Das
Wort "Endokrin" bedeutet soviel wie "nach innen abscheiden",
da die meisten Hormone von sogenannten endokrinen Drüsen direkt in das Blut
abgeben, also "nach innen" ausgeschüttet werden. Unter dem Begriff
"Endokrinologie" versteht man ein Teilgebiet der Inneren Medizin, das
sich mit der Funktion und Regulation von Hormonen und Hormonsystemen auseinandersetzt.
Dies umfasst vor allem Störungen in der Hormonproduktion und -wirkung sowie
die Behandlung der entsprechenden Krankheitsbilder.
Dazu
zählen zum Beispiel
Adipositas,
Diabetes oder
Osteoporose. Aber auch hormonell bedingte Störungen von Wachstum,
Entwicklung und Fortpflanzung sind Themen, die sowohl medizinisch als auch gesellschaftlich
bedeutend sind. Dazu kommen
Schilddrüsenerkrankungen
und endokrine Tumore.
Hormone
allgemein
Viele
Menschen verbinden mit dem Begriff Hormone Substanzen oder Stoffe, die das Liebesleben
beeinflussen. Dies ist zwar richtig, aber Hormone als Botenstoffe haben noch viel
mehr und andere Aufgaben. Sie übernehmen Steuerungsfunktionen in unserem
Körper und sorgen dafür, dass der Organismus im Gleichgewicht bleibt.
Überall im menschlichen Körper beeinflussen sie biologische Vorgänge.
Hormone sind am menschlichen Verhalten und Empfindungen beteiligt. Sie steuern
Stressreaktionen, Durst und Hunger ebenso, wie sie das Wachstum und die Pubertät
beeinflussen. Auch der Stoffwechsel und der Organe und der Energiehaushalt wird
mit Hilfe von Hormonen reguliert. Die Endokrinologie ist jenes medizinische Fachgebiet,
das sich mit der Diagnose und Behandlung von Störungen dieses komplexen Systems
der hormonellen Steuerung beschäftigt.
Hormone
stehen seit Jahrzehnten im Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen. Dies reflektiert
sicherlich nicht nur ihren hohen Wert als Thema für unsere Medien, sondern
auch die Tatsache, dass Hormone lebenswichtig sind und wir ohne sie schlichtweg
nicht existieren könnten. Schon kleinste Störungen können unser
komplexes körperliches und geistiges Gleichgewicht stören. Dass unsere
Hormone im Laufe unseres Lebens - beginnend von der Geburt über die Kindheit
bis zum Alter - teilweise stark abnehmen, hat angesichts der gestiegenen Lebenserwartung
mehr Auswirkungen auf unsere Gesundheit als jemals zuvor. Neuere Ansätze
der Endokrinologie und Altersmedizin befassen sich mit genau diesen Veränderungen
und versuchen, die alters- und stressbedingten Defizite mit natürlichen Hormonen
- so niedrig dosiert wie möglich - wieder auszugleichen.
Vermehrte
Körperbehaarung: oft steckt Androstendion dahinter!
Androstendion
wird zu ca. 90 % von den Eierstöcken und Nebennieren sezerniert (abgesondert),
wobei um den Eisprung herum der Anteil aus dem Eierstock zunimmt. Etwa 10 % des
Androstendions entstehen peripher, hauptsächlich durch Umwandlung aus DHEA.
Dehydroepiandrosteron (DHEA) ist das am häufigsten vorkommende Steroidhormon
im Menschen. Erhöhte Androstendionwerte werden bei Frauen mit vermehrter
Körper-Behaarung gefunden. Dies geht meist mit der Erhöhung weiterer
Androgene einher. Dabei kann die Androstendion-Erhöhung sowohl durch den
Eierstock als auch durch die Nebennierenrinde bedingt sein. Erhöhte Androstendionspiegel
finden sich häufig bei Frauen mit dem Syndrom der polyzystischen Ovarien
(PCO-Syndrom) und bei Patientinnen mit einem AGS-Syndrom.
Exkurs:
Die Adrenogenitalen Syndrome (AGS) fassen eine Reihe erblicher Hormonstörungen
zusammen, bei denen durch verschiedene Enzymdefekte die Hormonbildung in der Nebennierenrinde
(NNR) gestört ist.
Beim
klassischen AGS (ohne Salzverlust) haben die Mädchen bei Geburt ein vermännlichtes
äußeres Genitale (Geschlecht), weil sie schon vor der Geburt den zu
hohen Androgenspiegeln ausgesetzt waren. Die Vermännlichung reicht von der
leichten Klitorisvergrößerung bis hin zur Bildung eines Pseudopenis.
Das innere Genitale bleibt aber weiblich. Die Knaben werden dagegen mit einem
normalen Geschlecht geboren. Unbehandelt kommt es bei Mädchen und Knaben
zunächst zu einem beschleunigten frühkindlichen Größenwachstum,
die Kinder sind für ihr Alter zu groß. Allerdings tritt auch ein beschleunigter
Schluss der Epiphysenfugen (knorpelige Wachstumszonen des Knochens) und damit
ein frühzeitiger Wachstumsstillstand ein, mit der Folge eines Kleinwuchses
im Erwachsenenalter. Bei den Knaben kommt es zu einer verfrühten "Pubertät"
(Scheinpubertät), auffällig etwa im Alter von 5 Jahren. Es handelt sich
um keine richtige Pubertät, weil die Jungen zwar Schamhaare und einen großen
Penis bekommen, aber die Hoden noch kindlich sind. Auch Mädchen bekommen
eine vorzeitige Schambehaarung und zeigen eine generell vermehrte Behaarung (Hirsutismus).
Akne, mangelnde Brustentwicklung, Regelstörungen und Unfruchtbarkeit sind
weitere Merkmale.
Beim
klassischen AGS ist eine Substitutionstherapie (= Zuführung der fehlenden
Hormone) notwendig. Ohne Behandlung verläuft die Erkrankung meist tödlich.
Die Therapie muss lebenslang erfolgen und den täglichen Bedürfnissen
und Lebensumständen angepasst werden. Die Hormone können in Tablettenform
eingenommen werden, was individuelle Dosierungen und Anpassungen erleichtert.
Testosteron
und Dihydrotestosteron die stärksten männlichen Hormone!
Testosteron
ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon (Androgen). Es wird hauptsächlich
im Hoden gebildet. Bei Frauen produzieren die Eierstöcke und die Nebennierenrinde
geringe Mengen an Testosteron. Produktion und Ausschüttung des Testosterons
werden durch das luteinisierende Hormon (LH), gesteuert. Testosteron wird durch
Enzyme ab- und umgebaut. Dabei entsteht unter anderem Dihydrotestosteron, das
noch wirksamer als Testosteron ist. Deshalb ist es sehr häufig bei Haarausfall
des Kopfhaares sowohl bei Männern als auch bei Frauen beteiligt. Wenn Testosteron
zugeführt wird, muss es grundsätzlich mit kontrolliert werden, um eine
zu starke Erhöhung rechtzeitig zu erkennen. Testosteron ist im männlichen
Organismus zuständig für die Entwicklung der Geschlechtsorgane und für
die Ausbildung der männlichen Geschlechtsmerkmale (Behaarung und tiefe Stimme).
Außerdem ist es mitbeteiligt an der Samenbildung. Bei der Frau kann Testosteron
zu einer vermehrten Behaarung, vermehrtem Muskelaufbau und einer gesteigerten
Libido führen. Testosteron bewirkt bei beiden Geschlechtern
eine: