MedNews
der Woche
Kalenderwoche
35; 2008
Psychopharmaka
-
Allheilmittel bei seelischen Problemen?

Ein
wichtiger Baustein in der Therapie psychischer Erkrankungen
ist die psychopharmakologische Behandlung. Als Psychopharmaka
werden Medikamente bezeichnet, die krankhafte Veränderungen
des Erlebens und Verhaltens beeinflussen und daher zur Behandlung
psychischer Störungen eingesetzt werden. Sie sind aber
kein Allheilmittel,
besonders zu beachten sind Arzneimittelwechsel- und Nebenwirkungen.
Psychotrope
(=psychisch wirksame) Medikamente finden Ihren geschichtlichen
Ursprung in der Anwendung seit jeher bekannter natürlicher
Schlaf-, Schmerz- oder Beruhigungsmittel aus Fauna und Flora.
Das erste künstlich hergestellte Schlafmittel war Chloralhydrat
(Halogenatome in Alkohol, die beim Abbau im menschlichen Körper
schlafverlängernd wirken). Ins Jahr 1806 datiert sich der
erste Einsatz von Morphin (ein Alkaloid des Morphiums), das
heute noch als hochwirksames Schmerzmittel im Einsatz ist. Es
ist jedoch gefährlich abhängigkeitserzeugend.
Die
in der Psychiatrie ursprünglich eingesetzten Drogen wie
Alkohol, Koka oder Opium wirkten zwar entspannend und berauschend
und können somit kurzfristig seelisches Leid lindern, eine
echten Therapieansatz stellten sie jedoch nicht dar. Dieser
datiert sich ins Jahr 1920 mit dem Schlafmittel "Somifen".
Der
Durchbruch gelang 1952 mit dem Wirkstoff Chlorpromazin, der
Schizophrenen Wahn und Verfolgungswahn unterdrücken konnte.
Mit Impramin wurde danach ein Wirkstoff gefunden, der auch heute
noch als Standardpräperat bei Depressionen eingesetzt wird.
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Ab
1955 kamen in den USA eine ganze Reihe von Tranquilizern
auf den Markt - zu deren berühmtesten mit Sicherheit
das Valium (1963) - zählt und verkamen bis heute
zu einer Art "Allheilmittel" bei seelischen
Störungen.
Das
führt zu einem der größten Probleme im
Umgang mit psychotropen Medikamenten ("Psychopharmaka"):
Viele der eingesetzten Medikamente sind in höchstem
Masse suchtfördernd - und daher rezeptpflichtig.
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Immer
wieder sieht sich die Ärzteschaft dem Vorwurf ausgesetzt
allzu sorgenfrei mit Patientenverschreibungen umzugehen,
denn fast immer beginnt die Medikamentenabhängigkeit
mit ärztlicher Verordnung.
Statistiken
gehen sogar davon aus, das sehr oft eine Weiterverschreibung
von Psychopharmaka zur Vermeidung von Entzugserscheinungen
verordnet wird. Ein sorgsamer und differenzierter Umgang
der Ärzte mit dieser Materie ist daher notwendig
und einzufordern!
|
Wann
ist der Einsatz solcher Medikamente also sinnvoll und notwendig?
Psychopharmaka
sind Arzneimittel mit Wirkung auf das zentrale Nervensystem
(also das Gehirn) und damit das Seelenleben. Das Gehirn besteht
aus Milliarden von Nervenzellen, die untereinander über
verschiedene Signalstoffe (Neurotransmitter) kommunizieren.
Diese Substanzen, die Signale von einer Nervenzelle zur anderen
übertragen, stehen im gesunden Gehirn zueinander in einem
bestimmten Gleichgewicht. Bei psychischen Erkrankungen ist
dieses Gleichgewicht der Botenstoffe gestört, sodass
manche Substanzen in geringerer Konzentration an den Nervenendigungen
vorliegen. Psychopharmaka regulieren den Neurotransmitterhaushalt
und bringen das sensible Gleichgewicht an Botenstoffen (die
bekanntesten sind hier Dopamin, Noradrenalin und Serotonin)
wieder ins Gleichgewicht.¹
Grundsätzlich
sollte nie ein ausschliesslich Medikamenten-basierter Therapieansatz
finden, sondern der Einsatz von Psychopharmaka immer begleitend
erfolgen. Also neben der
Psychotherapie. Auch andere alternative Therapiemethoden
sind in Betracht zu ziehen: Soziotherapie, Homöopathie,
Akupunktur, u.a.).
Bei
schweren psychischen Erkrankungen (z.B. Persönlichkeitsstörungen
greifen solch "herkömmliche" Therapieformen
jedoch nicht. Hier rechtfertigt sich der Medikamenteneinsatz.
Gegenüber diesen herrscht im Allgemeinen oftmals übersteigerte
Angst bzw. übertrieben Erwartungshaltung ihrer Wirkung.
