Thema
der Woche
Kalenderwoche
51; Jahr 2000
Milchzuckerunverträglichkeit

Völlegefühl, Blähungen, Bauchkrämpfe, Durchfall oder eventuell
sogar Erbrechen nach dem Genuss von Milch oder Milchprodukten sind deutliche Hinweise
auf die so genannte Laktose-Intoleranz, die Unverträglichkeit von
Milchzucker. "Der Grund dafür ist ein Mangel oder das Fehlen eines Verdauungsenzyms,
der Laktase. Die Unverträglichkeit tritt meist in späteren Lebensjahren
auf, da die Verträglichkeit von Milchzucker durch selteneren Milchgenuss
mit dem Alter abnimmt. Sie kann aber auch angeboren sein", sagt Dr. Christian
Feinböck vom Österreichischen Roten Kreuz.
Bei
Laktoseintoleranz (auch als Milchzuckerunverträglichkeit, Kohlenhydratmalabsorption,
Laktosemalabsorption oder Alaktasie bezeichnet) wird der mit der Nahrung aufgenommene
Milchzucker (Laktose), als Folge von fehlender oder verminderter Produktion des
Verdauungsenzyms Laktase, nicht richtig verdaut. Das Enzym Laktase wird von allen
Säugetieren während der Stillzeit gebildet, es spaltet den Milchzucker
in die für den Menschen verwertbaren Zuckerarten Galaktose und Glukose. Der
Organismus kann nicht den Milchzucker, sondern nur dessen Bausteine aufnehmen.
Das Enzym Laktase zerlegt den Milchzucker in diese Bestandteile. Fehlt Laktase,
wird der Milchzucker nicht zerlegt und verursacht die Beschwerden. Gelangt ungespaltener
Milchzucker in den Dickdarm, wird er von Darmbakterien aufgenommen und vergoren.
Die Gärungsprodukte führen u. a. zu Blähungen und osmotischer
Diarrhoe (Durchfall). Diagnose
& Therapie Es
gibt bereits seit langer Zeit zwei einfache Verfahren, mit deren Hilfe man Laktoseintoleranz
ganz einfach nachweisen kann: einen Bluttest und einen Atemtest. Diagnostiziert
wird die Laktose-Intoleranz meist durch einen Belastungstest. Dabei wird Milchzucker
in Tee oder Wasser aufgeloest, getrunken und danach der Anstieg des Blutzuckers
gemessen. Bei einem anderen Test wird ebenfalls Laktose getrunken und danach der
Wasserstoffgehalt in der Atemluft gemessen. Zusätzlich ist seit September
2005 ein Speicheltest auf dem Markt. Auch kann eine aus dem Darm entnommene Gewebeprobe
auf Laktaseaktivität untersucht werden. "Als
Therapie wird empfohlen, Milchprodukte zu meiden und den Laktasemangel durch Medikamente
auszugleichen. Jedoch stellt auch die vorsichtige Wiedergewoehnung an Milchprodukte
eine Therapiemöglichkeit dar, da ein voelliger Verzicht auf Milch oder Milchprodukte
Nachteile hat. Milch enthaelt eine Reihe notwendiger Naehrstoffe, wie etwa Kalzium
oder Vitamin D. Wird zu wenig Kalzium aufgenommen, nimmt die Knochensubstanz schneller
ab. Nach Rücksprache mit dem Arzt müssen Kalziumpraeparate verabreicht
werden", so Feinboeck. Die
Beschwerden verschwinden dann meist recht rasch. Die geeigneten Lebensmittel sind
in eigenen Listen zusammengefasst. Nach ein bis zwei Wochen absoluter Laktosemeidung
kann die individuelle Toleranz ausgetestet werden. Feinboeck: "Die Therapie mit
Laktasepräparaten ist besonders in den USA üblich. Allerdings wirken
die Präparate nicht bei jedem Patienten gleich gut", so Feinboeck.
Ersatzprodukte Für
viele Betroffene kommen als Ersatz für Kuhmilch pflanzliche Sojamilchprodukte
in Frage. Sie werden aus Sojabohnen hergestellt und enthalten viel Eiweiß,
essentielle Aminosäuren, Eisen und Vitamine. Inzwischen gibt es eine ganze
Palette von Produkten auf der Basis von Sojamilch: zum Beispiel Sojawurst, Sojapudding,
Terrinen und Brotaufstriche, Sojajoghurt oder Sojaquark (Tofu). Produkte aus Tofu
können Ersatz für Käse und Fleisch sein. Man bekommt sie in Bioläden
und Reformhäusern, aber auch bereits in vielen Supermärkten. Als Kuhmilchersatz
insbesondere für Süßspeisen können neben der Sojamilch aber
auch Mandel-, Hafer-, Kokos- oder Reismilch dienen. Wer
Milch als wichtigen Kalziumlieferanten weglassen muss, der benötigt einen
Ersatz. Zwar ist der Mineralstoff auch in Sojamilch enthalten, jedoch in deutlich
geringeren Mengen als in Kuhmilch. Gute Kalziumlieferanten sind grüne Gemüse
wie Broccoli, Grünkohl und Spinat. Bei den Früchten enthalten viele
Beeren und Kiwis höhere Mengen Kalzium. Es gibt auch besonders kalziumreiche
Mineralwässer, die mehr als 15 Milligramm Kalzium pro 100 Milliliter enthalten. Tipp:
Interessant zu wissen ist, dass z.B. Butter praktisch keine Laktose enthält,
wogegen sie in den meisten Margarinen enthalten ist, dass das Milchprodukt Käse
nicht automatisch einen hohen Laktosegehalt haben muss (so enthalten etwa Emmentaler
oder Parmesan nur wenig Laktose) oder dass manche Joghurts mit "Aktivkulturen"
ein Enzym für die Laktoseverdauung enthalten. LINKTIPPS:
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