Thema
der Woche
Kalenderwoche
17; Jahr 2009
Tanztherapie: Heilung durch Rhythmus?

Die
Tanz- und Bewegungstherapie ist eine erlebnisorientierte Psychotherapieform,
die maßgeblich in den 40er Jahren in den USA entwickelt
wurde.
Seither wurde sie stark erweitert und heute gibt es eine Vielzahl
von
unterschiedlichen Ansätzen. Grundsätzlich basieren
diese alle auf einem
ganzheitlichen Menschenbild. Körper, Geist und Seele
werden als Einheit wahrgenommen.
In
der Tanz- und Bewegungstherapie sind der Körper bzw. die
Körpersprache das primäre Medium. Sie dient als Ausdrucksform
psychischer oder emotionaler Themen. Dabei geht die Tanztherapie
davon aus, dass die Körpersprache im Vergleich zum gesprochenen
Wort weniger durch äußere Zwänge verfälscht
ist. Die psychotherapeutische Anwendung von Bewegungsabläufen
zeigt nun Unbewusstes auf und macht dieses für den Betroffenen
erlebbar. Unterdrückte Gefühle oder verdrängte
Erlebnisse werden durch Tanz und Bewegung ausgedrückt und
verarbeitet.
Die
Tanztherapie soll dabei vor allem die Körper- und Selbstwahrnehmung
positiv verändern. Sie ist besonders für Kinder und
Jugendliche, aber auch für Erwachsene die verbal schwer
zugänglich sind geeignet. Da es sich um eine körperorientierte
Therapieform handelt, wird sie vor allem in der Behandlung von
Esstörungen
wie Bulimie
oder Magersucht, sowie psychosomatischen Beschwerden eingesetzt.
| Die
grundsätzliche Annahme der Tanztherapie ist, dass die
Körpersprache Ausdrucksform emotionaler und psychischer
Themen ist. Bewegungsmuster (z.B. der Gang), Mimik, Gestik,
Haltung oder Atemrhythmus werden durch die Wechselwirkung
zwischen Emotionen und Körper beeinflusst. Muskuläre
Verspannungen können zum Beispiel ein Hinweis auf unterdrückte
Aggression sein. Dem Körper wird dabei ein eigenes
Gedächtnis zugeschrieben, das Gefühltes und Erlebtes
auch nach dem Verschwinden aus dem Bewusstsein, speichert. |
|
In
der Therapie werden Bewegungsablaufe hinsichtlich der
Koordination oder der Energie analysiert. Durch das Erlebbarmachen
der eigenen Gefühle, soll dem Klienten die Möglichkeit
zum verändernden Eingreifen gegeben werden.
In
manchen Tanztherapierichtungen werden die Erkenntnisse
zusätzlich auch verbal durchgearbeitet und so weiter
bewusst gemacht.
|
Die
Weiterentwicklung der Tanztherapie unter Einbezug unterschiedlicher
psychotherapeutischer Schulen hat zum Entstehen verschiedenster
Ansätze geführt. Die Methoden der Tanztherapie werden
aber stets individuell auf den Klienten bzw. auf die Therapie-Gruppe
abgestimmt. Die Möglichkeiten reichen von spielerisch-kreativem,
über bewegungsanalytischen, bis zum tiefenpsychologischen
Ansatz.
Methoden
- Tanztechnik:
Hierbei gibt der Therapeut Bewegungsabläufe vor. Vorgegebene
Tanzschritte können die Hemmschwelle des Klienten senken.
Andererseits kann der Therapeut durch die Vorgabe auch gezielt
auf unterdrückte Emotionen des Klienten hinarbeiten.
- Improvisation:
Hier ist alles erlaubt- die Bewegungen sind völlig frei
und nicht vorhergeplant. Oft ist der Einstieg in die Improvisation
schwer und zeigt deutlich die selbst auferlegten Zwänge
und Einschränkungen. Durch das Einlassen auf die Improvisation
kann Zugang zum Unbewussten erlangen werden. Das Ausleben
von emotionalen Konflikten und Wiedererleben von Gefühlen
kann zur Aufarbeitung und "psychischen Reinigung"
führen (die sogenannte Katharsis bezeichnet in
der Psychologie die Hypothese, dass das Ausleben von inneren
Konflikten und verdrängten Emotionen zu einer Reduktion
der Konflikte und Gefühle führt).
