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08; 2004
Borderline-Persönlichkeitsstörung
In der
Geschichte der psychiatrischen Diagnostik gab es immer wieder Fälle, die "an
der Grenze" ("on the border") existierender diagnostischer Kriterien lagen.
Der
englische Psychiater C.H. Hughes prägte für sie erstmals in dem im Jahre 1884
erschienenen Artikel "Borderland Psychiatrics Records" den Begriff "borderland
patients". Seither wurde die davon abgeleitete Bezeichnung "Borderline" in verschiedensten
Publikationen und Arbeiten - stets für Beschwerdebilder, die nicht eindeutig klassifiziert
werden konnten - verwendet, wenn diese phänomenologisch im Grenzbereich von Neurose,
schwerer Charakterstörung und Psychose angesiedelt waren. Nach
einer Vielzahl von Arbeiten und anderen Bemühungen (speziell seien jene von
Kernberg, Kety, Rosenthal, Wender, Gunderson und Kolb erwähnt), die Borderline-Störung
besser zu klassifizieren, gilt sie heute zu den empirisch am besten erforschten
Störungsbildern, wobei als Begriffsebenen je nach Ausprägung und Dauer
der Störung das Borderline Syndrom, die Borderline-Persönlichkeit und
der Borderline-Zustand unterschieden werden. Während bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung
davon ausgegangen wird, daß es sich um eine dauerhafte Störung der
Erlebnis- und Verhaltensweisen handelt, werden Borderline-Syndrom und Borderline-Zustand
für kürzere Verlaufsperioden oder 'Schübe' der jeweiligen Symptomatik
diagnostiziert. Die
Symptome im Überblick
-
Sex, Substanzmißbrauch,
Esstörungen,
Glücksspiel, leichtsinniges Fahren,.. Instabilität
im Gefühlsbereich, z. B. ausgeprägte Stimmungsänderungen,
überstarke emotionale Reaktionen, stark depressiven Phasen,
Phasen starker Reizbarkeit oder Angst (mit Dauer von einigen
Stunden bis wenigen Tagen)
- übermäßige,
starke Wut oder Unfähigkeit, die Wut zu kontrollieren:
häufige Wutausbrüche, körperliche Auseinandersetzungen
u.dgl.
- wiederholte
Selbstmorddrohungen/-versuche oder Selbstverletzungen
- Fehlen
eines klaren Ichidentitätsgefühls mit Unsicherheit
in Bereichen wie z.B. dem eigenen Selbstbild, Empfindungsstörungen,
sexueller Orientierung, langfristigen Zielen, Art der Freunde
und Partner, persönlichen Wertvorstellungen,..
- chronische
Gefühl von Leere oder Langeweile
- verzweifeltes
Bemühen, tatsächliches oder vorgestelltes Alleinsein
zu verhindern
- vorübergehende,
streßabhängige paranoide Phantasien oder schwere
dissoziative Symptome
Therapie Die
wichtigste und auch zielführendste Behandlung des Borderline-Syndroms stellt
heute die Psychotherapie dar. Oft wird sie, je nach Intensität der Symptome,
zumindest vorübergehend mit einer pharmakologischen Therapie kombiniert.
In schwereren Fällen, das sind ca. 20% der Borderline-Erkrankungen, bedürfen
die Betroffenen auch einer zumindest vorübergehenden stationär psychiatrischen
Behandlung, etwa bei: -
Selbst- oder Fremdgefährdung
- psychotischen
oder psychosenahen Symptomen
- schwierigen
familiären oder sozialen Verhältnissen
- zur
Vorbereitung auf eine ambulante Psychotherapie
- zur
Abklärung weiterer Maßnahmen
- bei
schwerwiegenden Problemen oder Konflikten im sozialen Umfeld
- bei
zusätzlich vorhandener Suchtproblematik
In
der Psychotherapie kommen heute vor allem verhaltenstherapeutische, tiefenpsychologische,
systemische und gestalttherapeutische, vereinzelt auch körpertherapeutische
Methoden zum Einsatz. Während der letzten Jahre machte speziell auch
die Dialektisch-Behaviourale Therapie (DBT), eine von Marsha M. Linehan entwickelte
verhaltenstherapeutische Methode, von sich reden, die insbesondere in stationär
psychiatrischen Therapien zur Anwendung kommt und dort gute Erfolge erzielen konnte. Ziel
der Therapie von Borderline-Störungen ist in erster Linie eine stärkere
Selbstregulation. Die in vielen Bereichen destruktiven Anteile des eigenen Verhaltens
sollen in ihren (meist in der persönlichen Geschichte liegenden) Ursachen
erkannt, und passende Alternativen dazu entwickelt werden. Ganz wesentlich ist
es auch, mit den alltäglichen Belastungen des Lebens besser fertig zu werden.
So wird schrittweise angemessenes Sozialverhalten als Ersatz für gestörtes
Verhalten entwickelt und sukzessive trainiert, bis auch in schwierigen Situationen,
die früher zu Eskalationen führen konnten, adäquat reagiert werden
kann.
Ganz
wesentlich und somit auch wichtigster Teil der Therapie ist
die Beziehung zwischen dem Patienten und dem Therapeuten. Gerade
die Stabilität und das Vertrauen in einer solch emotional
nahen Beziehung ist etwas, das für Borderline-PatientInnen
üblicherweise nur schwierig herzustellen ist und daher
langsam und behutsam entwickelt werden muß. Gelingt es
dem Patienten, den Therapeuten als Vertrauensfigur anzunehmen,
kann diese Beziehung sich zu einer tragfähigen Basis, die
die laufenden Veränderungen begleitet und Halt auch in
schwierigsten Situationen bietet, entwickeln.
Letztlich dient diese therapeutische Beziehung aber nur als
Basis für eine spätere Erweiterung des eigenen Vertrauens,
der eigenen Hoffnungen und Erwartungen, auch auf andere Personen.
Eigentliches Ziel der
Psychotherapie
ist es, dem Patienten zu helfen, sich individuell zu entwickeln
und mehr persönliche Freiheit nutzen und realisieren zu
können. Im Laufe der Psychotherapie werden die das eigene
Verhalten dominierenden Ängste reduziert und gelernt, die
Impulshaftigkeit des Verhaltens besser zu kontrollieren.
Schritt
für Schritt gelingt es dadurch, sich mehr und mehr in einen lebendigeren
und gelösteren "Fluß" mit der Umwelt einzulassen - etwas,
das letzlich ermöglicht, Intimität und Liebe zuzulassen und somit auch
im Alltag und in den persönlichen Beziehungen dauerhafte Geborgenheit empfinden
- und auch geben - zu können.
LINKTIPPS:
....
Selbsttest auf Borderline-Syndrom bzw. Borderline-Verhaltenszüge
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- Therapeutische Anwendung von Musik
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