Meningokokken:
Infektionsgefahr steigt in der Grippesaison

Meningokokken:
Kaum bekannt aber sehr gefährlich
Eine
Meningokokken-Infektion kann einen gesunden Menschen innerhalb weniger Stunden
töten, eine durch solche Bakterien hervorgerufene Gehirnhautentzündung
oder Blutvergiftung kann außerdem zu dramatischen Folgeschäden führen.
50 Prozent aller Betroffenen sind Säuglinge und Kinder, 20 Prozent sind Jugendliche.
Die "Initiative Meningokokken", der 16 österreichische Experten
angehören, informiert über die Möglichkeiten der Früherkennung
und empfiehlt allen Risikogruppen einen lang anhaltenden Impfschutz mittels neuartiger
"konjugierter" Vakzine.
"Die Tatsache, dass die Meningokokken-Krankheit in der breiten Öffentlichkeit
noch immer viel zu wenig bekannt ist, steht in einem sehr problematischen Kontrast
zu ihrer immensen Gefährlichkeit", konstatiert Univ. Prof. DDr. Ernst
Huber, Präsident des "Österreichischen Grünen Kreuzes für
Vorsorgemedizin" und Leiter der neu gegründeten "Initiative Meningokokken
". "Schließlich handelt es sich dabei um eine Infektion, die binnen
Stunden den Tod eines gesunden Menschen hervorrufen kann."
Immerhin
sind jedes Jahr in Österreich rund hundert Menschen von dieser dramatisch
verlaufenden Krankheit betroffen. Die durch Bakterien vom Typ der Meningokokken
verursachten Krankheiten sind lebensbedrohlich, treten blitzartig auf und sind
stark ansteckend. Sie verursachen - sehr oft -- eitrige Gehirnhautentzündung
und/oder Blutvergiftung. Bei etwa 20 Prozent der Menschen, die an der als Meningokokken-Meningitis
bezeichneten Form der Gehirnhautentzündung erkrankten, bleiben Folgeschäden
des Gehirns, des Rückenmarks, und/oder Hörschäden zurück.
Bei den an Blutvergiftung ("Sepsis") Erkrankten kann es zu Multi-Organversagen
und Amputationen auch mehrerer Gliedmaßen kommen.
Säuglinge
und Kleinkinder sind am häufigsten betroffen
"Säuglinge
und Kleinkinder machen bis zu 50 Prozent aller Meningokokken-Erkrankungen aus,
bei ihnen ist das Immunsystem noch nicht voll entwickelt", sagt Univ.-Prof.
Dr. Ursula Kunze vom Institut für Sozialmedizin der Universität Wien.
"Einen weiteren Erkrankungsgipfel gibt es mit etwa 20 Prozent aller Fälle
bei Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren. In diesem Alter kommt es vermehrt
zu sozialen Kontakten bei Discobesuchen, Partys, Ferien- und Sprachreisen, wodurch
die Ansteckungsgefahr steigt." Ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehe
generell auch in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kinderkrippen, Kindergärten,
Schulen, Jugendherbergen, Internaten, Studentenwohnheimen oder Kasernen, weil
dort durch engen Kontakt die Übertragung erleichtert wird.
Serogruppen
B und C
In den europäischen Ländern sind Meningokokken
der Serogruppen B und C für mehr als 90 Prozent der Erkrankungen verantwortlich,
rechnet Prof. Kunze vor. Während gegen Meningokokken der Serogruppen B noch
kein Impfstoff in Sicht sei, stehen gegen Meningokokken C nicht nur die bisherigen
Kombinationsimpfstoffe, sondern auch die neuartigen Konjugat-Impfstoffe zur Verfügung.
Sie bieten bereits Kindern unter zwei Jahren sicheren Schutz und bauen bei geimpften
Personen jeden Alters einen lange anhaltenden Impfschutz auf.
Erkältungs-
und Grippe-Periode ist auch die Zeit der Meningokokken-Infektionen
"Weil
es in der kalten Jahreszeit vermehrt zu Infektionen der oberen Atemwege kommt
und die Erreger per Tröpfcheninfektion übertragen werden, treten Meningokokken-Erkrankungen
gehäuft im Winter und Frühjahr auf, vor allem von Januar bis März",
sagt Prof. Kunze.
In Europa sind durchschnittlich etwa 10 Prozent der
Personen asymptomatische Träger von Meningokokken im Nasen-Rachenraum. Das
bedeutet, dass sie zwar nicht an der Meningokokken-Krankheit erkrankt sind, jedoch
die Erreger - wie etwa bei Schnupfenviren - auf andere Menschen übertragen
können: durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen, beim Trinken
aus demselben Glas, oder durch enge Kontakte wie Küssen.
Diagnose
ist oft schwierig
Die Diagnose dieser Krankheit, führt Prof.
Huber aus, sei nicht immer einfach, denn sie beginnt meist akut wie eine Erkältungskrankheit
oder Grippe: mit Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Gelenks- und Muskelschmerzen,
Krämpfen, Erbrechen, Lichtscheu, Benommenheit, rasch ansteigendem Fieber,
Schüttelfrost - wobei die Symptome einzeln oder gemeinsam auftreten können
- und einem insgesamt schweren Krankheitsgefühl. Bis zu 70 Prozent der so
genannten invasiven Erkrankungen gehen allerdings mit Veränderungen der Haut
einher, Kinder bekommen meist rote, punktförmige Hautflecken, die - anders
als zum Beispiel bei Masern oder Scharlach - unter Druck nicht verschwinden.
