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Coming Out -
über die Schwierigkeit sich zur
eigenen sexuellen Neigung zu bekennen

Sexualität und Partnerschaft:  Coming Out

Den Begriff "Coming-out" haben sich Lesben und Schwule in den 70er Jahren
ganz bewusst angeeignet. Er bezeichnete ursprünglich die Einführung junger Debütantinnen
in die US-amerikanische High Society durch einen prunkvollen Ball.

Für Homosexuelle bedeutet das "Herauskommen" das Bemerken und das Akzeptieren der eigenen Homosexualität und das Dazu-Stehen in der Öffentlichkeit. Schwule und Lesben, die das nicht tun, die ihr Coming-out noch vor sich haben, Leben "in the closet", leben versteckt "im Schrank", werden auch Klemmschwestern gescholten. Das Coming-out ist ein turbulenter Prozess, der viel mit dem Erwerb eines Selbstbewusstseins in einer tendenziell homophoben Gesellschaft zu tun hat. Da Familie und Schule, Film und Literatur, Politik und Kirche ein heterosexuelles Beziehungsmuster propagieren, überrascht es nicht, dass viele junge Lesben und Schwule glauben, mit ihren Gefühlen ganz allein auf der Welt zu sein.

Das Coming-out gehört für die meisten Homosexuellen zu den turbulentesten Zeiten in ihrem Leben: Zwischen dem ersten unsicheren Gefühl des "Andersseins als andere" bis hin zu einem offenen schwulen oder lesbischen Leben vergehen oft Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte. Das Alter, in dem besondere Gefühle für das eigene Geschlecht bemerkt werden, ist individuell verschieden. Dem einen fällt es sozusagen in den Schoß, der andere tut sich unendlich schwer damit, und einige schaffen es auch nie.

Überlegungen eines "Betroffenen"

>> Der erste Schritt des persönlichen Coming-Outs ist schon gar nicht mal so einfach: Irgendwann merkst Du, das Dir irgendein Typ gefällt... Nanu? Wieso gefällt mir der besser als ein Mädchen? Ist das jetzt ein Zufall, ein schlechter Witz? Geht das wieder vorbei? Bin ich bisexuell oder vielleicht doch schw...? Nachdem Du also gemerkt hast, daß Dir Jungs besser gefallen als Mädels - kannst Du das für Dich akzeptieren? Was, ich soll schwul sein? Niemals! Das ist widernatürlich, eklig,... Wenn Du gerade an diesem Punkt Deines COs stehst, hilft Dir vielleicht eine Überlegung: Worum geht es eigentlich? Es geht schlicht und ergreifend um Liebe. Und damit wohl um einen der zentralsten Punkte unseres - Deines! - Lebens. Schwul zu sein heißt lieben zu können, das können Dir viele schwule Paare bestätigen. Und das soll widernatürlich und eklig sein? Nun, irgendwann wirst Du mit Dir im Reinen sein. Wie geht's weiter? Gut, Du weißt jetzt, das
Du schwul bist, was ist mit Deiner Umwelt? Sollten es die anderen nicht auch erfahren? Aber wie?

Die Patentantwort gibt's leider nicht. Gerade bei diesem Punkt gehen die Erfahrungen vieler Schwuler auseinander: Manche haben einfach mit ihren Eltern und Freunden geredet, und diese haben die frohe Botschaft wohlwollend aufgenommen. Andere wurden von ihren Familien verstoßen, haben Freunde verloren und standen plötzlich vor einem großen Scherbenhaufen... Manche haben ihr CO weit weg von zu Hause, z.B. in der Großstadt, in der sie studieren. Sie lernen dort, ein schwules Leben zu führen, und nachdem sie das geschafft haben, trauen sie sich auch, ihre Eltern und Freunde daheim zu informieren. Wieder andere führen ein Doppelleben - hier Szene und/oder Lover, dort Elternhaus. <<

Der lange Weg zum Coming-Out

Nach der Studie "Sie liebt sie. Er liebt ihn" im Auftrag des Berliner Senats sind sich junge Männer allerdings meistens schon während ihrer Pubertät über ihre Gefühle im Klaren, bei den Mädchen dauert das Coming-out etwas länger. Demnach haben 42 Prozent der jungen Frauen und 62 Prozent der jungen Männer ihr Coming-out vor dem 18. Lebensjahr. 25 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer erleben es nach dem 20. Lebensjahr. Das Durchschnittsalter der ersten lesbischen sexuellen Erfahrung liegt bei 18,7 Jahren, das der ersten schwulen sexuellen Erfahrung bei 17,1 Jahren. Demnach ist der erste schwule oder lesbische Sex offensichtlich nicht der Auslöser des Coming-outs, sondern bestätigt eher die vorhandenen Gefühle.

Stationen des Coming-Out bei Jugendlichen

"Ich bin irgendwie anders als andere", dieses diffuse Gefühl spüren Jugendliche meist schon im Alter von vierzehn Jahren. Mitten in der Pubertät löst dieses Gefühl bei vielen Unsicherheit, Zweifel und Wut aus, die nicht selten in eine existenzielle Krise führen. Selbstmordversuche kommen laut Berliner Studie bei homosexuellen Jugendlichen viermal so oft vor, wie bei heterosexuellen Altersgenossen. Die Jugendlichen vermeiden das Thema Homosexualität, gehen allem aus dem Weg, was
irgendwie auf Lesben oder Schwule hinweisen könnte. Einige leugnen sogar vehement ihr Anderssein, bei Jungs wird die Unsicherheit häufig durch extremes "Macho-Gehabe" überspielt.

Das, was sich zu diesem Zeitpunkt in der Gefühlswelt abspielt, hat oft noch keinen Namen. Erst später wird dann das Anderssein als lesbisch, schwul oder bisexuell erkannt. Psychologen nennen dieses Eingeständnis vor sich selbst das "Innere Coming-out".

Wenn sich die Jugendlichen auf diese Weise über ihre Gefühle klar geworden sind, wenden sie sich in den meisten Fällen zuerst an Freunde. Die meisten schwanken dabei zwischen der Angst, zurückgewiesen zu werden, und der Hoffnung, sich endlich offenbaren zu können. Ist dieser Schritt geschafft, suchen viele zum ersten Mal ganz bewusst die Gemeinschaft anderer Schwuler und Lesben. Einige haben jetzt ihre ersten homosexuellen Liebesbeziehungen. Bis zum Coming-out vor den Eltern oder am Arbeitsplatz ist es oft trotzdem noch ein langer Weg.

LINKTIPPS:

.... Lifeline.de
.... Comingout.cc
.... Rainbow-online (das LesBiSchwule Online-Forum)
.... Gaystation - Coming Out Bereich
.... Homosexuelle & Glaube
.... Aidshilfen Österreich

Kultshirts.at

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