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Thema
der Woche
Kalenderwoche 43; Jahr 2006 Geschmacksverstärker
im Essen:
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| Zugelassene
Geschmacksverstärker im Überblick | ||
| Natriumlactat
E 325 Kaliumlactat E 326 Calciumlactat E 327 Adipinsäure E 355 Natriumadipat E 356 Kaliumadipat E 357 Bernsteinsäure E 363 Kaliumchlorid E 508 Calciumchlorid E 509 | Magnesiumchlorid
E 511 Glutaminsäure E 620 Mononatriumglutamat E 621 Monokaliumglutamat E 622 Calciumdiglutamat E 623 Monoammoniumglutamat E 624 Magnesiumdiglutamat E 625 Guanylsäure E 626 Dinatriumguanylat E 627 | Dikaliumguanylat
E 628 Calciumguanylat E 629 Inosinsäure E 630 Dinatriuminosinat E 631 Dikaliuminosinat E 632 Dicalciuminosinat E 633 Calcium-5-ribonucleotid E 634 Dinatrium-5-ribonucleotid E 635 Glycin E 640 Thaumatin E 957 |
Böses, böses Glutamat ?
Als Glutamate werden die Salze der Glutaminsäure bezeichnet. Diese Aminosäure ähndelt jener Aminosäuren, die im menschlichen Körper das Eiweiß bilden. Glutamate kommen auch in unserer natürlichen Ernährung vor. Im Körper dienen sie als Botenstoffe (Neurotransmitter) für Informationen im Gehirn. Künstlich hergestellte Glutamate werden vor allem in Würzmitteln, praktisch in allen Fertiggerichten, Soßen, Beutelsuppen und asiatischen Gerichten verwendet. Sie sind als Geschmacksverstärker gekennzeichnet oder als E620 E625, manchmal auch nur als Würzmittel.
Als Substanz wurde Glutamat (Natriumglutamat) zuerst 1866 vom Deutschen Karl Heinrich Leopold Ritthausen identifiziert, 1908 entdeckte der japanische Forscher Kikunae Ikeda dessen Bedeutung als Geschmacksqualität; er untersuchte, was die Ursache für den besonderen Wohlgeschmack von Käse (z.B. Parmesan), Fleisch und Tomaten ist, der aber nicht durch die vier bekannten Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter abgedeckt wird. Dabei konnte er aus einem in Japan in der Küche verwendeten Algenextrakt Glutamat extrahieren und nachweisen, dass Glutamat für den speziellen Umami-Geschmack verantwortlich ist.
Viele
wohlschmeckende Lebensmittel (wie reife Tomaten und Käse) enthalten hohe
Gehalte an freiem Glutamat. Aus diesem Grund werden sie schon seit Jahrhunderten
in der Küche als 'natürliche' Geschmacksverstärker geschätzt.
In der asiatischen Küche werden Fischsaucen und Algenextrakte als Glutamatspender
verwendet. Über die Nahrung nehmen wir somit bei normaler Mischkost täglich
Glutamat auf. Einige Menschen reagieren jedoch empfindlich auf größere
Mengen dieser Stoffe. Es treten z.B.
Kopfschmerzen, Schwindel-
oder Wärmegefühle oder starkes Herzklopfen auf.
Der
Geschmacksverstärker Glutamat ist gesetzlich zugelassen und dennoch umstritten
- unter anderem auch, weil er
Übergewicht
fördern soll. Bereits beim ersten Kontakt mit Glutamat läuft einem reichlich
Wasser im Mund zusammen. Mehr Speichel animiert jedoch unbewusst zum Weiteressen,
Glutamat dürfte also Appetit anregend wirken.
Hie und da eine Prise Glutamat im Essen ist kein Grund zur Sorge. Doch bei Menschen,
die auf Glutamat empfindlich reagieren, und bei reichlichem Verzehr sieht das
anders aus. Außerdem fördert Glutamat die Insulinausschüttung,
was zu regelrechtem Heißhunger führen kann. Auch erhöht Glutamat
die Menge des Stresshormons Kortison, das unter anderem die Einlagerung von Fett
in den Körper fördert.
Glutaminsäure und die Glutamate können bei entsprechend disponierten Personen tatsächlich krankheitsauslösend wirken. Durch erhöhten Verzehr können etwa Kopfschmerzen, Nackentaubheit, Gliederschmerzen und Übelkeit auftreten. Diese Krankheitsmerkmale sind auch als "Chinarestaurant Syndrom" bekannt. Neuere Untersuchungen in diesem Zusammenhang zeichnen nicht mehr die Glutamate, sondern eine andere Aminosäure, das Histamin, für diese Symptome verantwortlich. Möglicherweise spielen hierbei auch allergische oder pseudoallergische Reaktionen eine Rolle.
Glutamate
werden heute vor allem in der amerikanischen Literatur für
Asthma,
Migräne und viele
allergische Reaktionen verantwortlich gemacht. Welche genauen Auswirkungen
Glutamat-Verbindungen auf den menschlichen Körper nach Passage des Magen-Darm-Traktes
haben, muss aber noch genauer untersucht werden. In diesbezüglichen Doppelblindstudien
konnte bislang keine Schädlichkeit nachgewiesen werden. Bis zum Vorliegen
entsprechender - signifikanter - Forschungsergebnisse gelten Mononatriumglutamat
und ähnliche Verbindungen jedenfalls offiziell als gesundheitlich unbedenklich.
Oft unerkannt
Mehr als 4.500 verschiedene natürliche Aromastoffe in Lebensmitteln sind bekannt. Doch wenn heute Aroma in der Zutatenliste steht, dann verbirgt sich dahinter ein physikalisch, chemisch, gentechnisch oder biotechnisch hergestellter Geschmacksstoff. Oft wird er synthetisch hergestellt oder von Bakterien, Schimmelpilzen oder anderen Mikroorganismen produziert. Das problematische Glutamat "versteckt" sich aber sehr gerne: Wer würde vermuten, dass sich hinter den Begriffen "Aroma", "Würze", "Milchzucker" oder "Hefeextrakt" erhebliche Glutamatmengen verbergen? Glutamat ist ein wesentlicher Bestandteil von Gemüse- und anderen Fertigbrühen, Hefeflocken und Flüssigwürzen.
Leider kommt es seit einiger Zeit auch in vielen Fleisch- und Wurstwaren zum Einsatz, weshalb ein besonders kritischer Einkauf ratsam ist um unliebsamen Überraschungen vorzubeugen.
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