MedNews
der Woche
Kalenderwoche
35; Jahr 2003
Mandelentzündung
bei Kindern: Entstehung, Symptome, Diagnose, Behandlung

Akute
Entzündungen der Mandeln werden "Angina" genannt; hauptsächlich
betroffen sind die Gaumenmandeln. Eine Mandelentzündung kann in jedem Lebensalter
auftreten, bevorzugt aber bei Kindern und Jugendlichen. Grundlagen
Am Beginn des Speise- und Atemweges im Übergangsbereich von Mund-,
Nase- und Rachenraum befindet sich ein ringförmig angelegtes System lymphatischen
Gewebes mit immunspezifischen Aufgaben, zu dem auch die Gaumenmandeln gehören.
Bei den Gaumenmandeln wie bei dem übrigen lymphatischen Rachenring handelt
es sich um eine Art Frühwarn- und Lernsystem gegenüber körperfremden
Stoffen aus der Umwelt (Viren, Bakterien, sonstige Antigene). Es werden Abwehrzellen
und Antikörper produziert und in Blut- und Lymphkreislauf sowie in die Mundhöhle
und den Verdauungstrakt abgegeben.
Die Größe der Gaumenmandeln nimmt vom 1. bis zum 3. Lebensjahr rasch
zu, was Ausdruck einer immunbiologischen Lern- und Abwehrfunktion des kindlichen
Organismus gegenüber der Umwelt ist. Mit Beginn der Pubertät setzt eine
langsame Rückbildung des lymphatischen Gewebes des Rachenringes ein.
Akute Mandelentzündung
(Angina tonsillaris bzw. Tonsillitis): Eine Mandelentzündung
(Angina tonsillaris) ist eine akute Entzündung der Gaumenmandeln. Angina
heißt soviel wie "Enge". Gemeint ist damit das beklemmende Gefühl
der Enge im stark angeschwollenen Hals. Eine
Entzündung bzw. Vergrößerung der Gaumenmandeln ist bei Kindern
sehr häufig und meist Teilerscheinung von Infektionen der oberen Luftwege
mit entsprechender Reaktion des gesamten lymphatischen Rachenringes. Jedoch können
auch örtlich begrenzte alleinige Mandelentzündungen auftreten. Teilweise
sind Viren die Entzündungsursache (Antibiotika sinnlos!), teilweise Bakterien
(überwiegend
Streptokokken), wobei der Virusinfekt auch Wegbereiter für einen
späteren bakteriellen Infekt sein kann. 
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Typische
Merkmale einer Mandelentzündung sind ein plötzlicher Beginn, meist hohes
Fieber sowie deutlich gestörtes Allgemeinbefinden mit Schluckbeschwerden.
Dabei sind die Tonsillen (Mandeln) entzündlich geschwollen, hochrot und haben
weiße bis gelbliche, streifenartige und schmierige Beläge, dazu sind
oft die Lymphknoten im Kieferwinkel schmerzhaft angeschwollen. Behandlung
Eine "banale", eher virusbedingte Angina klingt nach 1 - 3 Tagen
ohne spezielle Therapie ab. Wie bei jeder fieberhaften Erkrankung sollte viel
getrunken werden (kalte Getränke). Die Beschwerden etwas lindern kann man
durch Lutschen von Eis, Verzicht auf feste Kost, evtl. auch durch Gabe von schmerzlindernd
wirkenden Lutschtabletten bzw. Schmerzmitteln.
Besteht von der Intensität bzw. vom Verlauf der Erkrankung sowie vom Untersuchungsbefund
der Mandeln her (Stippchen und Beläge, Rachenabstrich mit Streptokokkennachweis)
der Verdacht auf eine bakteriell bedingte Angina, so müssen für 8 -
10 Tage Antibiotika (Penicillin oder Cephalosporine) eingesetzt werden.
Tipps Wenn
Ihr Kind an einer Mandelentzündung erkrankt, beachten Sie zusätzlich
folgende Tipps: - Das
Fieber kann durch Wadenwickel und Fieberzäpfchen gesenkt werden;
- Lutschtabletten
für den Hals helfen dabei, die Schluckbeschwerden zu lindern;
- Vor
allem Brustwickel mit Lavendel- und Eukalyptusöl sowie das Einreiben der
Brust mit einer Salbe, der die beiden Öle beigemischt werden können,
bringt über Nacht große Linderung und hält die meist verschleimten
Atemwege frei;
- Das
Kind sollte sich schonen und viel Flüssigkeit zu sich nehmen.
Chronische
Mandelentzündung Wiederholen sich die Entzündungen, wird
das aktive Lymphgewebe der Mandeln durch Narbengewebe ersetzt. Antibiotika erreichen
die Mikroabzesse im Mandelgewebe nicht mehr, Bakterien und Botenstoffe gelangen
ins Blut. Da hilft oft nur noch eine Operation, denn sonst sind Nieren- und Herzklappen
bedroht. Bei häufig wiederkehrenden Entzündungen der Tonsillen
spricht man auch von einer chronischen Tonsillitis. Bei häufig wiederkehrenden
eitrigen Mandelentzündungen, die jeweils mit Antibiotika behandelt werden
müssen (ca. 3 bis 4mal pro Jahr) kann eine Mandelentfernung in Betracht gezogen
werden. Eine
Mandeloperation (Tonsillektomie) muß durchgeführt werden, wenn sich
infolge einer bakteriellen Entzündung schwere lokale Veränderungen (Abszeß,
entzündliche Infiltration weiterer Halsorgane) sowie eine Keimausschwemmung
in die Blutbahn (Sepsis = Blutvergiftung) ergeben haben. Leidet
Ihr Kind an einer chronischen Tonsillitis oder führt die Mandelentzündung
wegen der großen Mandeln zur Atemnot, dann wird häufig empfohlen, eine
Mandeloperation durchführen zu lassen. Bei einer Mandelentfernung ist allerdings
insbesondere bei Kindern eine strenge Abwägung zu treffen zwischen der immunbiologischen
Wertigkeit der Mandeln einerseits und den durch sie hervorgerufenen Beschwerden
andererseits. Insbesondere vor dem 4. Lebensjahr sollte man, sofern vertretbar,
von einer operativen Entfernung der Mandeln Abstand nehmen. Indikation
zur Operation Wenn
die Operation fachkundig durchgeführt wird, ist sie meist harmlos und ohne
schwerwiegende Folgen. Meist wird vorsorglich auch unter stationären Bedingungen
operiert, damit bei etwaigen Nachblutungen oder anderen Zwischenfällen sofort
ein Arzt zur Verfügung steht und schwere Komplikationen so vermieden werden
können. Man
kann auch nach so einer Operation beruhigt sein, weil die Infektanfälligkeit
nicht wesentlich beeinträchtigt wird und dem Körper andere Schutzmechanismen
zur Infektabwehr zur Verfügung stehen. Es
sei hier jedoch betont, daß immer Nutzen und Risiko einer Operation abgewogen
werden müssen und nicht (ohne ausreichende Gründe) aus reiner Vorsorge
die Mandeln entfernt werden können, denn Gaumen- und Rachenmandeln erfüllen
eine Frühwarn- und eine Lernfunktion zugunsten des Immunsystems, sie unterstützen
die Lymphknoten. LINKTIPPS:
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Informationen zur Mandeloperation
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Informationen zur Mandelentzündung
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Mandelentzüdung: Diagnose, Behandlung, Vorbeugung
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