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5; 2003 Vaterschaftstests
boomen - 'Goldgräberstimmung' bei den Privat-Labors

Die
Technik der DNA-Analyse wird einfacher. Damit steigt auch die Zahl der Labors,
die diese anbieten - und die Zahl der Väter, die ihre Vaterschaft überprüfen
lassen.
Der private Vaterschaftstest ist im Kommen. Immer mehr Männer lassen per
Abstammungsgutachten auf eigene Kosten prüfen, ob ihr Kind auch tatsächlich
von ihnen gezeugt wurde, berichten Labors, die solche Untersuchungen durchführen.
Früher war ein Vaterschaftstest - ganz abgesehen von den hohen Kosten - ein
aufwendiges Verfahren, dessen Durchführung von der Kindesmutter verweigert
werden konnte und erst mittels Gerichtsbeschluss erzwungen werden musste. Seit
einiger Zeit wird nun in zahlreichen Talkshows demonstriert, wie problemlos und
rasch dieser Test heute durchgeführt werden kann. Und eben diese Talkshows
haben auch durch Vaterschaftstests nachgewiesen, dass manch einem arglosen Mann
ein Kind untergeschoben wurde. Millionen Menschen konnten sehen, wenn junge Männer
nach einem negativen Testergebnis in Tränen der Erleichterung ausgebrochen
sind, Millionen haben aber auch mitverfolgen können, dass via Bildschirm
so manche Familie zerbrochen ist, wenn treusorgende Familienväter plötzlich
mit einem negativen Testergebnis konfrontiert waren. Offenbar
sind durch diese öffentlichen Demonstrationen peinlicher Eheverfehlungen
in vielen Vätern erhebliche Zweifel an Wert und Bestand des eigenen Familienglücks
entstanden, denn die Test-Institute können sich seit den ersten Berichten
dieser Art vor Aufträgen kaum retten. Auf dem rasant wachsenden Markt beginnen
sich private Unternehmen zu etablieren, die solche Dienste zu einem Bruchteil
der früheren Kosten anbieten, nicht alle aber sind seriös, warnen Sachverständige. Analyse:
Speichel oder Haarprobe genügen Moderne
Vaterschaftstests werden mittels DNA-Analyse erstellt. Das DNA Profil eines jeden
Menschen setzt sich zur Hälfte aus dem der Mutter und zur Hälfte aus
dem des Vaters zusammen. Stimmt das DNA Profil des vermeintlichen Vaters nicht
mit dem des Kindes überein, kann er exkludiert werden. Die DNA
verschiedener Lebewesen ist individuell unterschiedlich, und zwar in den Eigenschaften
der sogenannten Satelliten-DNA. Darunter versteht man wiederkehrende Sequenzen
in dem großen Teil des Genoms (mehr als neunzig Prozent), dessen Funktion
für die Entstehung von menschlichem Leben nicht bekannt ist. Die in diesem
Teil der DNA wiederkehrenden Sequenzen, Satelliten-DNA genannt, unterscheiden
sich markant von Individuum zu Individuum. Sie können aus Haaren, Sperma
oder Blut isoliert und mit der PCR-Methode (Polymerase-Kettenreaktion) vermehrt
werden. Die Sichtbarmachung erfolgt mittels Gelelektrophorese durch Laserdetektion
oder Silberfärbung. Mit Hilfe einer Sequenzanalyse werden dann die charakteristischen
Strukturen dokumentiert. Vier
Haare mit Haarwurzel (die Wurzeln sind wichtig, weil dort auch noch Hautzellen
dran hängen, aus denen sich die DNA gewinnen lässt), wie sie in jeder
Haarbürste zu finden sind, reichen bereits, es genügt aber auch ein
durchgekauter Kaugummi sein, ein benutzter Schnuller, eine angeleckte Briefmarke,
eine Zahnbürste oder eben ein Tropfen Speichel. Der Nachforschende muss nur
angeben, dass er "rechtmäßig" an die erforderlichen Proben
gekommen ist. Diese Angabe reicht und wird von den Testinstituten, welche ohnedies
alle rechtlichen Folgen von sich weisen, nicht überprüft.
Sprunghafter
Anstieg der Nachfrage "Nach
dem Fall Boris Becker stieg die Nachfrage sprunghaft", berichtet Angelika
Lösch, Geschäftsführerin des privaten Wiesbadener ID-Labors. Für
420 Euro kann man dort einen DNA-Test in Auftrag geben.Schon im zweiten Jahr seines
Bestehens suchten rund 3.000 Kunden das Labor auf - fast alles Privatleute. "Es
spricht sich eben herum, dass ein solcher Test möglich und gar nicht teuer
ist", begründet Lösch den Boom. Die
Sorglosigkeit, mit der diese Vaterschaftstests mittlerweile auch über das
Internet angeboten werden, ruft aber auch Missbrauch auf den Plan, denn nicht
immer ist es der Vater, der seine Zweifel per DNA-Analyse geklärt haben will.
In vielen Fällen sind es die Kinder selbst, Angehörige, ja sogar neugierige
Freunde, die von den leichtfertig gehandhabten Methoden Gebrauch machen und sich
die erforderlichen "Proben" im wahrsten Sinn des Wortes erschleichen.
Der Nachforschende muss nicht einmal mehr selbst zum Labor gehen, er kann die
Proben einsenden und bekommt das Testergebnis an jede von ihm angegebene Postadresse
zugeschickt. In
Deutschland bietet das
Roten Kreuz den Test um rund 1.500 Euro an und verlangt damit deutlich mehr, dafür
beträgt die Sicherheit des Gutachtens "mindestens 99,9 Prozent",
wie seitens des Roten Kreuzes versichert wird. Neben der DNA-Analyse prüfen
die Mitarbeiter die Vaterschaft auch mit Hilfe der Blutgruppe und der Blutkörperchen.
In Österreich wird dieser Test vom hiesigen Roten Kreuz (noch) nicht angeboten. "Konservativ
geschätzt kommen in Deutschland pro Jahr etwa 7.000 Kinder zur Welt, die
einen anderen Vater haben als vermutet", berichtete die "Ärzte
Zeitung" (Neu Isenburg) kürzlich. Das Fachblatt berief sich auf zwei
britische Studien und rechnete die Zahlen auf Deutschland hoch.
LINKTIPPS:
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