MedNews
der Woche Kalenderwoche
43; 2006
Chemotherapie:
Wichtige Grundlagen
über Wirkungsweise und Nebenwirkungen
Vielerorts
wird die Chemotherapie als spezieller Medikamenten-Cocktail zur Behandlung
von Krebs missverstanden. Auch wenn es nicht ganz unrichtig ist, führt
diese Annahme doch in die Irre. Denn erstens ist der Einsatz prinzipiell nicht
auf die Krebstherapie beschränkt, außerdem wird darunter nicht die
Medikamentenmischung verstanden, sondern die Methode: Massnahmen, die direkt
gegen den Krankheitserreger vorgehen.
Mediziner
unterscheiden die antineoplastische Chemotherapie (Krebsbehandlung) von der antimikrobiellen
Chemotherapie (Behandlung von Infektionskrankheiten). So z.B. wird die Behandlung
von Infektionen mit Antibiotika unter dem Begriff antimikrobielle Chemotherapie
zusammengefasst. Die chemotherapeutische Behandlung von Krebs (antitumorale Chemotherapie)
hingegen hat die Aufgabe, bevorzugt Tumorzellen - abzutöten. Dabei werden
Arzneimittel eingesetzt, die einerseits das Wachstum von Zellen hemmen, d.h. zytostatisch
wirken, und andererseits Zellen direkt schädigen, d.h. zytotoxisch wirken.
Besonders wirksam ist der Einsatz der Chemotherapie zweifellos bei Krebsarten,
die nicht an einem einzigen Ort entstehen, sondern sich von vornherein im gesamten
Körper ausbreiten, z.B. Blut- und Lymphdrüsenkrebs. Der
Begriff Chemotherapie wurde im Jahr 1906 von Paul Ehrlich geprägt. Gemeinsam
mit seinem Assistenten Hata entwickelte er das erste echte Chemotherapeutikum
gegen Syphilis - das sog. Salvarsan. Die Chemotherapie verwendet solche Stoffe,
die ihre schädigende Wirkung möglichst gezielt auf bestimmte krankheitsverursachende
Zellen bzw. Mikroorganismen ausüben und diese abtöten oder in ihrem
Wachstum hemmen. Normale Körperzellen werden deutlich weniger von der Chemotherapie
geschädigt. Während
der Begriff Chemotherapie eigentlich ganz allgemein die Behandlung von krankheitserregenden
Mikroorganismen, Parasiten, Viren und Tumorzellen mit spezifisch wirkenden chemischen
Substanzen bezeichnet, wird der Begriff zunehmend speziell für die Behandlung
von Krebs mit sog. Zytostatika verwendet, die die Vermehrung der Tumorzellen
hemmen. In Zukunft werden insbesondere in Vorstadien und in frühen Stadien
von Krebs Substanzen zum Einsatz kommen, die aus unreifen Tumorzellen reife Normalzellen
der entsprechenden Gewebsart machen, das sind sogenannte Differenzierungsinduktoren
oder ganz allgemein Chemopräventiva. Von der hemmenden Wirkung auf Zellvermehrung,
die ein Ruhen (Statik) von Zellen (Zyten) hervorruft, leitet sich das Wort "Zytostatikum"
ab. Chemotherapie
bei Krebs Krebsgewebe
besteht häufig aus vielgestaltigen Zellen, die sich entweder in der Teilungsphase
befinden - und dabei den Tumor vergrößern - oder in der Ruhephase.
Krebszellen, d.h. entartete Zellen - Zellen, die nicht mehr der natürlichen
Regulation unterworfen sind - bzw. Krebsgewebe weisen häufig ein rascheres
Wachstum als nicht-entartete, normale Zellen bzw. normales Gewebe auf. Auf diesem
Unterschied im Zellwachstum beruht die Wirksamkeit von zytostatisch-zytotoxischer
Chemotherapie bei Krebserkrankungen. Dabei
werden Arzneimittel eingesetzt, die einerseits das Wachstum von Krebszellen hemmen,
dh. zytostatisch wirken - diese Medikamenten werden auch Zytostatika genannt -
andererseits Zellen direkt schädigen, dh. auf diese zytotoxisch wirken. Dies
geschieht häufig auch durch Wiedereintretenlassens des in jeder Zelle vorgegebenen
Programms zum Absterben - des sogenannten programmierten Zelltodes - , das bei
Krebszellen gestört ist und zur kontinuierlichen Zellteilung dieser beiträgt.
Die meisten Zytostatika greifen in erster Linie jene Zellen, die sich gerade teilen,
an und schädigen die sich teilenden Zellen an bestimmten molekularen Strukturen
(bevorzugt im Zellkern), sodass diese Zellen an der Teilung gehindert werden bzw.
absterben. Ruhende Krebszellen - und gesunde Körperzellen, die sich nicht
in der Teilungsphase befinden - werden durch diese Therapie nicht oder nicht so
stark geschädigt. Ziel der antitumoralen Chemotherapie ist es eine Verkleinerung
oder vollständige Rückbildung (Remission) von Krebsgewebe bzw. Krebsgeschwülsten
zu erreichen. Bei
Chemotherapie handelt es sich um eine systemische Behandlung, d.h. sie wird im
gesamten Körper wirksam. Ihr Haupteinsatzgebiet sind deshalb Krebserkrankungen,
die nicht lokal behandelt werden können, weil sie entweder den ganzen Körper
betreffen oder bereits in verschiedene Organe gestreut (metastasiert) haben. Zu
Krebserkrankungen, die sich von vornherein im gesamten Körper ausbreiten,
gehören
Blutkrebs (Leukämien) und Lymphdrüsenkrebs (maligne Lymphome,
z.B.
