Thema
der Woche
Kalenderwoche
20; Jahr 2007
Schluss
mit lustig: Pestizide, Geschmacksverstärker
und Konservierungsstoffe ohne Ende

Ein Versuch unserer Redaktion zeigt, was wir schon lange vermutet
haben:
ohne künstliche Lebensmittelzusätze geht im Nahrungsmittelbereich
offensichtlich
gar nichts mehr. Farbstoffe, Geschmacksverstärkern und
Konservierungsmitteln
wohin das Konsumentenauge reicht. Längst beschränkt
sich der Einsatz nicht allein
auf Fertigprodukte, auch Fleisch- und Wurstwaren, Brot und Gebäck,
ja selbst Obst und Gemüse
sind betroffen. Aber schuld an der Misere sind nicht etwa "die
da oben", denn im Handel
hat nach wie vor die Konsumentin/der Konsument das letzte Wort.
Typischer Fall von "selber schuld" also.
Polemik?
Nun, betrachten wir die Situation im Detail: Ein Lokalaugenschein
beim Lebensmitteldiskonter LIDL ergab, dass kein einziges Fleisch-
oder Wursterzeugnis ohne künstliche Zusatzstoffe zu erwerben
ist. Leider kein Einzelfall, ganz im Gegenteil: Aufmerksame
Konsumenten überrascht es vielleicht nicht mehr, dass abgepackte
Wurstwaren nur so von Stabilisatoren, Antioxidationsmitteln,
Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel strotzen,
dass wir dann aber in Fleischregalen Surstelzen finden, die
voll von E452 (Polyphosphate, Eiweißlöser), E250
(Natriumnitrit, Konservierungsstoff) und E301 (Natrium-L-Ascorbat,
Stabilisator, Antioxidationsmittel) sind, stimmt traurig. Schließlich
wurde das Suren und Räuchern zum Konservieren von Lebensmitteln
entwickelt. Ein künstliches
Konservierungsmittel
in einem "natürlich" konservierten Produkt (Sur-Braten)?
Sie
sehen, es läuft einiges verkehrt. Da muss man nicht extra
die (wahre) Geschichte der deutschen (oder niederländischen,
oder ....) Kartoffeln erwähnen, die zum Waschen nach Spanien
(oder Portugal, oder ...) durch halb Europa gekarrt werden,
nur um dann billiger als heimische Erdäpfel (Kartoffel)
im Supermarktregal zu landen.
Wir
vermengen Äpfel mit Birnen? Was haben Produktion und Logistik
von Lebensmitteln mit Inhaltsstoffen zu tun? Eine ganze Menge,
fürchten wir. Denn nur mit besonders haltbaren Lebensmitteln
lassen sich oben erwähnte Unterfangen überhaupt erst
realisieren (und fette Gewinne machen).
Erdbeeriger
als Erdbeeren - even better than the real thing
Pralle
Äpfel mit glänzender Haut und regelmäßigem
Körper, saftig rote
Erdbeeren in Pflaumengröße, Beispiele gibt
es viele. Die Konsumenten von heute - also wir alle - erwarten
das Unmögliche: optisch ansprechende, gesunde Lebensmittel,
die ewig haltbar sind. Eigentlich sollte einem der Hausverstand
sagen, dass sich das so nicht ausgehen kann.
Erinnern
wir uns: Früher waren etwa Paradeiser (Tomaten) nur während
der Sommersaison auf den Märkten und im Supermarkt zu haben.
Und wer den Verzehr länger als zwei, drei Tage aufgeschoben
hat, stand vor vollends verfaulten Tatsachen. Mikroorganismen
sorgen nun einmal in einem natürlichen Prozess für
Fäulnis und Verfall. Heute? Tomaten sind das gesamte Jahr
über zu bekommen, je nach Jahreszeit aus Italien, Spanien,
Marokko, Israel. Und das Beste überhaupt: erst nach vier
Wochen werden sie - wenn überhaupt - weich. Prall und rot
sind sie sowieso, leider halt gänzlich ohne (typischen)
Geschmack, dafür sorgt das ins Erbgut eingeschleuste "Anti-Fäulnis-Gen"
(oder die keimtötende
Gammabestrahlung)
für nahezu unglaubliche Haltbarkeit.
Sie
erinnern sich nicht? Dann sind Sie wohl zu jung, und das ist
sogar noch besser für die Wirtschaft. Denn dann wissen
Sie es ja nicht besser. Vollendete Tatsachen und so. Alles klar?
Globalisierungskritik,
Jammerlappen und Nahrungsmittelallergien
Sie
meinen das "Früher war alles besser-Gejammer"
nervt? Da haben Sie Recht, und es wäre einfach zu belegen,
dass etwa aus hygienischer Sicht früher ganz bestimmt nicht
alles besser war. Und trotzdem ist die jetzige Situation unbefriedigend.