Karin Krizek, deren Sohn Nikolaus vor zwei Jahren an einer Meningokokken-Infektion
erkrankte, bestätigt: "Bei meinem Sohn wurden die Hautflecken nicht
gleich entdeckt. Das Leben von Nikolaus stand deshalb, bei der Einlieferung ins
Krankenhaus, auf Messers Schneide."
Prof. Huber: "Bereits beim
ersten Verdacht sollte ein Kinderarzt oder Spital aufgesucht werden, denn die
Prognose hängt von der rechtzeitigen Diagnose und sofortigen Intensiv-Therapie
ab."
Neuartige Konjugat-Impfstoffe schützen vor Meningokokken
C
Die herkömmlichen Impfstoffe gegen Meningokokken, die freies
Polysaccharid enthalten - es gibt Kombinationen von Antigenen der Serogruppen
A und C (bivalent) und der Serogruppen A, C, W und Y (tetravalent) - haben sich
zur Eindämmung bei lokalen Meningokokken-Ausbrüchen als effektiv erwiesen.
"Sie stimulieren allerdings bei Erwachsenen keine lang anhaltende Immunantwort,
und bei Kindern unter zwei Jahren führen sie zu keiner ausreichenden Antikörperbildung",
erklärt Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer, Leiter der Abteilung für Kinder
und Jugendheilkunde am LKH St. Pölten und Mitglied im Impfausschuss des Obersten
Sanitätsrates: "Sie eignen sich also nicht für die routinemäßige
Anwendung."
Den Durchbruch in der Meningokokken-C-Vorbeugung brachten
vor rund zwei Jahren die sogenannten Konjugat-Impfstoffe. Prof. Zwiauer: "Sie
führen zu einem immunologischen Langzeitgedächtnis, weisen einen höheren
Antikörper-Spiegel nach einer Impfdosis auf, bieten auch Säuglingen
ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat wirksamen Impfschutz und führen zu
keiner Immuntoleranz. Es wird also bei häufiger Gabe des Impfstoffes die
Immunantwort nicht schlechter." Die Impfung mit dem neuen Meningokokken-C-Konjugat-Impfstoff
sei geeignet für die aktive Immunisierung von Kindern ab dem zweiten Lebensmonat,
von Jugendlichen und Erwachsenen, wobei ab dem vollendeten ersten Lebensjahr eine
einzige Impfung ausreicht. Karin Krizek: "Ich bin froh, dass die Möglichkeit
einer Impfung besteht. Ich habe sowohl meinen Sohn, als auch meine zweijährige
Tochter gegen Meningokokken C impfen lassen."
"Gegenwärtig
existieren konjugierte Vakzine gegen die Sero-Grupppe C. Gegen die Sero-Grupppen
A, W und Y gibt es derzeit nur nicht-konjugierte Impfstoffe, gegen die Sero-Grupppe
B wurde bisher noch kein Impfstoff entwickelt", erklärt Prof. Zwiauer.
Allerdings ließen sich mittels eines konsequenten Einsatzes von Meningokokken-C-Konjugat-Impfstoffen
in Österreich 20 bis 40 Prozent der Meningokokken-Erkrankungen verhüten.
Impfempfehlung der "Initiative Meningokokken"
Die
"Initiative Meningokokken" empfiehlt, die Impfung gegen Meningokokken
C mittels Meningokokken-C-Konjugat-Impfstoff generell bei allen Säuglingen
durchzuführen. Nach sechs bis 12 Monaten bzw. nach Vollendung des zweiten
Lebensjahrs kann mit einem tetravalenten Meningokokken-Impfstoff die Impfung ergänzt
werden.
Ebenso empfohlen wird diese Impfung Jugendlichen in Internaten,
Kasernen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen, aber auch wenn sie für längere
Zeit - zum Beispiel im Rahmen eines Studienaufenthaltes - in ein Land mit erhöhtem
Meningokokken-Vorkommen einreisen.
Angezeigt ist die Impfung auch für
exponiertes Personal - etwa in medizinischen Labors, in Intensivstationen oder
Kinderkliniken - sowie für gesundheitlich gefährdete Personen.
Die Impfung ist darüber hinaus jedem anzuraten, der sich zuverlässig
vor einer Infektion schützen bzw. ausschließen möchte, dass er
andere Menschen mit Meningokokken C infiziert.
Die Initiative Meningokokken
Der neu gegründeten "Initiative Meningokokken ", die erstmals
in der Öffentlichkeit präsentiert wird, gehören hervorragende Expertinnen
und Experten aus ganz Österreich an: Kinderärzte, Impf-Spezialisten,
aber auch Repräsentanten der Ärzte- und Apothekerkammer. Die Initiative
hat es sich zum Ziel gemacht, möglichst viele Menschen über diese gefährliche,
und leider noch immer viel zu wenig bekannte Krankheit zu informieren. Prof. Huber:
"Es geht uns um das Bekannt machen der Möglichkeiten der Früherkennung,
aber auch des optimalen Impfschutzes, der Dank der Entwicklung der so genannten
konjugierten Vakzine möglich wurde." Das Risiko, dass ein junger Mensch
an dieser gefährlichen Krankheit erkrankt, dürfe aus ärztlicher
Sicht keinesfalls bagatellisiert werden.
LINKTIPPS:
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Umfangreiche Informationen zum Thema "Meningokokken"
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