In
allen drei Fällen lohnt es sich, beim Arzt die Schilddrüsenwerte
checken zu lassen.
Hinter solchen diffusen Störungen und Beschwerden kann
nämlich schlicht und ergreifend Jodmangel stecken.
Kostbarkeit:
das Spurenelement Jod
Offenbar
sind nur noch Wellensittiche so richtig im Jodplus - vorausgesetzt,
sie kriegen täglich ihre berühmten Jod-S-11-Körnchen.
Beim Menschen, speziell bei Frauen, melden Ernährungswissenschaftler
ständig Defizit, nach aktueller Zahl betrifft das 90 Prozent
aller Österreicher und Deutschen. Auch andernorts gilt
das Spurenelement schon bald als Rarität. Jod gilt als
der kritischste Nährstoff weltweit. Dabei braucht es der
Körper dringend.
Von
Haus aus hat er etwa 10 Milligramm intus, fast der gesamte Vorrat
lagert in der Schilddrüse. Für die ist Jod der wichtigste
Baustein überhaupt, der Motor, der die Stoffwechselprozesse
ins Rollen bringt. Ob unsere Verdauung gut funktioniert, das
Gehirn die Konzentration im Griff hat und wir uns einfach gut
in Form und energiegeladen fühlen - oftmals eine Frage
der Schilddrüse und ihrer Versorgung mit Jod. Kriegt sie
von ihrem Lieblingstreibstoff nicht genügend Nachschub,
wird sie zickig. Sie arbeitet unkontrolliert, plustert sich
auf - äußerlich sichtbar als Kropf.
Obwohl
des Element Jod so lebensnotwendig ist, werden nur ganz geringe
Mengen gebraucht. Die täglich notwendige Jodmenge beträgt
beim Erwachsenen nur 200 bis 300µg, das sind 2 bis 3 Zehntausenstel
Gramm. Im gesamten Leben benötigt der Mensch nur etwa 4
bis 5 Gramm Jod.
Ursachen
In
Mitteleuropa liegt fast immer ein sogenannter alimentärer
Iodmangel vor, weil die landwirtschaftlich genützten Böden
dort vergleichsweise wenig Iodid (Salzverbindungen des Iods)
enthalten. Dies gilt besonders für die ehemaligen Gletscherregionen
nahe der Alpen; doch sind selbst die Böden der Küstenebenen
(Dänemark, Niederlande) iodarm. Die individuelle Versorgung
hängt damit nur bedingt von den Ernährungsgewohnheiten
der Menschen ab. Nur bei intensiver Nutzung von Meeresfrüchten,
Meeresalgen und Fisch genügt der natürliche Iodgehalt.
Untersuchungen
haben gezeigt, dass eine nicht zu unterschätzende Anzahl
von Menschen in Mitteleuropa von Jodmangel betroffen ist. Damit
das Jod im Lot ist, braucht der Mensch täglich 150 bis
200 Mikrogramm. Extrem wichtig ist das vor allem für Schwangere
und solche, die es werden wollen. Jodmangel ist eine häufige
Ursache für Kropf (Jodmangelstruma), Fruchtbarkeitsstörungen,
Fehlgeburten, Kindesmissbildungen.
Zahlreiche
epidemiologische Arbeiten der letzten Jahrzehnte belegen den
alimentären Iodmangel etwa in Deutschland. Die größte
Studie (ca. 6000 Personen) wurde von Hampel et al. 1993-1994
erhoben und 1995 vorgelegt. Die durchschnittliche Urin-Iodausscheidung
betrug 72 µg Iod pro g Kreatinin. Nur 9 % der Probanden
war ausreichend (> 150 µg/g) mit Iod versorgt. 17 %
hatten einen Iodmangel Grad 0 (WHO), 25 % Grad I, 17 % Grad
II und 2 % Grad III. Bewohner der Küstenregionen hatten
keine höhere Iodausscheidung als die Einwohner der Mittelgebirge
und des Voralpenlandes. [Quelle: Wikipedia]
In
zahlreichen in Graz-Eggenberg (Österreich) durchgeführten
Untersuchungen wurde bewiesen, dass sich die Jodversorgung in
den letzten eineinhalb Jahrzehnten deutlich verbessert hat.
Ein schwerer Jodmangel kommt heute nur mehr ganz selten vor.
Von einer optimalen Jodversorgung kann jedoch leider noch immer
nicht gesprochen werden. Hauptursachen für den so niedrigen
Jodgehalt der österreichischen Nahrung sind wohl der allgemein
empfohlene sparsame Salzgebrauch und der häufige Verzehr
von Fertigprodukten, die nur teilweise mit jodiertem Speisesalz
zubereitet werden.
