Thema
der Woche
Kalenderwoche
45, Jahr 2006
Tabuthema Blähungen

Fast
jeder Dritte leidet darunter, niemand spricht gern darüber, unangenehm
sind sie trotzdem: Blähungen. Während gelegentliche Blähungen
störend aber harmlos sind, kann die übermäßige Produktion
und Ansammlung von Gas im Verdaungstrakt quälend werden, wenn die Gase
nicht entweichen können und sich der Darm aufbläht wie ein Ballon.
Woher die Blähungen kommen und was Sie dagegen tun können, versuchen
wir an dieser Stelle für Sie zu beantworten.
Die
Medizin bezeichnet die Aufblähung des Magens bzw. des Darms durch bei der
Verdauung gebildete Gase (z.B. Methan, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff
und andere Gär- bzw. Faulgase) mit zum Teil reichlichem Abgang von Darmgasen
(Winde) als Flatulenz (lat. flatus Wind, Blähung). Sitzen
diese Darmgase fest und können nicht entweichen, kann es zu äußerst
schmerzhaften Bauchkrämpfen bis hin zu Koliken kommen. Diese festsitzenden
Blähungen werden als Blähsucht oder Meteorismus bezeichnet.
Ursachen
Blähungen
entstehen in erster Linie durch Verdauungsprozesse, an denen Darmbakterien und
Enzyme beteiligt sind. Etwa 11 Liter Gase erzeugt der Darm pro Tag, die zunächst
auf 2 Liter komprimiert und dann großteils über die Darmwand in den
Blutkreislauf rückgeführt und ausgeatmet werden. Der Rest macht sich
als Wind mehr oder weniger stark, in jedem Fall aber unrühmlich bemerkbar.
im Durchschnitt hat der Mensch täglich ganze 15 bis 20 Mal eine Flatulenz
und stößt dabei 500 bis 1500 Milliliter Gase aus. Die müssen aber
nicht zwangläufig laut und übelriechend sein; viele verpuffen einfach
ungehört und unbemerkt. Grundsätzlich
entstehen bei jedem Verdauungsvorgang Gase. Sie werden von Bakterien produziert,
die all jene Speisen im Dickdarm zersetzen, die vorher im Verdauungstrakt nicht
verdaut werden konnten. Kleine Mengen an Luft geraten außerdem beim Essen
und Trinken ins Verdauungssystem. Wir verschlucken sie, wenn wir beim Essen viel
reden, uns nicht die nötig Zeit lassen und unter Stress stehen. Bei hastigem
Essen wird etwa doppelt so viel Luft mit heruntergeschluckt als normalerweise. Das
Auftreten einer Flatulenz wird natürlich vor allem durch die Ernährung
bestimmt. Eine deutliche Steigerung der üblichen Gasproduktion kann z. B.
durch Hülsenfrüchte bewirkt werden. Aber auch bei
Milchallergie
(Unverträglichkeit gegenüber Kuhmilcheiweiß),
Histamin-Intoleranz
und Lactoseintoleranz
(Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker) kann es zu starker Flatulenz
kommen. Auch
Zöliakie, also die Unverträglichkeit von Gluten (Klebereiweis
des Getreides) kann für übermäßige Blähungen verantwortlich
sein. Eine sichere Diagnostik kann in diesem Fall allerdings nur durch eine Dünndarmbiopsie
erfolgen. Weitere Ursachen oder zumindest Verstärker der Flatulenz sind:
- Nikotin
- zu
viel Kaffee
- frisches
Brot
- übermäßiger
Konsum von Alkohol (besonders Bier
Gar
nicht selten ist das Auftreten verstärkter Blähungen nach der
Raucherentwöhnung.
