MedNews
der Woche Kalenderwoche
46, 2004 Vasektomie:
Sterilisation des Mannes
 Die
Vasektomie bezeichnet die Sterilisation des Mannes, d.h. jenen medizinischen
Eingriff, der einen Mann unfruchtbar (d.h. unfähig zur Fortpflanzung) macht. Immer
öfter stellt sich nach abgeschlossenem Kinderwunsch in Partnerschaften die
Frage, nach einer optimalen Möglichkeit der Verhütung. Nach wie vor
trägt die Frau die Hauptlast der Kontrazeption, während der Anteil der
Vasektomie weltweit nur bei ca. 10 % liegt - wobei hier vor allem in den USA die
Zahl der jährlich vasektomierten Männer mit etwa 850.000 besonders hoch
ist. Insgesamt stellt die Unterbindung eine gute und kostengünstige Alternative
zu den Verhütungsmethoden der Frau (Pille, Spirale, Implantat) dar und ist
die sicherste Methode zur Kontrolle der Zeugungsfähigkeit beim Mann. Der
Eingriff ist in 97,2 - 99 % aller Fälle erfolgreich, die Versagerquote liegt
unter 1 %. Der Eingriff kann ambulant in Lokalanästhesie durchgeführt
werden. Allgemeines Die
Vasektomie (richtiger wäre der Begriff Vasoresektion) gilt als die derzeit
sicherste, effektivste und einfachste Methode zur Fertilitätskontrolle beim
Mann. Die Funktion der Hoden (Hormonproduktion) bleibt erhalten - dies im Unterschied
zur Kastration, die die operative Entfernung der Geschlechtsdrüsen
(beim Mann die Hoden, bei der Frau die Eierstöcke) bedeutet. Sich dort bildende
Samenzellen werden vom Körper resorbiert. Auch die Fähigkeit zur Erektion
und Ejakulation bleiben erhalten. Das Ejakulat enthält aber keine
Samenzellen, eine weitere Vaterschaft ist damit fast ausgeschlossen. Pearl-Index:
0,1 - wobei der der Pearl-Index die Zahl der Schwangerschaften trotz der jeweils
verwendeten Verhütungsmethode angibt, also die "Versagerquote"
eines Verhütungsmittels. Pearl-Index 2 würde z.B. bedeuten, dass zwei
von hundert Frauen trotz Verhütung schwanger werden. Der Pearl-Index der
Pille liegt bei eitwa 0,1 bis 0,9 und beim Kondom bei etwa 2 bis 12. Die Zahlen
weichen in den Literaturquellen häufig voneinander ab. So geben Hersteller
oft nur die Sicherheit der Methode an. Andere Tabellen berücksichtigen auch
Fehler, die bei der Anwendung passieren können (Kondome!). Jeder Mensch ist
außerdem ein Individuum und kann auf die Methoden unterschiedlich ansprechen.
Die Zahlen sind daher nur richtungsweisend. Alle
bisherigen Versuche, mittels Hormonen oder anderen spermiogenesehemmenden Medikamenten
eine wirksame Kontrolle der Männlichen Fertilität zu erlangen (Steroidhormone,
LHRH - Analoga, LHRH-Vakzine, Gossypol), sind sowohl aufgrund der beobachteten
Nebenwirkungen, ungewisser Sicherheit als auch wegen noch nicht abgeschlossener
Forschungen zumindest in den westlichen Industrieländern, wo man von einer
Kontrazeption möglichst 100%ige Sicherheit erwartet, inakzeptabel. Die
Operation selbst ist recht unkompliziert, sie wird meist ambulant und unter örtlicher
Narkose durchgeführt. Der Arzt legt mit zwei kleinen Schnitten die Samenleiter
frei, durchtrennt und verschließt diese dann wieder. Die Enden werden im
Gewebe versenkt, damit sie nicht wieder zusammenwachsen. Es kommt in wenigen Fällen
zu Hodenschmerzen, die aber vorübergehend sind. Manche Männer klagen
über zeitweilige Schwellungen und Blutergüsse. Selten kann es auch zu
Entzündungen der Nebenhoden oder der Bildung eines Spermagranuloms (schmerzhafte
kleine Schwellung aufgrund einer Spermastauung an der Verschlussstelle) kommen.
Eine Kontrolluntersuchung des Spermas erfolgt einige Zeit nach der Operation und
wird wiederholt, so lange noch Spermien gefunden werden. Im
Wesentlichen gibt es fünf unterschiedliche Operationstechniken, von denen
die Ligaturtechnik derzeit noch am weitest verbreiteten ist. Mittels einer
Tuchklemme wird dabei der Samenleiter fixiert und die Skrotalhaut 1-1,5 cm indiziert.