Die Zahl der Menschen mit Allergien steigt kontinuierlich, auch
Lebensmittelunverträglichkeiten
nehmen beständig zu. Und der (gute) Geschmack bleibt auf
der Strecke.
Damit
kein Missverständnis aufkommt: Alle auf dem Markt befindlichen
Lebensmittelzusatzstoffe in Österreich gelten als unbedenklich.
Doch das Wort "unbedenklich" gaukelt eine trügerische
Sicherheit vor, denn der Nachweis von Unbedenklichkeit hängt
natürlich auch vom Beobachtungszeitraum ab.
Um
es konkret zu machen: Das oben erwähnte Natriumnitrit
(E250) ist das Natriumsalz der Salpetrigen Säure und
wird - wie Kaliumnitrit (E 249) - ausschließlich in Nitritpökelsalz
eingesetzt. Aus Nitrit entstehen im Zusammenspiel mit Eiweißbausteinen
(Aminen) so genannte Nitrosamine. Sie zählen zu den stark
Krebs erregenden Stoffen und zeigten sich im Tierversuch als
schädlich für Leber und Erbgut. Die chemische Umwandlung
von Nitrat über Nitrit zu Nitrosaminen findet zum Beispiel
beim Braten oder Grillen gepökelten Fleisches statt. Aus
diesem Grund wird davon abgeraten.¹
Außerdem
wirken Nitrite blutdrucksenkend und gefäßerweiternd.
Sie verändern den roten Blutfarbstoff Hämoglobin der
dann keinen Sauerstoff mehr transportieren kann. In Mengen ab
etwa 0,5 g sind Nitrite akut giftig (ADI-Wert²: 0,06 mg/kg
Körpergewicht - bezogen auf das Nitrit-Ion). Erwachsene
Menschen verfügen über ein Enzym, das den veränderten
roten Blutfarbstoff schnell wieder in das sauerstofftransportierende
Hämoglobin umwandelt. Im Blut von Säuglingen ist der
rote Blutfarbstoff durch Nitrit aber besonders leicht zu verändern.
Zusätzlich ist das helfende Enzym bei Kindern unter sechs
Monaten noch nicht voll verfügbar. Daher kann Nitrit -
vor allem aus nitratreichem Wasser oder Gemüse (z.B. Spinat)
- bei ihnen zu innerem Ersticken führen.³ Natürlich
immer vorausgesetzt die jeweilige Dosis wird überschritten.
Sehen
Sie, was wir meinen? Wer weiß schon wirklich über
die Inhaltsstoffe Bescheid?
Derzeit
sind von der EU ca. 300 Substanzen genehmigt, um Geschmack,
Konsistenz, Aussehen und Haltbarkeit eines Produktes zu optimieren.
Jeder dieser Substanzen wird eine sogenannte
E-Nummer
zugewiesen. Viele davon sind vollkommen harmlos und auch natürlich
zu gewinnen, andere stehen aber im Verdacht allergische Reaktionen,
Arterienverkalkung, Knochenschäden oder gar
Krebs auszulösen.
Beispiele gibt es genug, auch an seriösen wissenschaftlichen
Untersuchungen mangelt es nicht, doch bei den meisten Stoffen
fehlt es an den entscheidenden Langzeittests. Erst diese können
wirklich über das Gefahrenpotenzial eines Zusatzstoffes
Auskunft geben.
Zu
allem Überdruss gesellen sich dazu noch bekannt krankheitserregende
Stoffe, die etwa zur Schädlingsbekämfung auf Obst
und/oder Gemüse verteilt werden. Uns sind Warnungen von
Umweltorganisationen über
Pestizide
im Gemüse noch in lebhafter Erinnerung. Auf Gemüse,
gesundem Gemüse!
Bio
als Hoffnung?
Eigentlich
werden all die Zusatzstoffe nicht gebraucht, doch die modernen
Lebensumstände und ein gerütteltes Maß an scheinheiliger
Naivität seitens der Konsumenten waren ein guter Nährboden
für eine lebensmittell-technologische Entwicklung, die
wohl nicht mehr zu stoppen sein wird. Grundsätzlich wäre
daran auch nichts auszusetzen, so lange Auflagen eingehalten
werden und Inhaltsstoffe sowie Wirkungsweisen für den Konsumenten
transparent sind. Dazu gesellt sich aber auch noch die absolute
Notwendigkeit einer Wahlfreiheit für die Konsumentin, den
Konsumenten. Das heißt, dass die Möglichkeit zum
Kauf "natürlicher", biologischer Lebensmittel
gewährleistet sein muss - gerade diese Wahlfreiheit scheint
aber im Rahmen massenindustrieller Fertigung immer mehr in Gefahr.
