Kaiserschnitt:
Geburt auf Bestellung?

Ist der Kaiserschnitt die Geburtsmethode des 21. Jahrhunderts?
Nicht
alle Frauen legen Wert darauf, ihr Kind nach der "guten,
alten" Art auf die Welt zu bringen. Immer mehr entscheiden
sich für einen Kaiserschnitt, ein Großteil
der Mütter in spe möchte aber zumindest selbst
die Entscheidung über die Wahl der Geburtsmethode
treffen.
Auch
wenn medizinisch gesehen gar nichts gegen eine normale
Geburt spricht, ziehen es immer mehr schwangere Frauen
von sich aus vor, die Geburt ihres Kindes auf dem Operationstisch
anstatt im Kreißsaal zu verbringen. Der häufig
geäußerte Wunsch nach einer Schnittentbindung
lässt sich einerseits durch die Angst vor den Geburtsschmerzen
erklären und andererseits durch die Bedenken um mögliche
gesundheitliche Gefährdung des Kindes.
Gleichzeitig
befürchten viele Frauen eine Beeinträchtigung
ihres Beckenbodens sowie sexuelle Probleme als Folgen
der Vaginalgeburt. Darüber hinaus hat in den westlichen
Industrieländern die perfekte Lebensplanung, in der
selbst der Tag der Geburt seinen festen Platz haben soll,
auch der Geburtshilfe neue Dimensionen verliehen. Für
viele GynäkologInnen ist die Sectio, wie der Kaiserschnitt
im Fachjargon genannt wird, aber auch einfach die schnellere
und bequemere Alternative.
Selbstverständlich
können auch medizinische Gründe für eine
operative Geburt sprechen. Wie mit den Indikationen für
eine Schnittentbindung dann tatsächlich umgegangen
wird, ist aber von Klinik zu Klinik verschieden. So ist
zum Beispiel die Beckenendlage eines Kindes für viele
erfahrene GeburtshelferInnen durchaus kein Hindernis für
eine vaginale Geburt, insbesondere dann, wenn die werdende
Mutter bereits ein Kind geboren hat, vor allem aber, wenn
sie trotzdem eine Geburt auf normalem Weg wünscht.
Die
Zeiten, wo nur der Arzt über den Geburtsmodus entscheidet,
sind vorbei, plädiert Univ.-Prof. Dr. Peter
Husslein vom AKH Wien für eine gemeinsame Entscheidung
über die Wahl der Geburtsmethode, zur optimalen
Schwangerenbetreuung gehört in erster Linie, die
Wünsche und die Vorstellungen der Frau in bezug auf
die Geburt ihres Kindes voll zu respektieren.
Komplikationen
wie Infektionen oder Thrombosen sind zwar nach einer Schnittentbindung
häufiger, jedoch können prophylaktische Maßnahmen
das Risiko sehr gering halten. Der Eingriff wird meistens
mit Periduralanästhesie, einer regionalen Betäubung,
durchgeführt, so dass die werdende Mutter den Kaiserschnitt
ohne Schmerzen mitverfolgen kann. In vielen Fällen
darf auch der Papa life dabei sein, und wenn das Baby
geboren ist, wird es der frischgebackenen Mutter auch
gleich auf den Bauch gelegt. Kein Grund zur Sorge besteht
übrigens auch, wenn die Schnittentbindung in Vollnarkose
durchgeführt wird, denn die Narkotika werden erst
so knapp wie möglich vor dem Eingriff verabreicht,
damit sie dem Baby keinesfalls schaden. Dank der sanften
Chirurgie haben auch Kaiserschnittmütter keine
großen kosmetischen Beeinträchtigungen zu befürchten.
Lediglich eine kleine Narbe in der Bikinizone bleibt als
Souvenir erhalten. Und wenn der Storch wieder
zuschlägt, ist es auch nach einer Kaiserschnittgeburt
möglich, es beim nächsten Mal anders zu probieren.
Das
Geburtserlebnis ist für eine Frau freilich ein anderes,
wenn sie ihr Kind auf normalem Weg bekommt. Durch die
modernen Möglichkeiten der fetalen Überwachung
von Mutter und Kind während der Geburt, wie zum Beispiel
das CTG, das die Wehen und die Herztöne des Kindes
aufzeichnet, gilt eine vaginale Geburt als absolut sicher,
argumentieren viele Befürworter der natürlichen
Methode.
Auch
vor den Geburtsschmerzen braucht sich heute keine Frau
mehr zu fürchten, da auch bei der Vaginalgeburt mit
Hilfe von Medikamenten sowie der Periduralanästhesie
(PDA) Schmerzen gelindert bis ganz ausgeschalten werden
können. Ein wesentlicher Vorteil besteht bei der
natürlichen Geburt auch darin, dass sich die Mutter
wieder schnell fit fühlt.
Sigrun
Rux