Nach Präparation des Ductus deferens werden 2-3 cm Samenleiter exzidiert,
die Enden unterbunden und noch zusätzlich u-förmig umgeschlagen. Die
messerlose Samenleiterunterbindung (No Scapel-Vasektomie) stellt die modernste
Art der Samenleiterdurchtrennung dar und wird in der Regel in lokaler Betäubung
durchgeführt. Diese Methode erfordert aber ein intensives Training selbst
von in der Vasektomie erfahrenen Operateuren, um die Methode zu beherrschen. Bei
dieser Operation wird zuerst lokales Betäubungsmittel entlang der beiden
Samenstränge eingespritzt, um die Haut und das Operationsgebiet schmerzunempfindlich
zu machen. Mit einer Dissektionsklemme wird die Hodenhaut entlang der Hautfasern
gespreizt, um eine möglichst blutungsarme Operation zu ermöglichen.
Durch diese Technik kann auf einen Hautschnitt verzichtet werden und es wird damit
eine Verletzung der unter Haut liegenden Blutgefäße vermieden. In weiterer
Folge wird der Samenleiter mit einer Klemme soweit freipräpariert, daß
er mit einem Spezialinstrument gefaßt werden kann. Es wird dann ein Stück
des Samenleiters herausgeschnitten und unter dem Mikroskop untersucht. Die beiden
Samenleiterenden werden mit einem Elektrokauter verkocht, sodaß das Gefäß
nicht mehr duchgängig ist. Es wird noch zusätzlich eine Unterbindung
der Samenleiter mit einem Faden, der sich nicht von selber auflöst, durchgeführt.
Die beiden Samenleiterenden werden dann so in das Hodenfach zurückverlagert,
daß noch eine Bindegewebsschicht zwischen den beiden Enden liegt, sodaß
man mit 99,9%iger Sicherheit davon ausgehen kann, daß es zu keiner Rekanalisierung
kommt (Wiederzusammenwachsen der Samenleiter). Die beiden Samenleiterenden werden
dann in den Hodensack zurückverlagert und die kleine Wunde verschließt
sich ohne Anlegen einer Hautnaht von selbst. Die Operationszeit selbst beträgt
ca. 20 min. Sicherheit
und Nebenwirkungen dieses Eingriffs Auch
bei technisch einwandfreier Durchführung des Eingriffes kann es in Einzelfällen
durch spontane Rekanalisation zur unerwünschten neuerlichen Durchgängigkeit
der Samenleiter kommen. Aus diesem Grund müssen nach der Vasektomie mehrere
Spermiogramme abgegeben werden um den kompletten Verschluß nachzuweisen.
Eine Rückoperation kann jederzeit wieder durchgeführt werden,
wobei die Durchgängigkeitsrate bei ca. 70 - 75 % und die Schwangerschaftsrate
bei ca. 20 - 25 % liegt, somit besteht die Chance, daß eine natürliche
Befruchtung nach erfolgter Rückoperation sehr wahrscheinlich ist. Allerdings
muß darauf hingewiesen werden, daß die Vasektomie eine endgültige
Operation sein sollte und daß die Rückoperation von den Krankenkassen
nicht bezahlt wird und die Operationskosten zwischen 2.000.- und 3.000.- EUR betragen. Wie
bei jedem operativen Eingriff kann es auch bei der Vasektomie zu Einblutungen
und Wundinfektionen als Operationsfolge kommen, diese sind in der Regel harmlos
und nur von kurzer Dauer. Sie sind allerdings dringend aufgefordert sich bei Beschwerden
unverzüglich in ärztliche Behandlung zu begeben. Die früher veröffentlichte
Behauptung, daß durch die Vasektomie Prostatakarzinome (Prostatakrebs) ausgelöst
werden kann, sind durch Studien und sorgfältige Analysen widerlegt worden.
Was sollte vor dem Eingriff bedacht werden? Voraussetzung
zur Durchführung einer Vasoresektion ist eine ausführliche Aufklärung
des Ehepaares. Folgende Punkte müssen eingehend besprochen sein:
1. Die Unwiderruflichkeit
des Eingriffs - auch wenn es sehr erfolgreiche Refertilisierungsmöglichkeiten
gibt - wegen des möglichen Mißerfolges. 2.
Die zur Anwendung kommende Operationstechnik. 3.
Postoperative Komplikationsmöglichkeiten. 4.
Eine postoperative Fertilität durch noch in den Samenwegen befindliche Spermatozoen
bis über 6 Monate. 5.
Ablauf und Bedeutung der postoperativen Spermiogrammkontrollen. 6.
Eine spontane Rekanalisation (d.h. die Spermien finden wieder einen Weg
nach draußen), die zwar extrem selten, aber selbst nach Azoospermie in den
üblichen Kontrollspermiogrammen auch noch nach Jahren vorkommen kann. Damit
bietet die Vasektomie eine gute, aber keine vollständige (100%ige) Sicherheit.
7. Die
Kosten einer Vasektomie inkl.obligatorischen Gewebeprobe und Nachuntersuchung
liegt je nach Operationstechnik zwischen 400.- und 600.- EUR. Diese Kosten werden
in Österreich und Deutschland in der Regel nicht von den Krankenkassen
übernommen!
LINKTIPPS:
....
Vasektomie - Deutsche Gesellschaft für Urologie
.... Sterilisation bei der Frau
.... Vasektomie - Pro & Contra
.... Verhütungsmethoden
.... Der Penis: Funktionsweise,
Anatomie
.... hier geht's zum Archiv
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
|