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der Woche Kalenderwoche
44, 2003
Was
ist eine Vasektomie? Sterilisation beim Mann...
 Wir
haben nun viel über hormoneller Verhütungsmethoden geschrieben welche
im eigentlichen die Frau anwendet. Nun wollen wir auch andere "endgültige"
Wege der Empfengnisverhütung zeigen. Vas ist das lateinische Wort für Gefäß
bzw. Leiter. In einem Gefäß des Körpers können ganz unterschiedliche Arten von
Flüssigkeiten fließen (Blut, Lymphe, Urin, Samenflüssigkeit). Der zweite Wortanteil
(-ektomie) bedeutet, dass ein Organ oder Teile eines Organs entfernt bzw. herausgetrennt
werden. Der Begriff Vasektomie wird heute jedoch ausschließlich im Zusammenhang
mit der Durchtrennung des Samenleiters verwendet. Folge dieser Durchtrennung ist
eine dauerhafte Zeugungsunfähigkeit. Die Fähigkeit zur Erektion (Gliedsteife)
bleibt unverändert erhalten. Wann
wird eine Vasektomie durchgeführt?
Im Rahmen der zunehmenden Emanzipation des Mannes in Fragen der Verhütung
und Familienplanung gewinnt die Durchtrennung des Samenleiters zusehends an Bedeutung.
Sie stellt eine sichere, leicht durchzuführende operative Methode der Verhütung
im Vergleich zu den OP-Verfahren bei der Frau dar. Die Zeugungsfähigkeit
des Mannes ist nach dem Eingriff dauerhaft beseitigt. Die Entscheidung über
die Art der Verhütung kann dadurch auch aktiv verantwortlich vom Mann mitgestaltet
werden. Hierbei sind verschiedene Beweggründe ausschlaggebend, die vom Arzt
individuell kritisch geprüft werden sollten. So spielen das Alter des Mannes,
der Familienstand, die Anzahl der bereits geborenen Kinder, das soziale Umfeld,
das Wissen um schwerste Erbkrankheiten und auch mögliche Schwierigkeiten
bzw. Unverträglichkeiten der Partnerin mit anderen Verhütungsmöglichkeiten
eine entscheidende Rolle. Nach Information und Beratung über Verhütungsalternativen
erfolgt vor jeder operativen Maßnahme eine ausführliche Aufklärung
über die Art und die Folgen der Samenleiterdurchtrennung. Dies muss vom Mann
in schriftlicher, rechtswirksamer Form durch Unterschrift bestätigt werden. Daneben
können medizinische Gründe für eine Samenleiterdurchtrennung sprechen.
So kann Männern mit einer wiederholt auftretenden Nebenhoden- bzw. Hodenentzündung
durch eine Samenleiterdurchtrennung dauerhaft geholfen werden, da die eine Entzündung
verursachenden Keime aus dem Harntrakt nicht mehr über den Samenleiter in
Richtung Nebenhoden und Hoden wandern können. Wie
wird eine Vasektomie durchgeführt?
Die Durchtrennung der Samenleiter erfolgt meist in örtlicher Betäubung.
Ängstliche Patienten können zusätzlich eine beruhigende und schmerzstillende
Spritze bekommen. Von zwei (links und rechts) kleinen Hautschnitten im oberen
Anteil des Hodensackes kann der Samenleiter durch die Hautöffnung vorsichtig
hervorgezogen werden. Etwa ein bis drei cm des Samenleiters werden herausgetrennt
und zur feingeweblichen Untersuchung eingeschickt. Die verbleibenden Stümpfe
werden mit Strom verschlossen und mit einem Faden zugeknotet. Die Enden werden
möglichst in unterschiedlichen Gewebeschichten des Hodensackes versenkt,
und die Haut wird mit ein bis zwei Nähten verschlossen. Dieser Eingriff kann
ambulant in einer urologischen Praxis oder in einer urologischen Krankenhausabteilung
im Rahmen der zunehmenden ambulant möglichen Operationen erfolgen. Welche
Komplikationen können auftreten?
