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MedNews der Woche
Kalenderwoche 19; 2006

Lymphdrainage: Massagetechnik ohne Druck

Lymphdrainage

Die manuelle Lymphdrainage ist eine Sonderform der klassischen Massage.
Das Ziel ist es, den Lymphabfluss zu fördern. Durch sanfte, großflächige
Streichungen in Richtung des Herzens wird erreicht, dass sich die Lymphgefäße öffnen.
Schlacken und Giftstoffe werden abtransportiert. Die angestaute Gewebsflüssigkeit,
die meist Schwellungen an Füßen, Beinen und Händen verursacht, kann wieder abfließen.

Die manuelle Lymphdrainage wurde vom dänischen Physiotherapeuten Emil Vodder in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelt. Zu einer komplexen physikalischen Entstauungstherapie ist sie in den 90er-Jahren weiterentwickelt worden. Die Lymphdrainage ist eine sanfte Massage zur Verbesserung des Lymphflusses. Sie gehört, wie die klassische Massage und die Bindegewebsmassage, zu den manuellen Therapieformen.

Lymphe & Lymphatisches System

Die Lymphe ist eine helle, dem Blutplasma sehr ähnliche Körperflüssigkeit, deren Aufgabe darin besteht, den Abtransport von Schlackenstoffen, Stoffwechselprodukten, Zelltrümmern, Giften, überschüssiger Gewebsflüssigkeit, etc. zu sichern. Diese Flüssigkeit kommt aus dem Zwischenzellgewebe und wird von den Lymphgefäßen aufgenommen. Das Lymphgefäßsystem stellt ein dem Venensystem parallelgestelltes Drainagesystem dar und mündet letztlich in die großen, herznahen Venen. Ca. 600 – 700 Lymphknoten sind in den Verlauf des Lymphgefäßsystems eingeschaltet. Sie dienen unter anderem dem Immunsystem und filtern Schadstoffe aus der Lymphe.

Wie ein Netz spannt sich das lymphatische System durch den Körper. An verschiedenen Stellen dieses Netzes befinden sich große und kleine Lymphknoten. Und so funktioniert das System: Durch den Blutdruck werden kleine und flüssige Bestandteile durch die dünnen Wände der feinen Haargefäße (Kapillaren) in das Körpergewebe gepresst. So werden Nährstoffe und Sauerstoff in die Gewebe transportiert. Im Gegenzug nimmt das lymphatische System Abfallstoffe und Kohlendioxid auf. Die größeren und festen Bestandteile bleiben im Blut. Die heraus gepresste Flüssigkeit kehrt größtenteils in den Blutkreislauf zurück.

Das Lymphsystem ist entscheidend für das Abwehrsystem des Körpers. In den Lymphbahnen sind kleine Knoten platziert, durch welche die Lymphe strömt. Diese Knoten enthalten ein Netz aus weißen Blutkörperchen mit wichtiger Filter- und Abwehrfunktionen. Sie filtern heraus, was nicht ins Blut gelangen soll. Das können Bakterien oder auch Krebszellen sein, die sich von einem nahegelegenen Tumor gelöst haben.

Massage ohne Druck

Im Unterschied zu anderen Massageformen wird bei der Lymphdrainage das Gewebe nicht durchgeknetet. Es wird stattdessen langsam und druckarm mit sich ständig wiederholenden Bewegungen bearbeitet. So werden die Lymphgefäße angeregt, sich zusammenzuziehen. Die überschüssige Lymphflüssigkeit - diese Gewebswasser-Ansammlungen werden Ödeme genannt - wird aus dem Gewebe abtransportiert und so die Wirkung der Massage verlängert. Zuerst behandelt die Therapeutin die größeren Lymphknotengebiete, um die Knoten auf den kommenden Ansturm an Lymphe vorzubereiten. Dann werden die höher gelegenen größeren Lymphgefäße am Rumpf behandelt. So wird sozusagen der Weg freigeräumt. Es folgt die Behandlung am erkrankten Arm oder Bein, also im eigentlichen Staugebiet. Die medikamentösen Möglichkeiten bei einem Lymphödem sind begrenzt.

Das Therapiekonzept der Lymphdrainage hat zum Ziel, die Leistungsfähigkeit der Lymphe zu aktivieren, so dass gestaute Gewebsflüssigkeit abtransportiert werden kann. Gleichzeitig soll das Immunsystem angeregt werden.

Um dies zu erreichen, wird bei der Lymphdrainage mit sanftem Druck das Unterhautgewebe massiert. Hierfür stehen verschiedene Griffe zur Verfügung:

  • Kreisbewegungen
  • Pumpgriffe mit Hilfe von Daumen und Finger
  • Schröpfgriffe
  • Drehgriffe bei denen die Haut gegen die Unterhaut verschoben wird

Eine große Bedeutung hat die Manuelle Lymphdrainage auch bei der Nachbehandlung operativer Eingriffe, bei denen Lymphknoten entfernt worden sind. Unbeachtete Ablagerungen von Lymphflüssigkeiten, die sich in Form von geschwollenen Füssen, Beinen, Händen oder Armen zeigen, können als Langzeitfolgen schlecht heilende, offene Wunden zur Folge haben.

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Eine Lymphdrainage ist in folgenden Fällen sinnvoll:

  • Die Lymphgefäße sind mechanisch geschädigt, beispielsweise durch eine Operation oder eine Bestrahlung.
  • Ein gesundes Lymphsystem ist überlastet und versagt, weil die Lymphmenge zu groß geworden ist. Es muss drainiert werden.
  • Weiterhin gibt es anlagebedingte Lymphödeme, die häufig erst im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auftreten. Auch hier ist die Lymphdrainage hilfreich und gut.
  • Nach einer Brustkrebs-Operation ist die Lymphdrainage besonders wichtig. Die Lymphknoten unter dem Arm werden teilweise oder sogar gänzlich herausgenommen, um der Gefahr einer Metastasierung zu begegnen. Als Resultat leidet eine solche Patientin oft unter einem Lymphödem an dem betroffenen Arm. Unterstützend zur Lymphdrainage werden Selen-Präparate gegeben.

Quelle: Grünes Kreuz e. V. - www.dgk.de


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