Allergien
& Umwelt
Allergien:
Immer bessere Behandlungsmöglichkeiten,
aber jeder Zweite genetisch vorbelastet
Wien - Die Devise: "Diagnose so früh und exakt wie möglich
- Damit lässt sich die Krankheit per 'Impfung' womöglich sogar
heilen" - Allein rund 900.000 Österreicher leiden an Pollenallergien,
insgesamt sind von solchen Leiden etwa 20 Prozent der Menschen
betroffen. Die Tendenz ist steigend. Darauf verwies bei einem
Hintergrundgespräch der Wiener Experte Univ.-Prof. Dr. Christof
Ebner vom Institut für Experimentelle Pathologie der Universität
Wien. "Eine Allergie ist eine erworbene immunologisch vermittelte
Überempfindlichkeit. Allergien nehmen zu. Man kann sagen, dass
in Österreich die Häufigkeit bei 20 Prozent der Bevölkerung
liegt. Bei Kindern ist der Prozentsatz höher anzusiedeln. In
einer Schweizer Studie, die 1986 und 1996 mit exakt der gleichen
Methodologie durchgeführt wurde, zeigte sich, dass die Häufigkeit
von Allergien innerhalb von zehn Jahren um fünf Prozent gestiegen
ist", sagte Ebner.
Genetische
Disposition muss vorliegen
Veranlagung
und Umwelt greifen bei der Entstehung von Allergien in einander.
Der Experte: "Es muss eine genetische Disposition vorliegen.
Man schätzt den Pool dieser Menschen mit rund 50 Prozent der
Bevölkerung." Groß angelegte deutsche Vergleichsstudien zwischen
den alten und den neuen Bundesländern zeigten, dass ein niedriger
sozialer Status mit weniger Hygiene, mehr Kindern und mehr durchgemachten
Infektionen einen Schutzfaktor im Vergleich zu der "klinisch
reinen" Umwelt in den Haushalten der westlichen Industriegesellschaft
darstellt. Einen Vorteil dürften auch Impfungen wie jene gegen
die Tuberkulose (BCG) bieten. Ebner: "Impfungen trainieren jenen
'Schenkel' des Immunsystems, der zu jenem, der für Allergien
verantwortlich ist, gegenläufig ist." Während im Alter zwischen
einem und drei Jahren Nahrungsmittelallergien (Kuhmilch, Eier)
am häufigsten sind, stehen bei Betroffenen im Alter zwischen
drei und sieben Jahren die Staubmilben-Allergien im Vordergrund.
Im
frühen Erwachsenenalter steigen Heuschnupfen, allergische Bindehautentzündungen
& Co. in der Häufigkeit an. Der Fachmann: "Danach gibt es nach
einem Anstieg der Asthma-Erkrankungen im Kindesalter einen zweiten
'Asthma-Gipfel'. Das sind die schlecht behandelten Heuschnupfen-Problematiken."
Die Gefahr: Bei solchen Allergien kann es zu einem "Etagenwechsel"
von Augen oder Nase in Richtung Lunge kommen. Dann entsteht
aus dem Heuschnupfen das Asthma. Heilung bzw. eine längerfristige
bedeutsame Verbesserung verspricht allein die "Allergieimpfung"
(Desensibilisierung). Dabei bekommt der Patient nach einer entsprechenden
genauen Diagnose zunächst steigende Dosierungen des Allergens
unter die Haut gespritzt. Später wird seltener eine Erhaltungsdosis
injiziert. Ebner: "Die einzige Möglichkeit, bei Allergien therapeutisch
kausal einzugreifen, ist diese spezielle Immuntherapie." Die
Methode eignet sich besonders für Pollen-, Hausstaubmilben-
und Insektengift-Allergien. In Zukunft wird es auch solche Impfstoffe
für Schimmelpilz-Allergiker geben. Ein wachsendes Problem: die
Ragweed-Allergie. Ebner: "Die Ragweed-Allergie ist in den USA
die Nr. 1 bei den Pollenallegien. Ragweed wurde aus den USA
mit Hilfslieferungen nach dem Krieg nach Ungarn gebracht. Da
kommt auf uns ein Problem zu." - Das Unkraut breitet sich bereits
in Ostösterreich aus.
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