Unmittelbar nach dem Eingriff können Bluterguss, Wundinfektion und Schwellung
des Hodensackes die Heilung verzögern. Unter Hochlagerung und Kühlung
heilen diese Beschwerden meist spontan. Narbenknötchen am Ende der verschlossenen
Samenleiter können auf lange Sicht entstehen und eine unterschiedlich ausgeprägte
Berührungsempfindlichkeit hervorrufen. Was
muss danach beachtet werden? Bereits
im Aufklärungsgespräch muss unbedingt darauf hingewiesen werden, dass
ungeschützter Geschlechtsverkehr nach der Vasektomie zunächst noch nicht
sicher ist und zu einer Schwangerschaft führen kann. Denn noch vorhandene
Spermien aus dem körpernahen Samenleiteranteil können bei den folgenden
Ejakulationen ohne Verhütung durchaus eine ungewollte Schwangerschaft hervorrufen.
Um dies zu verhindern, sollte bei abgeschlossener Familienplanung für sechs
bis zwölf Wochen nach der Sterilisation weiter konsequent verhütet werden.
Nach sechs Wochen sollte eine frisch gewonnene Spermaprobe des Mannes vom betreuenden
Urologen untersucht werden (Spermiogramm). Finden sich in der Probe noch lebensfähige,
bewegliche Spermien, muss für weitere sechs Wochen verhütet werden.
Ein erneutes Spermiogramm sollte das vollständige Fehlen von Spermien (Azoospermie)
bestätigen. Erst danach ist ungeschützter Geschlechtsverkehr möglich. Sollten
auch mehrere nachfolgende Samenproben Spermien enthalten, muss an die seltene
Möglichkeit einer mehrfachen Samenleiteranlage oder an eine spontane Wiedervereinigung
der Samenleiterenden gedacht werden. In diesem Fall müssen weitere Spezialuntersuchungen
durch den Urologen durchgeführt und mit dem Betroffenen besprochen werden. Welche
Folgen hat dieser Eingriff?
Die Vasektomie hat nichts mit der Kastration (Tierreich, Eunuchen, Haremswächter)
gemeinsam, bei der das gesamte hormonproduzierende Organ (Hoden) entfernt wird.
Bei der Vasektomie wird mit dem Samenleiter lediglich ein Transportrohr durchtrennt,
das keinerlei hormonelle Funktion hat. Auch ein Samenerguss ist nach einer Samenleiterdurchtrennung
unverändert vorhanden, lediglich finden sich im Ejakulat keine Spermien mehr,
die an der Gesamtejakulatmenge nur zwei bis vier Prozent ausmachen. Die übrigen
Ejakulatanteile kommen aus der Prostata
(Vorsteherdrüse), den Samenblasen (kleine, hinter der Prostata gelegene
Drüsen) und kleinsten, neben der Harnröhre gelegenen Drüsen. Das
gefürchtete Risiko, nach einer Sterilisation gehäuft einen bösartigen
Prostatatumor zu entwickeln, hat sich bisher in keiner Studie bestätigen
lassen. Ein häufig von Männern befürchteter Samenstautritt ebenfalls
nicht auf, denn die im Hoden produzierten Spermien werden nach Ablauf ihrer Lebensdauer
- wie viele andere Körperzellen auch - wieder abgebaut. Kann
dieser Eingriff rückgängig gemacht werden? Die
Möglichkeit der Wiedervereinigung der durchtrennten Stümpfe des Samenleiters
ist mit Hilfe eines Operationsmikroskopes gegeben. Neben dieser Technik sind für
den Operationserfolg die Art und Umfang der Vasektomie (Länge des entfernten
Samenleiteranteils), das Zeitintervall zwischen Vasektomie und Wiedervereinigung
ausschlaggebend. Weiterhin können nach der Vasektomie Antikörper gegen
die körpereigenen Spermien gebildet werden. Sind Antikörper nachweisbar,
ist eine Wiedervereinigung der Samenleiterenden wenig sinnvoll. All diese Faktoren
sind vor der Entscheidung zur operativen Wiedervereinigung abzuklären und
ausführlichst mit dem Betroffenen zu besprechen. Linktipps:
.... Hormonelle
Verhütungsmethoden Teil 1
....
Hormonelle Verhütungsmethoden Teil 2
....
Hormonelle Verhütungsmethoden Teil 3
.... umfassende
Infos zum Thema Vasektomie
.... Sterilisation bei der Frau
.... Verhütung
allgemein
.... hier geht's zum Archiv
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