- Gestaltung:
Die Gestaltung kann als Kombination von Improvisation und
Tanztechnik gesehen werden. Der Klient wählt dabei z.B.
aus verschiedenen vorgegebenen Bewegungsabläufen für
Emotionen aus. Es besteht so die freie Wahl welches Gefühl
zum Ausdruck gebracht werden soll.
Der
Therapeut variiert nach Stimmung und Bedürfnis des Klienten
oder der Gruppe die gewählten Techniken. Bewegungsabläufe
können vorgegeben, nachgeahmt, abgewandelt oder gespiegelt
werden, um die dahinter liegenden Beweggründe und unbewussten
Gefühle zu verarbeiten.
Tanztherapie
und Essstörungen
"Essgestörte
Patienten sind in der Regel abgeschnitten von ihren Gefühlen.
Die Tanztherapie bietet einen Rahmen, um unbewusste oder verdrängte
Gefühle wie etwa Wut oder Trauer wieder wahrzunehmen und
ihnen Raum und Ausdruck zu geben" sagt Undine Bartsch,
Tanz- und Körpertherapeutin in der Klinik am Korso, Bad
Oeynhausen. Dabei soll der eigene "Körper auch wieder
als Freund" kennengelernt werden, den es liebevoll zu behandeln
gilt.¹
Die
Tanz- und Bewegungstherapie wird als körperorientierte
Therapieform bei Essstörungen eingesetzt und hat dabei
in Kombination mit anderen Therapien gute Ergebnisse geliefert.
Wissenschaftliche Studie
In
den Jahren 2002 bis 2005 wurde eine wissenschaftliche Studie
an der Klinik für Tumorbiologie, Freiburg, unter der Leitung
von Prof. Dr. Weis und Prof. Dr. Bartsch an 115 Frauen in der
onkologischen Rehabilitation durchgeführt. Diese ergab
eine signifikante Verbesserung der allgemeine Lebensqualität
und des Wohlbefindens der Probandinnen. Sie nahmen an einem
Therapiepaket teil, in dem auch Tanz- und Bewegungstherapieeinheiten
enthalten waren. Die Nachbefragung ergab, dass rund ein Viertel
der Frauen auch 3 Monate nach der Behandlung ambulante Tanztherapie
in Anspruch nahm. Eine Vielzahl von Patientinnen gab an Übungen
regelmäßig zu Hause durchzuführen.²
=
[ilhö] =
------------------------------------
Quellen:
¹
Klinik
Report 10 - 2/2004
²
Evaluation
der Tanztherapie in der onkologischen Rehabilitation
LINKTIPPS:
.... Psychotherapie
.... Psychotherapeut/Innen Suche
.... Deutsche Gesellschaft für Tanztherapie
.... Private Krankenversicherung - Infos & Tarife
.... Übergewicht bei Kindern stark im steigen
.... Übergewicht - was bedeutet das eigentlich?
.... Ernährungsirrtümer - Mythen & Missverständnisse
.... Gesund-TV: Fernseh-Tipps zum Thema
.... hier geht's
zum Archiv
|
***
Der aktuelle Buchtipp zum Thema ***
|
(klick)
|
Fitness für faule Säcke.
Fitness? Bewegung? Gesunde Ernährung? Das ist etwas
für die anderen, nicht für Sie? Weil Sie eben
mehr der "intellektuelle" Typ sind? Ein wahrer
Genießer, kein hechelnder Sport-Asket? Aber ehrlich:
Knacken nicht auch bei Ihnen die Gelenke, die Muskeln
sind schwach und auch die Hirnleistung ist nicht mehr
das, was sie mal war? "Ich hole Sie dort ab, wo
der Schweinehund Sie sitzen gelassen hat", verspricht
der Autor, spielt damit aber nicht etwa auf Beziehungskrisen
an. Um den inneren Schweinehund geht es, die wohl gängigste
Ausrede für "faule Säcke", endlich
etwas für Fitness und Gesundheit zu tun.
|
|
| Kundenrezensionen:
Der Autor holt den Leser da ab, wo er sitzt, auf der Couch.
Sein Konzept ist alltagstauglich, seine Tipps und Empfehlungen
wohl für jeden umsetzbar, ohne dass übertriebener
Aktionismus erforderlich wäre. Tolles Buch ! |
|