Geschmacksverstärker
im Essen:
unnötig und nicht ganz ungefährlich

Es
gibt beinahe kein Entkommen: Geschmacksverstärker dominieren
die Zusammensetzungen
in der modernen Lebensmittelindustrie. Kaum ein Fertigprodukt das
ohne auskommt.
Aber nicht nur in den meisten Tiefkühlfertigprodukten, auch
in vielen vermeintlich
unbehandelten Lebensmitteln tauchen sie zunehmend unverhofft auf.
Geschmacksverstärker
sollen - wie der Name schon sagt - die Geschmacksnote einer Speise
verstärken. Sie prägen als Grundstoff standardisierter
Würzmischungen mittlerweile den Normgeschmack der meisten Fertigprodukte.
Der Grund für den inflationären Einsatz liegt auf der
Hand: durch die künstliche Verstärkung des Geschmacks
bestimmter Rohstoffe sparen die Lebensmittelhersteller teure Zutaten
ein. Dabei geht es nicht nur um biologisch besonders wertvolle "natürliche"
Zutaten, sondern ganz einfach darum, dass viele Lebensmittel (z.B.
die meisten Kräuter) nur ganz frisch ihr volles Aroma entfalten.
Frische Zutaten sind aber erstens teuer bzw. saisonbedingt nicht
immer in gleicher Qualität zu haben, zweitens läßt
sich der Frische-Effekt bei Verarbeitungsschritten wie kochen, trocknen
oder einfrieren nicht ohne weiteres konservieren.
Geschmacksverstärker
sorgen dafür, dass mit weniger natürlichen Würzsubstanzen
der gleich oder sogar mehr Geschmack entsteht. Zudem kann damit
natürlich aber auch gewissen Erfordernissen Rechnung getragen
werden: so lassen sich natürlich auch "unerwünschte"
Mengen bestimmter Substanzen wie etwa
Zucker oder Salz reduzieren
- an und für sich ein ernährungswissenschaftlich sinnvoller
Effekt.
Was
genau sind Geschmacksverstärker eigentlich?
Geschmacksverstärker
sind Stoffe, die den Geschmack und/oder Geruch eines Lebensmittels
verstärken. Sie können bestimmte Geschmacksrichtungen
besonders gut hervorheben oder auch intensivieren. Geschmacksverstärker
werden besonders bei solchen Lebensmitteln eingesetzt, die durch
ihre Zubereitung (Wasserentzug, Hitze, Tiefgefrieren) den eigenen
Geschmacksgebenden Komponenten verloren haben.
Sie
haben zumeist keinen ausgeprägten Eigengeschmack und kommen
überwiegend aus der Gruppe der organischen Substanzen. Ihre
Wirkung beruht hauptsächlich auf der Sensibilisierung der Mundpapillen.
Geschmacksverstärker machen die Geschmacksrezeptoren empfindlicher.
Dadurch reagieren sie schneller und schicken stärkere Reize
an das Gehirn. Das ganze funktioniert übrigens auch mit den
anderen Geschmacksrichtungen. Doch werden die in der Praxis nicht
so häufig verstärkt. Beim Natriumglutamat kommt außerdem
noch ein weiterer, besonderer Effekt hinzu. Es hat einen Eigengeschmack.
Und der entspricht der fünften Geschmacksrichtung, dem so genannten
umami. Das bedeutet übersetzt soviel wie fleischig,
würzig oder wohlschmeckend. Deshalb findet man Natriumglutamat
vor allem in Brühwürfeln, Würzsoßen oder Fertigprodukten,
bei deren Herstellung die natürlichen Aromen häufig auf
der Strecke bleiben.
Am
meisten Wirkung wird bei Mischungen mit 95% Glutamat und 5% Guanylat,
Nucleotid oder Inosinat erzielt. Als echte Geschmacksverstärker
werden nur Stoffe mit den
E-Nummern beginnend
mit der Ziffer &, also E 6XX bezeichnet. Alle übrigen aufgeführten
Zusatzstoffe eignen sich aber durch ihre Wirkung auch als Geschmacksverstärker.
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Zugelassene
Geschmacksverstärker im Überblick
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Natriumlactat
E 325
Kaliumlactat E 326
Calciumlactat E 327
Adipinsäure E 355
Natriumadipat E 356
Kaliumadipat E 357
Bernsteinsäure E 363
Kaliumchlorid E 508
Calciumchlorid E 509
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Magnesiumchlorid
E 511
Glutaminsäure E 620
Mononatriumglutamat E 621
Monokaliumglutamat E 622
Calciumdiglutamat E 623
Monoammoniumglutamat E 624
Magnesiumdiglutamat E 625
Guanylsäure E 626
Dinatriumguanylat E 627
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Dikaliumguanylat
E 628
Calciumguanylat E 629
Inosinsäure E 630
Dinatriuminosinat E 631
Dikaliuminosinat E 632
Dicalciuminosinat E 633
Calcium-5-ribonucleotid E 634
Dinatrium-5-ribonucleotid E 635
Glycin E 640
Thaumatin E 957 |
Böses, böses Glutamat ?
Als
Glutamate werden die Salze der Glutaminsäure bezeichnet. Diese
Aminosäure ähndelt jener Aminosäuren, die im menschlichen
Körper das Eiweiß bilden. Glutamate kommen auch in unserer
natürlichen Ernährung vor. Im Körper dienen sie als
Botenstoffe (Neurotransmitter) für Informationen im Gehirn.