Es wird für den Konsumenten immer schwieriger, sich auf
Angaben der Produzenten verlassen zu können, da selbst
diese über den Ursprung und die Zusmmensetzung einzelner
Bestandteile nicht mehr Bescheid wissen (können) - Schlagwort
Gentechnologie.
Es
gibt jedoch Grund zur Hoffnung: Immer mehr Einzelhandelsketten
erweitern ihr Sortiment - nicht zuletzt aufgrund ständig
steigender Nachfrage - um qualitativ hochwertige Bio-Produkte.
Bio bedeutet gesunde, hochwertige und wohlschmeckende
Lebensmittel, die keine Reste von Spritzmitteln oder Antibiotika
enthalten. Hochwertige Biolebensmittel verwöhnen den Feinschmeckergaumen
mit unverfälschtem, natürlichem Geschmack, denn künstliche
Aromen oder synthetische Süßstoffe sind bei der Verarbeitung
von Biolebensmitteln verboten. Biolebensmittel werden in Österreich
nach strengsten Richtlinien kontrolliert. Alle Betriebe, die
Biolebensmittel erzeugen, verarbeiten oder importieren, müssen
sich mindestens einmal pro Jahr von einer unabhängigen,
staatlich autorisierten Prüfstelle überprüfen
lassen. Lediglich die Vielzahl unterschiedlicher Gütesiegel
und Marken trägt nicht gerade zu einer verbesserten Konsumenteninformation
bei.
Achten
Sie daher auf die folgende Bio-Kennzeichnung:
Der
Bio-Hinweis - nur Bio-Produkte dürfen die folgenden Bezeichnungen
tragen:
* "aus biologischem (oder ökologischem) Anbau
* "aus kontrolliert biologischem Anbau" (kbA)
* "aus biologischer (oder ökologischer) Landwirtschaft
* "aus biologischem (oder ökologischem) Landbau"
Vorsicht
bei Bezeichnungen wie "aus naturnahem Anbau" oder
"aus umweltgerechter Landwirtschaft" oder "aus
kontrolliertem Anbau" - diese haben mit Bio
nichts zu tun.
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Nahrungsmittelallergie
- ein Leitfaden für Betroffene.
Die
Autorin Karin Buchart beschreibt sehr fundiert auf was
es bei der Diagnose und Therapie Nahrungsmittelallergie
ankommt. Hintergründe zeigen aber auch Wege auf
durch den Dschungel der Empfehlungen. Wer selbst unter
Nahrungsmittelallergien leidet, oder ein Kind hat welches
darunter leidet, muss lernen mit Deklarationen auf Verpackungen
umzugehen. Kritische Inhalts- oder Zusatzstoffe müssen
erkannt und verbannt werden. Mögliche Kreuzallergien
sollten bekannt sein, um diese verhindern zu können.
Ca.
60 allergenarme Rezepte - gekennzeichnet für welche
Allergiker geeignet - werden vorgestellt. Eine echte
Hilfe, vor allem für Menschen die mehrere Nahrungskomponenten
meiden und ersetzen müssen.
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"Man sieht, hier sind wahre Experten am Werk. (...)
Eine hervorragende Hilfestellung für Allergiker. Der
Rezeptteil mit der Aufschlüsselung der Allergenfaktoren
ist einmalig. Herzlichen Dank für diese umfangreiche
und bestens zusammengestellte Information." |
¹
und ³ Quelle: Die Verbraucher
Initiative e.V. - www.zusatzstoffe-online.de
² ADI-Wert: Der ADI-Wert (Acceptable Daily Intake)
beziffert die tägliche Aufnahmemenge von Fremdstoffen in
Lebensmitteln, die ein Mensch lebenslänglich täglich
verzehren kann ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen.
Der ADI-Wert wird in Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht
angegeben und bezieht sich etwa auf Zusatzstoffe oder Rückstände
von Pflanzenschutzmitteln. Verantwortlich für die Festsetzung
eines ADI-Wertes sind internationale Expertengremien, etwa die
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
(EFSA) und der gemeinsame Sachverständigenausschuss für
Lebensmittelzusatzstoffe der WHO/FAO (JECFA).
LINKTIPPS:
.... Infoportal der Biobäuerinnen und Biobauern - Österreich
(inkl. Bio-Shopping)
.... Informationen zu Lebensmittelzusatzstoffen
.... Österreichische Rechtslage zur Bestrahlung von Lebensmittel
und Verzehrprodukten (pdf)
.... Lebensmittelkennzeichnung: Inhaltsstoffe verstehen
.... Biolebensmittel: Basisinformationen & Bezugsquellen
.... Ernährungsirrtümer
.... Lebensmittellagerung
.... Lexikon der Ernährung
.... Global 2000
....
die Ernährungspyramide
....
Gesunde Ernährung
.... Gesund-TV: Fernseh-Tipps zum Thema
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