Nach langjährigem rauchen bedeutet der Wegfall gewisser (verdauungsfördernder)
Rauchinhaltsstoffe eine ziemliche Umstellung für den Körper, die nicht
selten mit Blähungen und Gewichtszunahme einhergeht. Nach Ansicht vieler
Mediziner kann diese Umstellung bis zu einem jahr nach beendigung des rauchens
dauern. Kommen zu den Blähungen noch Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit
oder ein verändertes Stuhlverhalten hinzu, so sollten die Ursachen mit einem
Arzt abgeklärt werden. Es könnten Erkrankungen des Magen-Darmtraktes
vorliegen: Reizmagen, Reizdarm, Magenschleimhautentzündung usw. Auch eine
Besiedelung des Darms mit sogenannten
Candida-Pilzen wäre
denkbar.
Auslöser
von Blähungen
Zwiebeln und Knoblauch, Kohl, Hülsenfrüchte (z.B. Bohnen, Linsen, Erbsen),
unreifes Obst, Gurken und generell Rohkost, Schlagobers, Softeis, Eiskaltes und
Fettes und Kaffee sind besonders blähungsfördernd. Zudem: Schweinefleisch,
Milchzucker, Süßigkeiten, frisches Brot, Vollkornprodukte, all das
sind Nahrungsmittel, die mehr Blähungen erzeugen können als andere. Ballaststoffreiche
Lebensmittel wirken vor allem zusammen mit zuckerhaltiger Nahrung sowie mit Obst
und Fruchtsäften blähend. Manche Menschen reagieren grundsätzlich
auf zuckerhaltige Nahrung mit Blähungen, bei manchen lösen Nahrungsmittelzusätze
wie Sorbit (ein Zuckeraustauschstoff) Blähungen aus. Auch Fertiggerichte,
Konservenkost oder stark kohlensäurehaltige Mineralwässer können
ursächlich sein.
Was
schafft Abhilfe?
Erleichterung schaffen altbewährte Hausmittel wie Tees aus Kümmel, Fenchel,
Melisse, Anis, Pfefferminze und auch Enzian. Äußerlich angewendet hilft
Kümmelöl, das in kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn auf den Bauch
aufgetragen wird. Die Pharmaindustrie bietet sogenannte Entschäumer, die
die vielen kleinen Gasbläschen im Verdauungsbrei auflösen, in Kapselform
oder als so genannte Suspension an (z.B. Lefaxin® von Bayer). Luft und Darmgase
können dadurch vom Körper aufgenommen werden und ihn auf natürlichem
Weg verlassen. Der unangenehme Druck und das Spannungsgefühl im Bauch lassen
nach. Die Wirkung ist rein physikalisch, der Wirkstoff selbst wird vom Körper
nicht aufgenommen und unverändert wieder ausgeschieden. Tipps:
- Essen
Sie vorwiegend Speisen, die leicht verdaulich sind. Zu viele
Ballaststoffe, scharf gewürzte, zu süße
oder zu fette Speisen sollten Sie ebenso meiden, wie zuviel
rohes Gemüse. Besser ist blanchiertes oder gedünstetes
Gemüse, das aber noch knackig sein darf.
- Langsames
Essen und das gute Einspeicheln der Nahrung können Wunder
wirken. Außerdem sollte gut gekaut werden.
- Hektisches
Essen, Stress, Nervosität und seelische Belastungen -
auch das bringt den Darm zum Rumoren.
- Regelmäßige
Bewegung bringt auch den Darm in Schwung.
- Mahlzeiten
und Stuhlgang sollten zu den gleichen Tageszeiten erfolgen,
um der Verdauungstätigkeit eine tageszeitliche Rhythmik
zu geben.
- Essen
Sie nie zu spät. Am besten nehmen Sie Ihre letzte Mahlzeit
vor 19 Uhr ein und verzichten am Abend auf schwere Gerichte,
die Ihren Magen belasten.
- Bei
Bauchschmerzen helfen Wärme (Thermofor, Warmbad) und
eine leichte Bauchmassage.
Wenn Blähbauch und Völlegefühl, womöglich sogar Bauchkrämpfe
oder Koliken unabhängig vom Essen bzw. auf leeren Magen auftreten oder auf
Dauer alle Hausmittel gegen die Blähungen wirkungslos bleiben, so ist ein
Arztbesuch dringend anzuraten.
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