Künstlich hergestellte Glutamate werden vor allem in Würzmitteln,
praktisch in allen Fertiggerichten, Soßen, Beutelsuppen und
asiatischen Gerichten verwendet. Sie sind als Geschmacksverstärker
gekennzeichnet oder als E620 E625, manchmal auch nur als
Würzmittel.
Als
Substanz wurde Glutamat (Natriumglutamat) zuerst 1866 vom Deutschen
Karl Heinrich Leopold Ritthausen identifiziert, 1908 entdeckte der
japanische Forscher Kikunae Ikeda dessen Bedeutung als Geschmacksqualität;
er untersuchte, was die Ursache für den besonderen Wohlgeschmack
von Käse (z.B. Parmesan), Fleisch und Tomaten ist, der aber
nicht durch die vier bekannten Geschmacksrichtungen süß,
sauer, salzig, bitter abgedeckt wird. Dabei konnte er aus einem
in Japan in der Küche verwendeten Algenextrakt Glutamat extrahieren
und nachweisen, dass Glutamat für den speziellen Umami-Geschmack
verantwortlich ist.
Viele
wohlschmeckende Lebensmittel (wie reife Tomaten und Käse) enthalten
hohe Gehalte an freiem Glutamat. Aus diesem Grund werden sie schon
seit Jahrhunderten in der Küche als 'natürliche' Geschmacksverstärker
geschätzt. In der asiatischen Küche werden Fischsaucen
und Algenextrakte als Glutamatspender verwendet. Über die Nahrung
nehmen wir somit bei normaler Mischkost täglich Glutamat auf.
Einige Menschen reagieren jedoch empfindlich auf größere
Mengen dieser Stoffe. Es treten z.B.
Kopfschmerzen,
Schwindel- oder Wärmegefühle oder starkes Herzklopfen
auf.
Der
Geschmacksverstärker Glutamat ist gesetzlich zugelassen und
dennoch umstritten - unter anderem auch, weil er
Übergewicht
fördern soll. Bereits beim ersten Kontakt mit Glutamat läuft
einem reichlich Wasser im Mund zusammen. Mehr Speichel animiert
jedoch unbewusst zum Weiteressen, Glutamat dürfte also Appetit
anregend wirken.
Hie und da eine Prise Glutamat im Essen ist kein Grund zur Sorge.
Doch bei Menschen, die auf Glutamat empfindlich reagieren, und bei
reichlichem Verzehr sieht das anders aus. Außerdem fördert
Glutamat die Insulinausschüttung, was zu regelrechtem Heißhunger
führen kann. Auch erhöht Glutamat die Menge des Stresshormons
Kortison, das unter anderem die Einlagerung von Fett in den Körper
fördert.
Glutaminsäure
und die Glutamate können bei entsprechend disponierten Personen
tatsächlich krankheitsauslösend wirken. Durch erhöhten
Verzehr können etwa Kopfschmerzen, Nackentaubheit, Gliederschmerzen
und Übelkeit auftreten. Diese Krankheitsmerkmale sind auch
als "Chinarestaurant Syndrom" bekannt. Neuere
Untersuchungen in diesem Zusammenhang zeichnen nicht mehr die Glutamate,
sondern eine andere Aminosäure, das Histamin, für diese
Symptome verantwortlich. Möglicherweise spielen hierbei auch
allergische oder pseudoallergische Reaktionen eine Rolle.
Glutamate
werden heute vor allem in der amerikanischen Literatur für
Asthma,
Migräne
und viele
allergische Reaktionen verantwortlich gemacht. Welche genauen
Auswirkungen Glutamat-Verbindungen auf den menschlichen Körper
nach Passage des Magen-Darm-Traktes haben, muss aber noch genauer
untersucht werden. In diesbezüglichen Doppelblindstudien konnte
bislang keine Schädlichkeit nachgewiesen werden. Bis zum Vorliegen
entsprechender - signifikanter - Forschungsergebnisse gelten Mononatriumglutamat
und ähnliche Verbindungen jedenfalls offiziell als gesundheitlich
unbedenklich.
Oft
unerkannt
Mehr als 4.500 verschiedene natürliche Aromastoffe in Lebensmitteln
sind bekannt. Doch wenn heute Aroma in der Zutatenliste
steht, dann verbirgt sich dahinter ein physikalisch, chemisch, gentechnisch
oder biotechnisch hergestellter Geschmacksstoff. Oft wird er synthetisch
hergestellt oder von Bakterien, Schimmelpilzen oder anderen Mikroorganismen
produziert. Das problematische Glutamat "versteckt" sich
aber sehr gerne: Wer würde vermuten, dass sich hinter den Begriffen
"Aroma", "Würze", "Milchzucker"
oder "Hefeextrakt" erhebliche Glutamatmengen verbergen?
Glutamat ist ein wesentlicher Bestandteil von Gemüse- und anderen
Fertigbrühen, Hefeflocken und Flüssigwürzen.
Leider
kommt es seit einiger Zeit auch in vielen Fleisch- und Wurstwaren
zum Einsatz, weshalb ein besonders kritischer Einkauf ratsam ist
um unliebsamen Überraschungen vorzubeugen.
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