MedNews
der Woche
Kalenderwoche
18; 2002
Fibromyalgie:
chronische Schmerzen
und niemand nimmt sie ernst

Hinter den chronischen fibromyalgischen Schmerzen
steht immer noch ein definitorisches Fragezeichen.
Was
ist Fibromyalgie ?
Fibromyalgie
ist eine sehr häufige Rheumavariante und kommt etwa bei
3% der Bevölkerung in Österreich und Deutschland
vor und wird dem Weichteilrheumatismus zugerechnet.
Das
FMS (Fibromyalgie Syndrom) ist eine Erkrankung des Stütz-
und Bewegungsapparates mit Schmerzen und Ermüdungserscheinungen
in Muskeln, Bändern und Sehnen (den Bindegeweben des
Körpers, die aus Fasern bestehen). "Fibro"
bezeichnet die Faserkom-ponente, "My" die Muskelkomponente,
"Algie" den Schmerzzustand. Man kann den Begriff
eindeutschen und von Faser-Muskel-Schmerz (FMS) sprechen,
aber eingebürgert haben sich Fibromyalgie und die englische
Bezeichnung fibromyalgia.
Entstehung
Patienten
mit Fibromyalgie haben meist bereits in der Vorgeschichte
chronische Schmerzen des Bewegungssystems, z.B. durch einen
Bandscheibenvorfall oder ein Schleudertrauma. Zur Fibromyalgie
kommt es dann, wenn sich der Schmerz gewissermaßen verselbständigt
und nicht mehr nur lokal an den ursprünglich schmerzhaften
Stellen, z.B. der Halswirbelsäule, sondern am ganzen
Körper verspürt wird. Zu diesem Zeitpunkt hilft
auch die Beseitigung der ursprünglichen Ursache des Schmerzes
nicht mehr, um eine Besserung zu erreichen.
Gleichzeitig
bestehen oft psychische Symptome, wie z.B. Depressionen und
der Patient fühlt sich ausgesprochen krank. Es ist bekannt,
dass es bei Patienten mit Fibromyalgie zu Änderungen
der Regelsysteme der Schmerzempfindung im Gehirn kommt. Manche
Botenstoffe des Gehirns, wie z.B. Serotonin und Tryptophan
werden "herunterreguliert", während andere,
wie die Substanz P - eine bestimmte Schmerztransmittersubstanz
- vermehrt gefunden werden. Trotz dieser "organischen",
d.h. körperlichen Veränderungen des Gehirns, ist
aber immer noch nicht klar, ob die Fibromyalgie letztendlich
eine psychosomatische Erkrankung ist, bei der die Veränderungen
der Botenstoffe des Gehirns erst sekundär entstehen oder
ob es sich wirklich gewissermaßen um eine Stoffwechselerkrankung
des Gehirns mit der Folge von Schmerzen und psychosomatischen
Störungen handelt. Sicher ist aber, dass die schmerzhaften
Stellen des Bewegungsystems selber nicht verändert oder
gar entzündet sind, sondern erst die veränderte
Schmerzempfindung im Gehirn dazu führt, dass der Schmerz
des Bewegungssystems empfunden wird. Trotzdem handelt es sich
aber um echte und nicht etwa eingebildete Schmerzen..
Auch
wenn der Schmerz das wichtigste Symptom ist, so gibt es doch
eine ganze Reihe weiterer Beschwerden, die den Betroffenen
das Leben zur Hölle machen, sie sogar regelrecht von
ihrer Außenwelt abschneiden. Häufig wird der Schmerz
als großflächig und fließend beschrieben.
Die Patienten haben oft das Gefühl, die schmerzhaften
Weichteile seien diffus
geschwollen und kleine Verdichtungen des Unterhautfettgewebes
werden als schmerzhafte Knötchen empfunden. Die Schmerzen
halten über lange Zeit, meist über Jahre an und
können bei manchen Patienten durch körperliche Aktivitäten
oder auch Krankengymnastik bzw. Massage verstärkt werden.