Morbus Hodgkin). Bei diesen Krankheiten hat sich der Einsatz von Chemotherapeutika
als sehr erfolgreich herausgestellt; in vielen Fällen können die Betroffenen
vollständig geheilt werden. In
Abhängigkeit von der Arzneimittelbeschaffenheit und Metabolisierung (Stoffwechsel)
d.h. die Aufnahme durch den Organismus (Resorption) und von der Krebserkrankung
wird Chemotherapie in das Gefäßsystem (intravenös, also in die
Vene oder seltener in die Arterie) injiziert oder in Form von Kapseln oder Tabletten
durch Schlucken verabreicht. Häufig wird eine Behandlung in sogenannten Zyklen
(Zeitraum) dh in mehrwöchigen (3-6 ) Abständen ambulant oder stationär
durchgeführt. Nebenwirkungen
der Chemotherapie Krebszellen
sind für Chemotherapie anfälliger als normale Zellen; Zytostatika schädigen
immer auch normale Zellen. Betroffen sind vor allem solche Zellen, die von Natur
aus eine hohe Vermehrungsaktivität haben: Zellen des blutbildenden Systems
(Knochenmark), Schleimhautzellen im Magen-Darm-Trakt und Haarwurzeln. Einige
Zytostatika bewirken einen Haarausfall, in seltenen Fällen einen totalen
Verlust der Körperbehaarung. Wenige Wochen bis Monate nach Absetzen der Therapie
kommt es jedoch zu einem Nachwachsen der Haare. Weitere bekannte Nebenwirkungen:
- Müdigkeit
- Erschöpfung
- Schleimhautentzündung
im Mund- und Rachenbereich
- Probleme
der Blutgerinnung
- Fieber
- Infektion (Zytostatika hemmen die Nachbildung von weißen Blutzellen (Leukozyten),
die für die Abwehr von Infektionen verantwortlich sind.)
- Appetitlosigkeit,
aber auch
- Durchfall
oder
- Verstopfung
durch Darmträgheit
- Anschwellen
des Körpers bzw. von Körperteilen infolge Flüssigkeitsansammlung
Chemotherapie
kann durch Reizung des Brechzentrums im Gehirn zudem zu Übelkeit und Erbrechen
führen - heute werden allerdings bereits zu Beginn der Behandlung Gegenmittel
verabreicht. Nicht bei jedem Patienten treten die verschiedenen Nebenwirkungen
- wenn überhaupt - in der gleichen Form auf. Auch die Dauer der Nebenwirkungen
ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Unterstützung
während der Chemotherapie Zu
den Herausforderungen einer Krebstherapie gehört heute die Bekämpfung
der Nebenwirkungen von Chemo- und
Strahlentherapie ebenso
wie der Umgang mit einem möglicherweise veränderten Körperbild,
etwa wenn die Haare aufgrund einer Chemotherapie ausfallen. Dazu gehört aber
auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Psyche. Wut, Zorn, Angst, Mutlosigkeit
und Ärger sind normale Empfindungen krebserkrankter Menschen. Wer allerdings
das Gefühl hat, nicht mehr alleine mit diesen Empfindungen zu Rande zu kommen,
sollte sich unbedingt psychologische Unterstützung suchen. Neben
der Schulmedizin, bei der die Bekämpfung der Krebserkrankung im Mittelpunkt
steht, rückt nun auch die begleitende Therapie immer mehr in den Fokus des
Interesses. Dies reicht von adäquater Behandlung der Nebenwirkungen wie Übelkeit,
Erbrechen und Müdigkeit bis zur Unterstützung durch die Möglichkeiten
der Komplementärmedizin. So gilt etwa die Misteltherapie mittlerweile
aus etablierte Behandlung zur Stärkung des Immunsystems Betroffener. Teile
dieses Beitrags entstammen den Info-Seiten der
Österreichische
Krebshilfe
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Korrupte Medizin - Ärzte als Komplizen der Konzerne
Ein Journalist wechselt seine Identität und geht
in die Pharmaindustrie. Erschreckendes Resultat seiner
Recherchen: Die Medizin steht unter der Kontrolle
der großen Pharmakonzerne. Und zahlreiche Spitzenmediziner
machen sich zu Komplizen. Der Autor absolviert eine
sechsmonatige Ausbildung zum Pharmavertreter und gründet
- auf dem Papier - eine Beratungsfirma für die
Arzneimittelindustrie.
Über
die Guerilla-Methoden der Pharmafirmen, gekaufte Ärzte
und wie aus Krankheiten gigantischer Profit geschlagen
wird.
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| Hans
Weiss, Medizinjournalist und Autor ("Bittere Pillen"):
Die traurige Erkenntnis aus meiner dreijährigen Recherche:
Der Spagat zwischen medizinischer Forschung und kommerziellen
Interessen ist oftmals unüberbrückbar. Im Zwiespalt
zwischen Ethik und Geschäft siegt im Zweifel immer
das Geschäft. |
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