In dieser unübersichtlichen,
weitläufigen Gruppe der Biologika, grenzt sich eine
Untergruppe ab, die gezielt zur Behandlung von unter anderem
Psoriasis entwickelt wurde. Präperate der Bezeichnung
"Biological Response Modifiers" (BRM), unter
dem Oberbegriff "Therapeutics", dienen der Steigerung
oder Wiederherstellung
der Fähigkeit des Immunsystems zur Bekämpfung
von Erkrankungen und Infektionen.
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Unter diesen BRMs finden sich die "Disease Modifying
Anthirheumatic Drugs" (DMARDs). Und eben diese Biologics,
die therapeutische Antikörper, Fusionsproteine oder
Zytokine (natürliche Botenstoffe/Proteine zur Kommunikation
zwischen den Körperzellen) enthalten, erweisen sich
gegen Psoriasis als äußerst wirkungsvoll. Sie
werden dem Körper durch Infusion oder Injektion zugeführt.
Zweiteres kann - subkutan - durchaus auch vom Patienten
selbst durchgeführt werden, der dadurch ab und an
den Weg zu Arzt einspart.
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Die
"Biologika" kämpfen wesentlich effizienter
und gezielter gegen die Erkrankung an, als herkömmliche
systemische Medikamentenbehandlungen. Die Wirkung tritt äußerst
schnell ein, die Behandlung verschont den Patienten vor umständlicher
Methodik und der Erfolg ist beachtlich. Bei schweren Fällen
tritt eine Reduktion (bis beinahe völliger Rückgang)
der sichtbaren Erkrankung ein, die (nach Studien, der zur
Zeit in der EU zugelassenen vier angewandeten "Biologics"
gegen Psoriasis) bei immerhin etwa 30% liegt. Die, zur Zeit
zugelassenen DMARDs sind:
-
"Raptiva®"
, für chronische Plaque-Psoriasis
-
"Enbrel®"
, für chronische Plaque-Psoriasis und Psoriasis-Arthritis
-
"Remicade®",
für chronische Plaque-Psoriasis und Psoriasis-Arthritis,
gilt im Allgemeinen als das "schnellste" Medikament
zur Eindämmung
-
"Humira®"
, für Psoriasis-Arthritis
Die
Einsatzdauer variiert, ebenso die Rebound-Wirkung (Wiederkehr
der Erkrankung nach Ende der Behandlung). Zu den Nebenwirkungen
zählen vor allem Infektionen, wie etwa Grippe.
Einen
dicker Wermutstropfen trübt jedoch ein wenig die Freude
über die Behandlungserfolge: Biologics sind hochpreisige
Arzneimittel (etwa 1.500.- bis 2000.- / Monat) und unterliegen
in ihrer Verordnung dem Wirtschaftlichkeitsgebot. Patienten,
die also auf herkömmliche Therapiemethoden ansprechen
bzw. diese noch nicht erfolglos durchlaufen haben, kommen
meist nicht in den Genuss der erfolgreichen "Biologika".
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