-
Schmerzen
in Muskeln und Bindegewebe im gesamten Körper, in einer
Körperhälfte oder verschiedenen Regionen, die
ständig vorhanden sind oder regelmäßig wieder
auftreten
-
Bestimmte
Punkte auf der Körperoberfläche schmerzen bei
Berührung (sogenannte tender points)
-
Schlafstörungen
-
Probleme
im Magen-Darm-Trakt
-
Herz-,
Kreislauf- und Atembeschwerden
-
Gefühlsstörungen
auf der Haut
-
Kalte
Hände, vermehrtes Schwitzen
-
Zittern
der Hände
- Depressionen
Beschwerden,
die eigentlich gar nicht recht zusammenpassen wollen. Und
dennoch treten sie bei einer Fibromyalgie auf, ohne daß
wir bis heute genau wissen, warum das so ist. Genau deshalb
ist es auch so schwierig für viele Ärzte, auf die
richtige Diagnose zu kommen, weil gerade bei Frauen "in
der Nähe der Wechseljahre" nun einmal sehr gerne
auf eben diesen Lebensabschnitt als Auslöser so manch
unklarer Symptome getippt wird. Die Folgen sind fatal für
die Betroffenen: Sie müssen manchmal jahrelang mit ihren
Beschwerden leben, fühlen sich nicht ernst genommen,
verzweifeln, schotten sich gegenüber ihrer Umwelt ab.
Diagnose
So
schwierig diese Palette an Symptomen auch zu deuten ist, wenn
der behandelnde Arzt an eine Fibromyalgie denkt, kann er durch
gezielte Untersuchungen auf die richtige Diagnose kommen -
und das ziemlich schnell. Die "klassische Rheuma-Diagnostik"
liefert bei der Fibromyalgie leider keinerlei brauchbare Ergebnisse.
Sowohl Röntgenaufnahmen als auch Blutuntersuchungen zeigen
gar nichts, sind völlig normal, sehen aus wie bei jedem
Gesunden auch. Das gleiche gilt für die körperliche
Untersuchung. Die Gelenke sind nicht geschwollen, die Bewegungsfähigkeit
erhalten - dennoch sind die Schmerzen da. Umso wichtiger ist
es für den Arzt, den Betroffenen intensiv zuzuhören
und die Beschwerden wirklich ernst zu nehmen - keine leichte
Aufgabe im Zeitalter der "Fünf-Minuten-Medizin".
Was allerdings auffällig ist, sind die bereits erwähnten
Schmerz-Punkte, die sogenannten "Tender points".
Die können durch den Arzt gezielt aufgesucht werden.
Reagieren diese Punkte schon bei leichtem Druck mit Schmerzen,
wird die Fibromyalgie als Ursache immer wahrscheinlicher.
Auch stehen gezielte Fragebögen zur Verfügung, die
diese scheinbar unzusammenhängenden Beschwerden miteinander
in Verbindung bringen und damit die Diagnose weiter absichern.
Am wichtigsten ist aber, daß an die Fibromyalgie überhaupt
gedacht wird und eben nicht die "Midlife crisis",
Wechseljahre oder irgendwelche anderen Hormonumstellungen
für diese Symptome verantwortlich gemacht werden.
Therapie
Häufig
sind Schmerzmittel und Antirheumatika komplett unwirksam.
Auch Krankengymnastik und Massage können zwar bei manchen
Patienten helfen, bei anderen Patienten aber das Krankheitsbild
sogar noch verschlimmern. Am erfolgreichsten dürften
nach Patientenberichten wohl kombinierte Therapieansätze
mit psychosomatischer Therapie, physikalischen Anwendungen
und einer intensiven Patientenschulung sein.
Abseits
der medikamentösen Behandlung (etwa mit Amitriptylin,
Trimipramin, Doxepin oder Tramadol - Fluoxetin, Sertralin
und Citalopram sind sog. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) und
der
Akupunktur,
werden folgende physikalische Therapien durchgeführt:
.... Fibromyalgie-Netzwerk
.... FMS-Forum Prof. Dr. Dr. Bauer (Infos zu Behandlungsmethoden)
.... Fibromyalgie - Definition, Häufigkeit, Entstehung,
Symptome
.... Informationen über Krankheit & Behandlungsformen
....
Akupunktur hilft bei Fibromyalgie
.... Schmerzen:
Qual und Warnsignal
.... Schmerztherapie von
Kindern
.... Schmerzen: Kältetherapie
(Kryotherapie)
.... Schmerzen:
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.... Schmerzen: Für
und Wider von Cannabis
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