SCHARLACH
WAS
IST SCHARLACH?
Im Gegensatz zu vielen anderen Kinderkrankheiten wird Scharlach
nicht durch Viren, sondern durch Bakterien ausgelöst, und zwar
durch die sogenannten Streptococcus-Bakterien der Gruppe A.
Von diesen Bakterien wird ein Giftstoff produziert, der im Blut
des Erkrankten zirkuliert und eine Art Blutvergiftung auslöst.
Sichtbares Zeichen ist der typische Scharlachausschlag. Übertragen
werden diese Bakterien durch Tröpfcheninfektion, also durch
Husten oder Niesen. Allerdings sind die Streptococcus-Bakterien
sehr widerstandsfähig, so daß sie auch außerhalb des Körpers
noch einige Zeit überleben können. Das hat zur Folge, daß die
Bakterien auch auf Gegenständen aus dem Umkreis der erkrankten
Person überleben können. Scharlach ist also eine sehr ansteckende
Krankheit. Man kann davon ausgehen, daß ein erkranktes Kind
etwa die Hälfte seiner Geschwister anstecken wird.
Haupterkrankungsalter:
3-12
Jahre
Inkubationszeit:
2-8
Tage
Beschwerden:
Die Krankheit kommt meist zwei bis acht
Tage nach erfolgter Ansteckung zum Ausbruch. So erkennen Sie
Scharlach Im allgemeinen beginnt die Scharlacherkrankung mit
sehr plötzlich auftretendem hohen Fieber über 39 Grad. Das Kind
klagt über Halsschmerzen, häufig kommt es zu Magenbeschwerden,
Übelkeit und Erbrechen. Bei kleinen Kindern kann es aufgrund
des schnell ansteigenden Fiebers zu Fieberkrämpfen oder zu einem
Delirium kommen. Im Normalfall geht das Fieber gegen Ende des
zweiten Erkrankungstages wieder zurück. Ebenfalls innerhalb
der ersten zwei Tage wird der typische Ausschlag - kleine dichtstehende,
rote Pünktchen - sichtbar. Die Haut fühlt sich beim Darüberstreichen
an wie feines Schleifpapier. Meist beginnt dieser Ausschlag
an den Leistenbeugen, Achselhöhlen, am Hals und an den Innenseiten
der Oberschenkel, breitet sich dann aber bald über den ganzen
Körper aus. Charakteristisch ist, daß dieser Ausschlag keinen
Juckreiz hervorruft und daß die rötliche Färbung verblaßt, wenn
man mit dem Finger raufdrückt. Ebenfalls typisch ist das gerötete
Gesicht, wobei allerdings die Bereiche um Nase und Mund auffallend
blaß bleiben. Neben dem Ausschlag, der den Kindern kaum Beschwerden
macht, da er ja nicht juckt, treten eine starke himbeerfarbene
6ötung der Zunge und eine manchmal sogar eitrige Entzündung
der Rachenmandeln auf. Der Ausschlag verschwindet meist nach
etwa zwei bis fünf Tagen, nach etwa einer Woche gehen auch die
anderen Symptome zurück. Charakteristisch für Scharlach ist,
daß sich jetzt die Haut zu schälen beginnt, begleitet von mitunter
heftigem Juckreiz. Je nach Schwere des Ausschlags dauert das
drei bis acht Wochen. Besonders ausgeprägt ist die Hautschuppung
an den Handtellern und Fußsohlen. Mögliche Komplikationen Wenn
die Scharlacherkrankung rechtzeitig erkannt und von einem Arzt
mit Antibiotika behandelt wird, sind Komplikationen sehr selten.
Komplikationen:
Ohne
Behandlung passiert es gelegentlich, daß es nach etwa zehn Tagen
zu einer schmerzhaften Lymphdrüsenschwellung am Kiefer kommt.
Weitere mögliche Komplikationen sind Mittelohrentzündung, Nebenhöhlenentzündung
oder ein
Abszeß
der Rachenmandeln. In sehr seltenen Fällen kann es infolge einer
Scharlacherkrankung auch zu einer Lungen-, Gelenk-, Nieren-
oder Herzklappenentzündung kommen.
Was
Sie tun können: Wenn Sie bei Ihrem Kind Anzeichen von Scharlach
bemerken oder auch nur den Verdacht haben, so sollten Sie unverzüglich
einen Arzt aufsuchen. Durch einen Rachenabstrich kann der Erreger
identifiziert werden. Ist dieser Befund nicht eindeutig, bringt
eine Blutuntersuchung Gewißheit. Scharlach wird heute sehr wirkungsvoll
mit Antibiotika behandelt. Wichtig ist, daß Sie das vom Arzt
verschriebene Antibiotikum Ihrem Kind mindestens zehn Tage lang
geben, auch wenn es sich schon früher wieder wohl fühlt, denn
sonst könnte es zu einem Rückfall kommen. Wenn das Fieber sehr
hoch ist, gehört das Kind ins Bett. Geben Sie ihm viel zu trinken
und, wenn vom Arzt verordnet, ein fiebersenkendes Medikament.
Glücklicherweise schlägt die Antibiotikabehandlung sehr schnell
an, so daß es dem Kind schon nach ein bis zwei Tagen wieder
bessergeht. Dennoch sollten erkrankte Kinder nach Beginn der
Antibiotikabehandlung noch für mindestens 48 Stunden den Kontakt
mit gesunden Kindern meiden. Danach ist keine Ansteckungsgefahr
mehr gegeben.
Wann
Sie zum Arzt müssen: Wenn der Verdacht auf Scharlach besteht.
Was Ihr Arzt tun kann: Heute kommt diese Erkrankung wesentlich
seltener vor als z.B. noch vor 50 Jahren, und auch der Verlauf
ist milder geworden. Weil Scharlach mit Antibiotika sehr schnell
und zuverlässig zu behandeln ist, hat die Erkrankung ihren Schrecken
verloren. Wichtig ist jedoch der rechtzeitige Gang zum Arzt.
Im Gegensatz zu manchen anderen Kinderkrankheiten hinterläßt
eine einmal durchgemachte Infektion beim Scharlach keine lebenslange
Immunität. Die Krankheit kann ein zweites Mal, unter Umständen
sogar noch mehrmals auftreten. Allerdings verläuft sie dann
meist sehr leicht, und Komplikationen sind extrem selten.
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