Thema
der Woche
Kalenderwoche
29; Jahr 2003
Bauchschmerzen
im Kindesalter
 Abhängig
vom Alter des Kindes können Bauchschmerzen Zeichen ganz unterschiedlicher
Erkrankungen sein. Plötzlich auftretende (akute) Bauchschmerzen haben
andere Ursachen als immer wiederkehrende (chronische) Beschwerden.
Das
Ursachenspektrum akuter Bauchschmerzen reicht von harmlosen Störungen wie
Verstopfung oder Blähungen über Magen-Darm-Infektionen bis hin zu gefährlichen
Erkrankungen wie Blinddarmentzündung, Darmeinstülpung (Invagination)
oder Bauchfellentzündung. Auch Erkrankungen anderer Organe können insbesondere
bei jüngeren Kindern akute Bauchschmerzen verursachen. Beispiele dafür
sind Blasenentzündungen (Harnwegsinfektionen), Lungenentzündung, aber
auch Mittelohr- oder Halsentzündungen. Noch
schwieriger ist die Beurteilung chronischer Bauchschmerzen. Während bei Kleinkindern
häufig körperliche Erkrankungen verantwortlich sind, finden sich bei
Schulkindern selten organische Ursachen. Psychische Faktoren wie Probleme in der
Schule, aber auch Schwierigkeiten mit Freunden oder in der Familie spielen hier
häufig eine Rolle. Trotzdem sind auch chronische Schmerzen immer ernst zu
nehmen. Für eine körperliche Ursache chronischer Bauchschmerzen sprechen
z. B. Schmerzen mit Begleitsymptomen wie Erbrechen oder blutigem Stuhlgang, Ausstrahlung
des Schmerzes sowie nächtliches Erwachen durch den Schmerz. Im
folgenden stichwortartig einige wichtige Ursachen akuter Bauchschmerzen: *
Verstopfung * Blähungen * Magen-Darm-Infektion (Gastroenteritis)
* Erbrechen durch Flüssigkeitsmangel * Blinddarmentzündung (Appendizitis)
* Darmeinstülpung (Invagination) * Eingeklemmter Leistenbruch * Bauchfellentzündung
(Peritonitis) * Darmverschluss (Ileus) * Blasenentzündung (Harnwegsinfektion)
* Lungenentzündung (Pneumonie) * Nahrungsmittelunverträglichkeit
* Hodenverdrehung * Lebensmittelvergiftung
Sowie
einige wichtige Ursachen chronischer Bauchschmerzen: *
Funktionelle Bauchschmerzen, psychosomatische Erkrankungen (ohne körperlich
erklärbare Ursache) * Störung der Kohlenhydratverdauung (Kohlenhydratmalabsorption),
z. B. Laktase-Mangel * Magen- und Zwölffingerdarm-Geschwüre
* Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa)
Welche
Maßnahmen sind notwendig? Die
Vielfalt der möglichen Ursachen erfordert insbesondere bei plötzlich
auftretenden Bauchschmerzen immer einen Besuch beim Kinderarzt. Zunächst
ist eine genaue Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) notwendig, um Hinweise
auf den Grund der Beschwerden zu erhalten. Sie können dem Kinderarzt dabei
helfen, wenn Sie auf folgende Punkte achten:
* Wie lange bestehen die Schmerzen? * Ist eine Verletzung oder ein sonstiges
bestimmtes Ereignis dem Schmerz vorausgegangen? * Handelt es sich um Dauerschmerzen
oder treten sie anfallsartig auf? * Wie ist der Allgemeinzustand ihres Kindes?
* Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Beschwerden und bestimmten Ereignissen,
z. B. Nahrungsaufnahme, Stuhlgang? * Wie ist der Stuhlgang (Frequenz, Beschaffenheit,
Menge, Farbe, schleimige oder blutige Auflagerungen) ? * Treten die Beschwerden
auch nachts auf? * An welcher Körperstelle treten die Schmerzen auf?
* Hat Ihr Kind noch weitere Symptome, z. B. Fieber, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung,
Blut im Stuhl, eine Gelbfärbung der Haut, Schmerzen beim Wasserlassen, Husten,
Schmerzen beim Atmen oder beim Husten? * Hat das Kind in den letzten Wochen
an Gewicht verloren? Nach
der Anamnese erfolgt die körperliche Untersuchung. Dabei wird der Bauch vorsichtig
abgetastet, und mit dem Stethoskop werden die Darmgeräusche abgehört.
Bei Bauchschmerzen ist immer auch eine rektale Untersuchung (Austastung des Enddarms
mit dem Finger) sinnvoll. Darüber hinaus können eine Blut-, Stuhl und
Urinuntersuchung sowie eine Ultraschalluntersuchung des Bauches notwendig sein.
Über weitere Untersuchungsmethoden entscheidet der Kinderarzt aufgrund der
erhobenen Befunde. Wie
werden Bauchschmerzen behandelt? Die
Behandlung der Bauchschmerzen hängt entscheidend von der zugrunde liegenden
Erkrankung ab. In einigen Fällen reicht Abführen oder eine Diät
aus, in anderen ist eine sofortige Operation notwendig, um die Ursachen zu beheben.
Es ist sehr wichtig, dass Sie keine eigenen Behandlungsmethoden anwenden, ohne
vorher den Arzt konsultiert zu haben.
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