Jodmangel
- Vorbeugung
Wie
kommt der Mensch nun an seinen Jodnachschub? Grundsätzlich
via Ernährung, allerdings nur mit Mühen. Denn unsere
Ackerböden gelten als jodarm - je weiter vom Meer weg in
Richtung Alpen, desto extremer. Die Gründe dafür reichen
weit zurück, bis in die Eiszeit mit ihren geologischen
Vorgängen, die das Jod weitgehend aus den Böden geschwemmt
haben. Dementsprechend waren Obst- und Gemüsesorten noch
nie mit Jod gesegnet, und einige Länder haben sich zu einer
staatlich verordneten Jodprophylaxe (d.h. Anreicherung bestimmter
Nahrungsmittel - zumeist Speisesalz - mit Jod) entschlossen.
Um
die notwendige tägliche Jodmenge zu erreichen, muss auf
eine bewusst jodreiche Ernährung geachtet werden. So lässt
sich der Jodbedarf durch den wohldosierten Genuss von jodhältigen
Mineralwässern oder regelmässigem Verzehr von Meeresfischen
(z.B. ein Mal pro Woche) decken. Besonders wichtig ist eine
ausreichende Jodzufuhr während des Wachstums (vor allem
bei Früh- und Neugeborenen), während der Schangerschaft
und der Stillperiode, da es in diesen Lebensabschnitten gilt,
den erhöhten Jodbedarf zu decken.
Eine
gesetzlich vorgeschriebene Iodprophylaxe gibt es z.B. in der
Schweiz, in Österreich, den USA sowie bis zur Wiedervereinigung
in der DDR. Die Iodierung von Lebensmitteln und Futtermitteln,
wie sie in Deutschland, der Schweiz oder in Österreich
seit mehr als zehn Jahren üblich ist, bringt nach Ansicht
der Befürworter große Vorteile in der Prophylaxe
gegen die Kropfbildung. Durch die Aufklärung der Bevölkerung
und die zunehmende Verwendung von Iod-angereichertem Speisesalz
in Haushalten (80 %), Großküchen und Nahrungsmittelindustrie
(50 %) hat sich die Iodausscheidung nach neueren Studien deutlich
verbessert, vor allem bei Kindern.
Probleme
Kritiker
der staatlichen (= zwangsweisen) Abgabe jodierter Lebensmittel
richten sich vor allem gegen das fehlende Wahlrecht der Konsumenten
zwischen jodierten und nicht-jodierten Lebensmitteln zu unterscheiden,
zumal die Abgabe auch über jodierte Futtermittel in den
menschlichen Körper gelangt und die Lebensmitteldeklaration
nach wie vor in vielen Ländern der EU zu wünschen
übrig läßt. Zudem wäre auch die medizinische
Wirkung durchaus nicht unumstritten.
Bei
gewissen Schilddrüsenerkrankungen
ist es jedoch wiederum sehr wichtig auf eine bewusste Vermeidung
von jodhältigen Nahrungsmitteln zu achten. So kann durch
bewusst jodreicher Ernährung bei Personen mit einer Neigung
zu Schilddrüsenerkrankungen eine Überfunktion der
Schilddrüse entstehen oder eine bestehende Funktionsstörung
sich deutlich verschlechtern.
Daten
aus den Ländern mit gesetzlich erzwungener Salziodierung
zeigen, dass es während der ersten Jahre nach der Einführung
vermehrt zu bestimmten Schilddrüsenentzündungen und
entzündungsbedingter Schilddüsenüberfunktion
(Morbus Basedow) kommt. Nach ca. 20 Jahren - so die derzeitige
herrschende Meinung nach den vorliegenden Daten - normalisiert
sich die Rate wieder. Eine optimale Prophylaxe sollte deshalb
bedarfsgerecht, d.h. unter Vermeidung eines Überangebots,
erfolgen und sorgfältig epidemiologisch überwacht
werden. Patienten mit solchen Erkrankungen sollten frühzeitig
identifiziert und behandelt werden.
| Einteilung
von Jodmangel durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) |
Die
JOD-Hitliste Lebensmittel |
* Kein Iodmangel: > 150 µg Iod / g Kreatinin im
Urin
* Iodmangel Grad 0: 100 - 150 µg/g
* Iodmangel Grad I: 50 - 100 µg/g
* Iodmangel Grad II: 25 - 50 µg/g
* Iodmangel Grad III: < 25 µg/g |
SCHELLFISCH
150 g 365 µg
SEELACHS 150 g 300 µg
GARNELEN 100 g 130 µg
BISMARCKHERING 125 g 114 µg
THUNFISCH 75 g 112 µg
BROKKOLI 200 g 30 µg
CHAMPIGNONS 150 g 27 µg
GRÜNKOHL 200 g 24 µg
MINERALWASSER 1 Glas 12,5 µg
KUHMILCH 1 Glas 12 µg
BROT 1 Scheibe 4 µg
KÄSE 1 Scheibe 1,5 µg
ÄPFEL 1 Stück 1,5 µg |
LINKTIPPS:
.... Ernährungscorner: Infos von A bis Z
.... Ernährungspyramide
....
Arbeitskreis Jodmangel
....
www.jod-kritik.de
....
Kritik an der kollektiven Jodprophylaxe