Sie können Menschen nicht "ändern", lediglich
das subjektive Erleben der Umwelt kann von ihnen beeinflusst
werden.
Arten
von Psychopharmaka
Antidepressiva,
Neuroleptika (klassische Medikamente, die bei
Schizophrenie
, Manie, u.a. im Einsatz sind), Phasenprophylaxe (z.B. bei
Manischer Depression), Tranquilizer (sehr häufig bei
Angstzuständen im Einsatz, jedoch mit hoher Suchtgefahr!).
Beim Absetzen letzterer Medikamente können genau jene
Symptome verstärkt auftreten, gegen die diese
Medikamente ursprünglich angewendet wurden. Tranquilizer
wirken nicht antidepressiv und werden daher nur in Krisensituationen
zur Minderung von Ängsten und nur zu Beginn der antidepressiven
Therapie begleitend eingesetzt.
Ganu
besonders wichtig zu beachten sind Arzneimittelwechselwirkungen:
Wenn sich zwei Medikamente gegenseitig beeinflussen, dann
spricht man von Wechselwirkung oder auch Medikamenteninteraktion.
Die Medikamente können ihre Wirkungen oder Nebenwirkungen
gegenseitig verstärken, aber auch abschwächen.
Beachten
Sie zudem:
-
Psychopharmaka
dürfen nur auf ärztliche Anweisung und nach umfassender
Untersuchung eingenommen werden. Fragen Sie Ihren behandelnden
Arzt nach Wirkungen und unerwünschten Arzneimittelwirkungen.
-
Informieren
Sie Ihren Arzt, wenn Sie gleichzeitig andere Medikamente
einnehmen. Dies gilt besonders für Johanniskrautpräparate.
Sprechen Sie eventuelle (auch frühere) Probleme mit
Alkohol, Drogen, Schmerz- und Beruhigungsmitteln an.
-
Halten
Sie sich unbedingt an die ärztlich verschriebene Dosierung
und setzen Sie die Medikamente nicht eigenmächtig ab.
Sie riskieren dadurch massive gesundheitliche Konsequenzen.²
Oftmals
wird seitens der Ärzteschaft zu vorschnell verschrieben
bzw. zu einseitige Erwartung in die medikamenttöse Behandlung
gesetzt. Der Erfahrung nach neigen Österreichs Ärzte
speziell bei der Behandlung der Depression aber gleichzeitig
dazu, Medikamente zu niedrig zu dosieren. Patienten, die nicht
ausreichend auf das Medikament ansprechen, die Wirkung also
zu gering ist, sollten umgehend mit dem behandelnden Arzt
Rücksprache halten. Dieser kann dann das Antidepressivum
entsprechend aktiv erhöhen, um dessen therapeutisches
Potenzial voll auszuschöpfen.
Im
Sinne des Einsatzes von Psychopharmaka anzumerken, dass oftmals
erst ihr Wirken einen Zugang zur Heilung ermöglicht,
da sie häufig den Patienten erst Therapie-fähig
machen.
=
[thomer] =
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Quellen:
¹
& ²
depression.at
-
Die Chemie im Kopf regulieren, Univ. Prof. Dr. Zernig
LINKTIPPS:
....
Psychopharmaka während der Psychotherapie
....
Psychotherapiepraxis.at
....
Leitlinie depressive Erkrankungen
.... Johanniskraut gegen Depressionen
.... Lichttherapie gegen Depressionen
.... Angst - was
ist das eigentlich?
.... Ursachen der Winterdepression
....
Zwangsstörungen
....
Postpartum Depression
.... Pillen und der
kleine Unterschied
.... Hypnose als
Therapie
....
Klaustrophobie
....
Vorsorge-Corner: Gesundenuntersuchung
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(klick)
|
Korrupte Medizin - Ärzte als Komplizen der Konzerne
Ein Journalist wechselt seine Identität und geht
in die Pharmaindustrie. Erschreckendes Resultat seiner
Recherchen: Die Medizin steht unter der Kontrolle der
großen Pharmakonzerne. Und zahlreiche Spitzenmediziner
machen sich zu Komplizen. Der Autor absolviert eine
sechsmonatige Ausbildung zum Pharmavertreter und gründet
- auf dem Papier - eine Beratungsfirma für die
Arzneimittelindustrie.
Über
die Guerilla-Methoden der Pharmafirmen, gekaufte Ärzte
und wie aus Krankheiten gigantischer Profit geschlagen
wird.
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| Hans
Weiss, Medizinjournalist und Autor ("Bittere Pillen"):
Die traurige Erkenntnis aus meiner dreijährigen Recherche:
Der Spagat zwischen medizinischer Forschung und kommerziellen
Interessen ist oftmals unüberbrückbar. Im Zwiespalt
zwischen Ethik und Geschäft siegt im Zweifel immer
das Geschäft. |
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