Thema
der Woche
Kalenderwoche
50; Jahr 2005
Alkohol
ist Österreichs Volksdroge Nummer 1

Mit
dem Alkohol hat der Mensch eine Essenz gefunden, die imstande
ist,
Körper und Geist zu beflügeln. Aber auch, ihn in beängstigende
Tiefen
abstürzen zu lassen und andere mit ihm zu reißen.
Krügel, Achtel & Co sind
für ähnlich hohe Gesundheitsbelastungen verantwortlich
wie Tabak oder Bluthochdruck.
Alkohol
gehört in Österreich zum gesellschaftlichen Alltag. Bier, Wein und Schnäpse
sind zwar Teil unserer Kultur, allerdings sind die Grenzen zwischen Genuss, Missbrauch
und Abhängigkeit oft fließend, sagt der Geschäftsführer des
Fonds Gesundes Österreich Dennis Beck. Gerade während der Weihnachtsfeiertage
fließt Alkohol in ungeahnten Maßen - und nicht immer ist Feierstimmung
Anlaß dafür, sondern vielmehr Einsamkeit, familiäre Spannungen
oder Angst dem gesellschaftlichen Erwartungsdruck nicht gerecht werden zu können.
Problematischer Alkoholkonsum betrifft also alle Lebensbereiche und kann zu zahlreichen
körperlichen, seelischen und sozialen Beeinträchtigungen führen.
Er zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren für Morbidität und Mortalität
und ist schon deshalb gesundheitspolitisch höchst relevant . Grund genug
für den Fonds Gesundes Österreich, die heurige (bereits siebente) Präventionstagung
dem Thema Alkohol zu widmen. Denn
auch hierzulande ist Alkohol neben Tabak die Volksdroge Nummer 1: Einen problematischen
Alkoholkonsum haben 21 Prozent der Männer und sieben Prozent der Frauen,
also 870.000 Personen , rechnet Univ.-Prof. Prim. Dr. Michael Musalek, Leiter
des Anton Proksch Instituts, vor. Und rund fünf Prozent der Bevölkerung,
also 330.000 Menschen, sind als alkoholabhängig einzustufen. Häufig
unterschätzt: Konsum mit Todesfolgen
Was häufig unterschätzt wird: Krügel, Achtel & Co sind nicht
nur eine Volks-, sondern auch eine regelrechte Todesdroge. Die Lebenserwartung
von Alkoholabhängigen ist gegenüber der Durchschnittsbevölkerung
um 20 Jahre reduziert. Bis zu 20 Prozent aller Todesfälle gingen in manchen
Ländern auf das Konto von mehr oder weniger hochprozentigen Getränken,
berichtete das britische Wissenschaftsjournal Nature . Alkohol löst, so eine
andere internationale Studie, weltweit ein ähnliches Maß an Todesfällen
oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen aus wie Tabak oder
Bluthochdruck und wird
mit 60 Krankheiten in einen direkten Zusammenhang gebracht, darunter
Brustkrebs und koronare
Herzerkrankungen. Von
allen PatientInnen, die in ein Allgemeinkrankenhaus eingewiesen werden, weisen
etwa 29 Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen eine alkoholassoziierte
Erkrankung innerer Organe auf, referiert Prof. Dr. Manfred Singer, Leiter der
II. Medizinischen Universitätsklinik in Mannheim, bei der Tagung des Fonds
Gesundes Österreich das Ergebnis internationaler Studien. Mythos
Gesunder Alkohol
Deshalb sei auch größte Vorsicht angebracht, was populäre Meldungen
über die angeblich
gesundheitsfördernde
Wirkung von Alkohol angeht, warnen ExpertInnen bei der aktuellen Konferenz
in Wien. Es ist immer zu bedenken, dass eine moderate Dosis von Alkohol zwar allenfalls
gut für die Kardioprotektion sein kann, zugleich aber negative Auswirkungen
auf andere Organe hat , so Prof. Singer.
Fest steht, Alkohol ist viel schädlicher als früher angenommen , so
der Mannheimer Experte. Für den Einzelnen kann daher nur die Erkenntnis hilfreich
sein: Das Trinken von Alkohol ist selbst in moderaten Mengen mit einem Gesundheitsrisiko
verbunden. Höhere
Alkoholpreise als Mittel zur Alkoholsucht-Prävention ? Insgesamt
zeigt sich, dass in allen Regionen mit relativ hohem Alkoholkonsum Besteuerung
die kosteneffektivste Maßnahme zur Verminderung alkoholbedingter Schäden
ist , sagt Prof. Dr. Jürgen Rehm, in Zürich und Toronto tätiger
Suchtforscher und einer der hochkarätigen ReferentInnen bei der Tagung des
Fonds Gesundes Österreich. In einer im Fachjournal Lancet veröffentlichten
Studie rechnete der Forscher gemeinsam mit Kollegen aus Schweden und Kanada vor,
dass eine zehnprozentige Verteuerung der britischen Alkoholpreise die Sterblichkeit
aufgrund von Zirrhose bei Männern um sieben und bei Frauen um 8,3 Prozent
senken würde. Andere Todesfälle, die sich auf Alkohol zurückführen
lassen, gehen sogar um knapp 19 Prozent bei Männern und mehr als 37,8 Prozent
der Frauen zurück.
Allerdings
würde die Politik trotz solcher Einsichten oft wenig Mut beweisen, bedauert
der Schweizer Experte. Es scheint so, dass alkoholpolitische Maßnahmen oft
umso populärer sind, je weniger wirksam sie sich für die Schadensreduktion
erweisen. Aber nicht nur Steuern und Verbote, sondern auch andere Aspekte halten
ExpertInnen für wichtig: Es gilt nach alternativen Formen der Gesundheitsförderung
und Prävention Ausschau zu halten, nach Formen die den, mit dem Alkoholkonsum
verbundenen sozialen Bedürfnissen der Einzelnen Rechnung tragen und damit
gesundheitsfördernd wirken , so Univ.-Prof. Dr. Irmgard Eisenbach-Stangl
vom Europäischen Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung in
Wien. LINKTIPPS:
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