Allergievermeidung

Weniger
Allergien und weniger Medikamente: Erblich belastete Kinder,
die von Geburt an auf Matratzen mit milbendichten Überzügen
schlafen, entwickeln
seltener Allergien. Auch bereits an Asthma erkrankten Kindern
bringt dieser
Milben- schutz enorme Erleichterung und sogar eine Reduzierung
ihrer Medikamente.
Es
ist eine ganz einfache und erstaunlich wirksame Maßnahme:
das "Verpacken" von Matratze und Bettzeug mit einem
speziellen Überzug, der zwar Feuchtigkeit, aber keine Allergene
durchlässt. Gerade der Schlafbereich bietet ideale Lebensbedingungen
für Hausstaubmilben. "Milben - genauer ihre Ausscheidungsprodukte
- zählen zu den stärksten Allergieauslösern,
die wir kennen", sagt Univ.Prof. Dr. Thomas Frischer von
der Universitätskinderklinik in Wien.
Welche
Vorteile es bringt, wenn allergiegefährdete Kinder von
Geburt an milbendichte Matratzenhüllen verwenden, wird
seit mehr als vier Jahren im Rahmen der multinationalen SPACE(1)-Studie
untersucht. "An dieser Studie nehmen rund 700 Kinder aus
Österreich, Deutschland und Großbritannien teil",
erklärt Frischer. Es wurden nur Neugeborene aufgenommen,
die durch eine allergische Erkrankung ihrer Eltern einem erhöhten
Risiko zur Entwicklung einer Allergie ausgesetzt sind. Die Kinder
wurden in eine Kontroll- und eine Interventionsgruppe unterteilt.
"Um die Sensibilisierung gegen Hausstaubmilben und Nahrungsmittelallergene
zu verringern bzw. zu verhindern, erhalten die Eltern der Interventionsgruppe
milbendichte Matratzenüberzüge(2) sowie konkrete Informationen
zur Allergieprävention wie eingehende Ernährungs-,
Still- sowie Raucherberatung", so der österreichische
Studienleiter Frischer. Die Familien der Kontrollgruppe wurden
dagegen nach den "nationalen Richtlinien für Allergierisikokinder"
(kurze Info über Passivrauchen und allgemein gehaltene
Ratschläge für eine gesunde Lebensweise) betreut und
erhielten keine Bettüberzüge.
Geringeres
Risiko für Allergien und Bronchitis
Schon nach einem Jahr war ein deutlicher Unterschied zwischen
den beiden Gruppen feststellbar: "Während in der Kontrollgruppe
5 Prozent gegen Hausstaubmilben sensibilisiert wurden, lag der
Prozentsatz in der Interventionsgruppe bei 1,9", beschreibt
Frischer eines der wichtigsten Resultate. "Das zeigt, dass
die Sensibilisierungsrate von Kindern mit erhöhtem Risiko
für allergische Erkrankungen bereits in den ersten 12 Lebensmonaten
durch Verwendung von Matratzenhüllen und andere Vorsorgemaßnahmen
effektiv gesenkt werden kann." Allergien gegen Hausstaub-
oder Mehlmilben bzw. Ei oder Kuhmilch waren mit 10 Prozent in
der Kontrollgruppe ebenfalls deutlich häufiger als in der
Interventionsgruppe (6,2%).
Um
die nachhaltige Wirkung der Allergenvermeidung zu untersuchen,
wurden die Kinder bis zum vierten Lebensjahr in halbjährlichen
Intervallen untersucht bzw. ihre Eltern über die Einhaltung
Allergie-vermeidender Maßnahmen befragt. "Bei diesen
Folgeuntersuchungen zeigte sich unter anderem, dass Neurodermitis
und trockene Haut in der Interventionsgruppe deutlich seltener
auftreten", so der Kinderfacharzt. Darüber hinaus
ist das Bronchitis-Risiko für Kinder, die auf milbendichten
Matratzen schlafen, um 34% geringer. "Die Senkung der Bronchitis-Erkrankungen
bedeutet nicht nur für die Kinder und deren Eltern eine
große Entlastung, sondern ist auch von volkswirtschaftlichem
Interesse, da diese Erkrankung im Vorschulalter eine häufige
Ursache für einen Krankenhausaufenthalt ist und erhebliche
Kosten verursacht."
Die
Studie untermauert zudem die Notwendigkeit einer konsequenten
Allergenvermeidung. Frischer: "Trotz halbjährlicher
Hausbesuche wurden die empfohlenen Maßnahmen zur Allergenvermeidung
immer weniger umgesetzt. Lediglich die Matratzenüberzüge
wurden nach vier Jahren noch weitgehend verwendet."
Weniger
Medikamente dank Allergenvermeidung
Dass auch bereits an Asthma erkrankte Kinder von den milbendichten
Bettüberzügen profitieren, belegt eine kürzlich
publizierte dänische Studie(3). Genauso wie bei einer klinischen
Studie, in der die Wirkung eines neuen Medikamentes untersucht
wird, wurden Kinder im Alter zwischen 5 und 15 Jahren mit Hausstaubmilben-Allergie
und Asthma in zwei Gruppen geteilt: die Behandlungsgruppe erhielt
Matratzen- und Polster-Überzüge aus Allergen-undurchlässigem
Material(2), die Kontrollgruppe einen "Plazebo-Überzug"
aus Baumwolle.
Bei
allen Kindern wurde ein Jahr lang die Allergenbelastung gemessen
und die benötigte Menge an inhalativen Kortikosteroiden
zur Asthmabehandlung dokumentiert. Schon nach 3 Monaten konnten
die Kinder mit den "echten" Überzügen die
Kortikosteroid-Dosis deutlich reduzieren. "Kinder, die
diese Überzüge für Matratzen und Bettzeug verwendet
haben, konnten die Medikamente-Dosis um die Hälfte verringern
- ohne, dass sich ihre Symptome verschlimmert hätten",
kommentiert Frischer. Im Vergleich zur Plazebogruppe nahm bei
diesen Kindern mit Dauer der Studie auch die Allergenbelastung
(gemessen an der Milbenzahl in Hausstaub-Proben) deutlich ab.
"Das ist überhaupt das erste Mal, dass im Rahmen einer
doppelblinden, plazebo-kontrollierten, Multicenter-Studie untersucht
wurde, ob durch Allergenvermeidungsmaßnahmen Medikamente
reduziert werden können."
"Mit
diesen beiden Studien - der SPACE-Studie sowie der dänischen
Untersuchung - ist nun auch im Sinne der Evidence-Based Medicine
belegt, dass Allergenvermeidung in Form von milbendichten Überzügen
sowohl zur Allergie-Vorsorge beitragen als auch bereits bestehende
Folgeerkrankungen günstig beeinflussen können",
fasst Frischer zusammen.
Quelle:
© www.allergenvermeidung.org
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